Kader, Achse, Erwartungen: Wollitz' Baustellen bis zum Cottbus-Start
Cottbus - In zweieinhalb Wochen startet Energie Cottbus in das Abenteuer 2. Liga. TAG24 benennt die Baustellen bis zum scharfen Start gegen Hannover 96.
Unfertiger Kader: Bis zu fünf Neue sollen noch kommen, darunter drei mit Stammspieler-Qualitäten für den Defensivverbund. Speziell in der Rückwärtsbewegung wurden in den Tests die Schwachstellen schonungslos aufgedeckt.
Trainer Pele Wollitz (60) analytisch: "Ich habe das Gefühl, dass im Moment jeder für sich spielt, nicht so als Mannschaft."
Pressing und Gegenpressing: Die Abläufe und Abstände im Spiel gegen den Ball passen oft nicht. Deswegen legt Energie dieser Tage viele Videoanalysen ein, um die Kompaktheit der Rückrunde wieder herzustellen.
Nach dem 2:4 gegen Boleslav warnte Wollitz: "Wir sollten wieder zu unserem Spiel finden. Das ist natürlich hochintensiv, speziell für die neuen Spieler."
Energie Cottbus' Neuzugänge brauchen Zeit, Aufstiegshelden zeigen mentale Müdigkeit
Mentale Müdigkeit: Hinzu kommt, dass die als Ankerspieler geplanten King Manu (22), Lukas Michelbrink (21) oder Erik Engelhardt (28) nach dem anspruchsvollen Aufstieg nur sehr schwerfällig wieder ins Rollen kommen. Laut ihres Trainers seien sie in einem psychischen Loch.
Wollitz erklärt: "Ich glaube, alle drei oder noch mehr Spieler haben noch nie so eine lange Saison gespielt, mit so vielen Spielen und dann auch in dieser Intensität. Das gilt es jetzt in den nächsten drei Wochen aufzuarbeiten, hoffentlich."
Führungsachse fehlt: Durch den Abgang von Tolga Cigerci (34) und die verletzungsbedingten Ausfälle seines Bruders Tolcay (31) sowie Kapitän Axel Borgmann (32) herrscht auf dem Platz plötzlich ein Führungsvakuum.
Selbst der als Fixpunkt geholte Leonardo Bittencourt (32) sucht noch seine Rolle. Wollitz: "Leo kann nur dann richtig gut spielen, wenn er auch das Personal um sich hat."
Die Verpflichtung von Leonardo Bittencourt ist bisher Fluch und Segen zugleich
Externe Erwartungshaltung: Durch den Bittencourt-Transfer stiegen schlagartig in Branche und Umfeld die Ansprüche, Spielerberater riefen utopische Forderungen auf.
Energie verpasste es, im ersten Moment zu kommunizieren, dass die Leo-Heimkehr nur durch gütige Mithilfe eines externen Sponsors möglich war. Auch, dass das Wörtchen "Klassenerhalt" in der Außenkommunikation gemieden wurde, sorgte für falsche Erwartungen.
Im Gegenzug sah sich Wollitz im Trainingslager frühzeitig gezwungen, Alarm zu schlagen. Die Neuverpflichtungen und ersten Ergebnisse der Vorbereitung suggerierten für viele Außenstehende eine trügerische Sicherheit.
Viele Fans reiten noch auf der Euphoriewelle, decken sich vor allem mit der neuen Adidas-Kollektion ein. Energie arbeitet dieser Tage emsig daran, dass es am ersten Spieltag kein böses Erwachen gibt.
Titelfoto: IMAGO / Steffen Beyer

