Aue-Spieler Sijaric ein Jahr nach Hodenkrebs-Diagnose: "Bin vollständig genesen!"

Aue - Weihnachten! Omar Sijaric (21) vom FC Erzgebirge Aue kann das Fest unbeschwert mit seiner Familie feiern. Er kann es gesund feiern. Das war vor zwölf Monaten anders. Da war alles schwarz um ihn herum. Zweifel, Angst, eine ungewisse Zukunft. Genau vor einem Jahr kam für den damals 20-Jährigen die Diagnose Hodenkrebs.

12. Dezember 2021: Das letzte Punktspiel für Omar Sijaric (21, l.) vor der Krebsdiagnose gegen Dynamo Dresden. Eine Woche später gegen Nürnberg spielte er nicht, musste aber zur Dopingkontrolle. Sie war auffällig. Der Grund war der Hodenkrebs.
12. Dezember 2021: Das letzte Punktspiel für Omar Sijaric (21, l.) vor der Krebsdiagnose gegen Dynamo Dresden. Eine Woche später gegen Nürnberg spielte er nicht, musste aber zur Dopingkontrolle. Sie war auffällig. Der Grund war der Hodenkrebs.  © picture point/Sven Sonntag

"Das war ein großer Schock! Ich war ja gesund, habe die Vorrunde komplett gespielt. Am nächsten Tag dann so eine Diagnose zu bekommen, war nicht leicht", so Sijaric.

Von jetzt auf gleich stand nicht nur der Fußball auf der Kippe, sondern sein ganzes Leben. Mit 20! Herausgekommen ist die Krankheit nach dem Spiel am 18. Dezember 2021 daheim gegen den 1. FC Nürnberg. Er musste zu Dopingprobe. Der Befund war auffällig.

Weil sich der Mittelfeldspieler keiner Schuld bewusst war, ging Teamarzt Torsten Seltmann dem Ganzen nach - und entdeckte die Krankheit.

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Nun begann Sijarics größter Kampf. Das Ziel hieß nicht drei Punkte, es hieß nicht Klassenerhalt. Es hieß leben. Heute ist er vollständig genesen, hat am 11. September gegen Zwickau ("Ich wusste gar nicht, wohin mit mir vor lauter Gefühlen") erstmals wieder gespielt.

Der gebürtige Pfullendorfer ist nun fit. "Durch meinen Verein, meine Eltern, meine Freunde, meine Ärzte, einfach alle, bin ich gut durch die Zeit gekommen. Es war ein großes Glück, dass es diese Dopingkontrolle gab."

Erst behielt Aue-Spieler Sijaric die Diagnose für sich, dann ging er doch an die Öffentlichkeit

22. Juni: Das erste Training für Omar Sijaric nach seiner Erkrankung. Die damals noch fehlenden Haare hatte ihre Ursache in den Chemotherapien.
22. Juni: Das erste Training für Omar Sijaric nach seiner Erkrankung. Die damals noch fehlenden Haare hatte ihre Ursache in den Chemotherapien.  © picture point/Sven Sonntag

Bei der Biopsie wurde festgestellt, was es für ein Tumor war, es folgten die Chemotherapien, später bei der OP die Tumor-Entnahme. Der Körper litt, er wurde schmächtiger. Die Haare fielen aus.

"Es war nicht leicht. Aber ich habe alles positiv angenommen. Ich habe mir jeden Tag als Ziel gesetzt. So wie alles gelaufen ist, war es perfekt - auch wenn es eine schwere Krankheit war", blickt er zurück.

Sijaric ist mit seiner Krankheit zunächst nicht an die Öffentlichkeit gegangen, um seine Eltern zu schützen, um sich zu schützen. "Ich musste das alles erst für mich verarbeiten." Doch dann kamen überraschenderweise Leidensgenossen aus dem Profi-Fußball dazu.

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Hodenkrebs hieß es bei Timo Baumgartl (26) von Union oder Marco Richter (25) von Hertha. "Das hat mich schockiert", so der Auer.

Ausgetauscht hat er sich mit den beiden nicht. Er wollte für sich seinen Weg gehen. Aber vielleicht ist durch sie der Entschluss gereift, doch den Schritt an die Öffentlichkeit zu gehen.

"Auch Profisportler in einer guten körperlichen Verfassung können krank werden"

Nun ist Omar Sijaric wieder der Alte. Die körperliche Defizite hat er aufgeholt. Er ist wieder topfit.
Nun ist Omar Sijaric wieder der Alte. Die körperliche Defizite hat er aufgeholt. Er ist wieder topfit.  © Picture Point/Gabor Krieg

Im August gab er ein bemerkenswertes, offenes Interview im vereinseigenen TV.

"Ich habe mich am Anfang einfach nicht getraut, mit der Sprache herauszurücken. In diesem Interview wollte ich vielen Mut machen. Auch wenn etwas Negatives passiert: Wenn viel Zuspruch von Ärzten und der Familie kommt, dann kann man für sich Positives herausziehen und das Tag für Tag. Das ist nicht nur bei Krankheiten so. Einfach Mut mitzunehmen, positiv sein. Ich hoffe, ich konnte einigen damit helfen. Sie konnten sehen, auch Profisportler in einer guten körperlichen Verfassung können krank werden."

Schaut man auf Fotos vom Dezember 2021 und jetzt - er ist wieder der Alte. Er wirkt spitzig, robust und austrainiert. "Ich habe sehr viel an mir gearbeitet, da ich noch einige Nachteile hatte. Ich fühle mich deutlich besser."

Am 2. Januar steigt er mit seiner Mannschaft wieder ins Training ein. Davor liegen besinnliche Tage zu Weihnachten. Er wird sie genießen, ganz ohne schlechte Gedanken an die Zukunft. Omar Sijaric hat 2022 seinen größten Kampf gewonnen, den gegen den Krebs.

Titelfoto: Picture Point/Gabor Krieg

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