Keine Freude über den Sieg: Cottbus hat ein Kopfproblem
Cottbus - Energie Cottbus fährt gegen Schweinfurt den ersten Sieg des Jahres ein (2:1), doch so wirklich zufrieden ist nach dem Wackel-Sieg gegen den Tabellenletzten niemand. Hemmt der omnipräsente Aufstiegswunsch das Team?
Die Erklärung bringt zumindest Energie-Trainer Pele Wollitz (60) nach dem Spiel an. Die zweite Hälfte sei "sehr verkopft, sehr ängstlich" gewesen. Viele Spieler hätten "kein Vertrauen zu sich selbst" gehabt.
Der Mannschaft gehe derzeit "die Liebe" zum Fußball ab, weshalb Wollitz auch von einem "glücklichen Sieg" sprach. Unter anderem hätte Schweinfurt unmittelbar vor der Pause einen Elfer statt Freistoß kriegen müssen.
Wollitz: "Wir spielen im Moment total verunsichert, total verkrampft. Ein Beispiel: Ich hab noch nie so eine schlechte Halbzeit gesehen von Henry Rorig."
Fakt ist: Dass die Mannschaft ein Kopfproblem hat, ist spätestens mit dem Schweinfurt-Spiel offensichtlich. Dieses hat in der Winterpause mit dem Gewinn der Herbstmeisterschaft eingesetzt. Der Titel ist für Cottbus mehr Bürde als Würde!
Die Erwartungen bei einigen Fans (und einigen Spielern) schossen in den Himmel, Energie ist medial plötzlich bundesweit ein Thema. Die Mannschaft lasse sich von außen "manipulieren", so Wollitz bei MagentaSport.
"Wir spielen in Saarbrücken 1:1. Dann diskutieren wir [im Umfeld] eine Woche: Das ist zu wenig. Aber das verunsichert jeden einzelnen Spieler."
Energie Cottbus hat wenige mental starke Spieler
Bezeichnend ist auch: Gegen die Schnüdel sorgten die derzeit mental stärksten Spieler für die Tore. Wieder einmal markierte Moritz Hannemann (27) das wichtige erste Energie-Tor. Es war der vierte Treffer dieser Art diese Saison.
Kapitän Axel Borgmann (31), eigentlich Linksverteidiger, erzielte in Mittelstürmer-Position das 2:1. Beide Tore legte Erik Engelhardt (27) vor.
Die drei waren es auch vor allem, die in der Mixed-Zone sprechen wollten. Einigen anderen Spielern war an diesem Tag der Kopf nicht danach.
Darunter auch Geburtstagskind Tolcay Cigerci (31), der nach wie vor kränkelt und wie schon in Saarbrücken nicht an seine Top-Verfassung herankam.
Wollitz ist in den kommenden Wochen als Psychologe seines Teams gefragt. Und im Umfeld als Stimmungsbote.
Titelfoto: IMAGO / Max Kilian

