Männel knallhart, Stefaniak-Maulkorb, gegnerisches Kopfschütteln: Aue im freien Fall

Aue-Bad Schlema - Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Das gilt so lange, bis Erzgebirge Aue rechnerisch nicht mehr in der 3. Liga zu halten ist. Und dann schaut man sich die jüngste und zugleich fünfte Niederlage im siebten Rückrundenspiel gegen den VfL Osnabrück an und kommt nach dem 1:3 (1:1) zu dem Ergebnis: In dieser Verfassung hält Lila-Weiß nie und nimmer die Klasse.

Marvin Stefaniak (31) hat sich nach der Niederlage gegen Osnabrück selbst einen Maulkorb verpasst.
Marvin Stefaniak (31) hat sich nach der Niederlage gegen Osnabrück selbst einen Maulkorb verpasst.  © PICTURE POINT / Nicolas Sonntag

"Das hat nix mit Strategie oder Taktik zu tun, wie du ins Spiel hineingehst, sondern ist eine Sache der Aufmerksamkeit. Das geht beim zweiten oder dritten Tor los, die jeweils aus Einwürfen resultierten, wo du nicht in die klare Zuordnung kommst, um den Ball zu verhindern", kritisierte FCE-Coach Christoph Dabrowski (37) exemplarisch die Entstehung des Osnabrücker Doppelpacks (73./76.).

Joe Enochs (54), selbst ein erfahrener Drittligatrainer und jetzt Sportchef bei Aufstiegsaspirant Osnabrück schüttelte oben auf der Presstribüne ob der Entstehung des ersten Auer Gegentors (17.) den Kopf.

VfL-Coach Timo Schultz (48) sprach die Szene, als Tristan Zobel (22) klären muss und sich stattdessen mit Ryan Malone (33) fast über den Haufen lief in seiner Analyse auf der Pressekonferenz ebenfalls an: "Wir sind aufgrund eines Abwehrfehlers in Führung gegangen."

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Beide Osnabrücker Verantwortliche sahen, was sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht: Slapstick oder einfach fehlende Qualität. Zobel, der das 0:1 auf seine Kappe nehmen muss und schon in Spielen zuvor häufig nicht gut aussah, war vor dem 0:2 nicht am Mann und zog dann noch den Kopf ein.

Das dritte Gegentor war kollektiv schwaches Verteidigen in der Rückwärtsbewegung.

Bei einem Abstieg von Erzgebirge Aue stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel

Kapitän Martin Männel (37) urteilte nach der Niederlage knallhart.
Kapitän Martin Männel (37) urteilte nach der Niederlage knallhart.  © Picture Point / Sven Sonntag

Was Aue fehlt? Der Spirit, den man im Abstiegskampf braucht. Grätschen und eklig spielen. Sinnbildlich: Marvin Stefaniaks (31) Harakiri-Querpass in der ersten Halbzeit am eigenen Strafraum.

Kapitän Martin Männel (37) knallhart: "In einem Spiel, wo es auf Kleinigkeiten ankam, haben wir verkackt, sowohl hinten, in diesen kleinen Dreckssituationen als auch vorne im Strafraum."

Er vermisste in der Defensive aufmerksames Verteidigen und Verantwortung zu übernehmen sowie in der Offensive die Gierigkeit. Er stellte sich den kritischen Fragen. Vizepaitän Stefaniak verpasste sich selbst einen Maulkorb und meinte zu den Kollegen vom "MDR": "Bevor ich alles zerlege..."

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Steigt Aue ab, stehen nicht nur Spielerverträge und deren Dotierung zur Debatte, sondern angesichts eines dann niedrigeren Etats auch Arbeitsplätze im Kumpelverein auf dem Spiel. Männel weiß das durch seine bald 18-jährige Vereinsangehörigkeit. Gilt das aber auch für jeden seiner Mitspieler?

"Verstanden hat das jeder! Sich der ganzen Situation bewusst zu sein, ist das eine, dann auch den Mut zu haben, diese Verantwortung auf seine Schultern zu laden und seine Leistung zu bringen, ist das andere. Wir haben sehr viele junge Spieler im Kader, die vielleicht das erste Mal in so einer Situation stecken", sagte Männel.

Er unterstrich nochmal, jeder sei sich der Situation bewusst.

Titelfoto: Picture Point / Sven Sonntag

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