Darum altert Wollitz nicht! Cottbus-Coach verrät seine ewige Erfolgsformel
Cottbus - Wie lange steht Pele Wollitz (60) noch an der (Cottbuser) Seitenlinie? Im Gespräch mit TAG24 erzählt die Trainer-Ikone, was sich in über 20 Jahren als Profi-Trainer verändert hat und was er an sich verändern musste.
"Wenn man sich reflektieren und Fehler eingestehen kann, dann gilt es erstmal, bei sich anzufangen. Und da war ich halt früher ein Sturkopf", hält Energies Trainer gar nicht erst hinterm Berg.
Wollitz hat Kaffee organisiert, wirkt sortiert: "Wenn ich was im Kopf hatte, habe ich das Ding durchgezogen. Das mache ich jetzt nicht mehr. Da bin ich viel gelassener geworden", verrät er.
Der 60-Jährige will das nicht nur auf seine Erfahrung schieben: "Ich habe mal irgendwo gelesen, Charakter kann man nicht verändern. Das stimmt zu 100 Prozent nicht", sagt er voller Überzeugung.
Außerdem sei da eine neue Spielergeneration mit all ihren Eigenheiten: "Früher gab es ein gemeinsames Frühstück. Heute kommt einer um halb 9, der andere um 10 Uhr. So was kontrolliere ich auch gar nicht. Und ich will auch nicht mehr wissen, ob da abends mal welche unterwegs sind."
Claus-Dieter Wollitz schenkt viel Vertrauen und geht mit der Zeit
Nach dem Sieg bei Viktoria Köln (2:0) habe er sieben Spielern gestattet, zwei Tage im Westen bei ihren Familien zu bleiben. Mitten im Aufstiegskampf.
"Wenn ich vor dem Spiel die Musik in der Kabine höre, da hätte ich damals den Kassettenrekorder ausgedrückt und gesagt: ‘Seid ihr bescheuert, oder was? Wollt ihr mich verarschen? Hier gibt es gar keine Musik!’"
Wollitz gibt sich geläutert, spricht immer häufiger von "Daten" und "Analysen", zugleich von "Vertrauen" und davon "mit der Zeit" gehen zu müssen.
Und hat gelernt, eine Mannschaft mitzunehmen: "Ich habe mit Henry Rorig unter vier Augen gesprochen, warum ich ihn von der Bank bringen will. So was hätte ich früher nicht gemacht."
Später springt er von seinem Trainerstuhl auf, erhebt die Stimme. In dem Moment wird klar: Wollitz ist authentisch, verstellt sich nicht vor den Kameras. Und sprüht nur so vor Tatendrang.
Das war vor Duisburg. Hat er auch auf die Pleite eine Antwort parat und lässt den Kassettenrekorder an, könnten Cottbus und Wollitz in wenigen Tagen in die 2. Liga zurückkehren.
Titelfoto: Norbert Neumann

