Olisensationell! Geistesblitz läutet Bayern-Gala in Bergamo ein, aber es gibt ein paar Haken
Bergamo (Italien) - Wer in der Lombardei bestehen will, muss von An- bis Abpfiff hellwach sein - da braucht man nur beim BVB nachfragen. Der FC Bayern München war beim 6:1 (3:0)-Sieg im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Atalanta Bergamo nicht nur putzmunter, sondern spielte wie im Rausch. Und Michael Olise in einer ganz eigenen Liga.
"Er ist für mich sogar vielleicht der beste Transfer der Bundesliga der letzten zehn Jahre", adelte Experte Christoph Kramer den Franzosen schon vor dem Anpfiff bei Amazon Prime. "Ich weiß, wir reden immer von großen Summen. Aber trotzdem: Preis-Leistung, was dieser Spieler einer Mannschaft gibt, das ist unfassbar."
Der Ritterschlag des Weltmeisters wirkte kurz darauf fast schon prophetisch, denn in der 12. Minute läutete ausgerechnet ein Geistesblitz des Ballkünstlers die Bayern-Gala ein.
Nach einem zur Ecke abgefälschten Abschluss von Díaz reagierte Olise rasendschnell und passte nur kurz auf Gnabry, während sich die Italiener im Zentrum noch sortierten. Der deutsche Nationalspieler behielt die Übersicht und bediente den einlaufenden Stanisic, der lediglich den Fuß zur 1:0-Führung hinhalten musste.
Gerade als "La Dea" im Anschluss etwas in Richtung Ausgleich aufmuckte, hatte der französische Edeltechniker aufseiten der Münchner die nächste gute Idee. Upamecano bediente Olise an der rechten Strafraumkante, von wo der Linksfuß in bester Robben-Manier nach innen zog und das Leder neben den linken Pfosten setzte (22. Minute).
FC Bayern München überrollt Atalanta Bergamo, aber bezahlt die Gala mit Verletzungen
Nur rund 180 Sekunden später folgte schon der nächste Geniestreich des 24-Jährigen. Nun steckte er das Spielgerät passgenau im perfekten Moment in den Lauf von Gnabry, der eiskalt vor Atalanta-Keeper Carnesecchi zum dritten Streich veredelte (25.).
So war der Stecker bei den Hausherren ganz früh gezogen, schon vor dem Pausenpfiff hätte der deutsche Rekordmeister die Treffer Nummer vier, fünf oder gar sechs nachlegen können. Unter anderem traf Gnabry aber nur das Lattenkreuz (44.).
Nach dem Seitenwechsel machte Bayern einfach weiter: Ein Konter über Jackson, Davies und Díaz landete wieder bei der Chelsea-Leihgabe, die ihr Soll als Kane-Ersatz erfüllte und überlegt zum 4:0 einnetzte (52.).
Dann schlug auch bald die nächste Stunde des alles überstrahlenden "Les Bleus"-Stars. Quasi mit der Kopie seines ersten Treffers - nur noch etwas schöner - besorgte Olise das Fünfte (64.), der eingewechselte Musiala machte drei Minuten später das halbe Dutzend voll (67.).
Zwei Wermutstropfen gab es allerdings, denn nur 25 Minuten nach seiner Einwechslung musste der gerade genesene Alphonso Davies unter Tränen erneut verletzt raus (71.) und auch Jamal Musiala verließ kurz vor Abpfiff unter Schmerzen den Rasen - ganz bitter!
In der Nachspielzeit gelang dem letzten Serie-A-Vertreter in der Königsklasse durch Mario Pasalic noch der Ehrentreffer (90.+3), bei dem sich zu allem Überfluss auch Jonas Urbig wehtat. Fürs Viertelfinale kann die Kompany-Elf aber wohl trotzdem schon planen.
Statistik zum Champions-League-Achtelfinale zwischen Atalanta Bergamo und Bayern München
Champions League, Achtelfinale
Hinspiel
Atalanta Bergamo - Bayern München 1:6 (0:3)
Atalanta Bergamo: Carnesecchi - Zappacosta (67. Bellanova), Hien, Kolasinac (55. Ahanor), Bernasconi - Sulemana (73. Samardzic), de Roon, Pasalic, Zalewski (55. Musah) - Krstovic, Scamacca (46. Djimsiti)
Bayern München: Urbig - Stanisic (86. Guerreiro), Upamecano, Tah, Laimer (46. Davies (71. Bischof)) - Kimmich, Pavlovic (68. Goretzka) - Olise, Gnabry (46. Musiala), Luis Díaz - Jackson
Schiedsrichter: Espen Eskas (Norwegen)
Zuschauer: 25.000
Tore: 0:1 Stanisic (12.), 0:2 Olise (22.), 0:3 Gnabry (25.), 0:4 Jackson (52.), 0:5 Olise (64.), 0:6 Musiala (67.), 1:6 Pasalic (90.+3)
Gelbe Karten: Musah (3) / Laimer (4), Olise (3), Kimmich (3)
Titelfoto: Jan Woitas/dpa

