Baris Atik im TAG24-Interview: "Der ein oder andere wäre an dieser Kritik zerbrochen"

Magdeburg - Leistungsträger, Führungsspieler und Identifikationsfigur des FCM: Die Rede ist natürlich von Baris Atik. Der 31-Jährige ist ein ganz besonderer Spieler, der auf dem Platz mit Wille und Leidenschaft agiert und auf den sich die Magdeburger Anhänger in jeder Partie verlassen können. TAG24 sprach mit ihm über die Kritik an seiner Person, seine Träume mit dem FCM und warum er noch nie den Schritt in die Bundesliga gegangen ist.

Mit einem Punkt gegen Kaiserslautern hätten Baris Atik (31) und sein FCM den Klassenerhalt sicher.  © Uwe Anspach/dpa

TAG24: Ihr habt euch in den vergangenen Monaten zu einem echten Team und zu einer Einheit entwickelt: Welche Rolle spielen Sie dabei als Führungsspieler?

Baris Atik: Ich glaube, dass ich von meiner Mentalität her der Typ bin, der vorangeht, was auch irgendwo mein Job ist als einer der Führungsspieler. Das habe ich die letzten Jahre über gemacht und natürlich dabei versucht, mit meinen Mannschaftskollegen gemeinsam dafür zu sorgen, dass wir noch mehr zusammenrücken, um aus dieser Situation rauszukommen.

TAG24: Ihr müsst im kommenden Spiel eigentlich "nur" einen Punkt holen, aber Sie haben schon betont, dass Sie immer auf Sieg spielen wollen. Besprechen Sie dann als Mannschaft, welche Herangehensweise am besten geeignet ist, oder gibt der Trainer das vor?

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Baris Atik: Ich glaube, ich habe noch nie eine Mannschaft erlebt, die nur auf Unentschieden spielt. In Magdeburg weiß jeder, dass wir immer auf Sieg spielen. Daher braucht es keine spezielle Teamsitzung oder einen Stuhlkreis, um zu besprechen, wie wir die Partie angehen wollen. Wir gehen am Sonntag raus und versuchen, drei Punkte für den 1. FC Magdeburg zu holen.

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Baris Atik und der FCM in der Bundesliga?

Der FCM in der Bundesliga? Mit einem Duo bestehend aus Baris Atik (l.) und Mateusz Zukowski (24) sicherlich möglich.  © Swen Pförtner/dpa

TAG24: Sie waren vor ein paar Wochen bei der Show "At Broski". War das Ihre erste Talkshow und wie haben Sie das Ganze wahrgenommen?

Baris Atik: Ja, das war meine erste Talkshow. Zu Beginn war ich daher noch recht nervös. Spaß gemacht hat mir diese neue Erfahrung aber trotzdem, auch wenn ich es mir nach meiner Karriere nicht vorstellen kann, ständig in Talkshows aufzutreten.

TAG24: Also kein TV-Experte nach Ihrer Karriere?

1. FC Magdeburg Mission Klassenerhalt: Schafft der FCM es schon gegen Holstein Kiel?

Baris Atik: Nein, ich glaube nicht.

TAG24: Bei der Talkshow haben Sie gesagt, dass es Ihr großer Traum ist, mit dem FCM in der Bundesliga zu spielen. Glauben Sie daran, dass es möglich wäre?

Baris Atik: Natürlich steht das in den Sternen, aber ich wünsche es mir und habe es auch irgendwo im Gefühl. Die Infrastruktur ist ab der nächsten Saison, mit dem neuen Funktionsgebäude und den Trainingsplätzen, extrem gut. Und wenn unsere sportliche Leitung dann noch einen Kader zusammenstellt, der zu unserem Spielsystem passt, dann glaube ich, dass es möglich sein kann, mittelfristig oben mitzuspielen. Es ist aber vor allem wichtig, dass wir als Verein wachsen, uns stabilisieren, weiterentwickeln - und dann können wir vielleicht einmal mit einem Auge nach oben schielen.

Baris Atik als FCM-Ikone?

Auf dem Feld ist Baris Atik (l.) ein sehr polarisierender Spieler.  © Julius Frick/dpa

TAG24: Thema Bundesliga: Ein Spieler Ihrer Qualität hätte in den vergangenen Jahren sicherlich schon den Sprung in die erste Liga schaffen können. Warum haben Sie es noch nicht gemacht?

Baris Atik: Es gab noch keinen Verein, der für mich auch nur ansatzweise interessant gewesen wäre, um dorthin zu wechseln. Überhaupt ist das Gesamtpaket hier in Magdeburg für meine Familie und mich einfach überragend. Wir fühlen uns extrem wohl. Außerdem möchte ich nicht irgendwohin gehen, um dann Spieler 13, 14 oder 15 zu sein. Lieber baue ich mir aus eigener Kraft etwas auf und gestalte die Zukunft bei einem Verein mit, sodass ich irgendwann einmal eine Größe in diesem Klub bin, anstatt eine kleine Nummer irgendwo anders zu sein.

TAG24: Sie haben es selbst immer wieder gesagt und man merkt es Ihnen auch an: Sie hassen Verlieren. Wie gehen Sie in so einer Saison mental mit Rückschlägen und auch diesen negativen Phasen um?

Baris Atik: Bei mir ist die Gier nach Siegen und Erfolg total ausgeprägt. Es ist mental zwar manchmal schwer, als Führungsspieler immer voranzugehen, aber ich denke mir, dass wir es als Spieler und Verein schon so weit gebracht haben, dass wir eine feste Größe werden können in der 2. Liga, und es dann auch nicht der Zeitpunkt sein darf, jetzt aufzugeben. Das treibt mich tagtäglich aufs Neue an.

TAG24: Sie sind auf dem Feld auch ein sehr polarisierender Spieler, der in der Vergangenheit durchaus Kritik einstecken musste. Macht das irgendetwas mit Ihnen?

Baris Atik: Ich sage Ihnen ehrlich: Die Meinung anderer ist mir so egal. Ich glaube, was ich mache, und die Kritik, die ich dafür einstecke, damit würden einige nicht klarkommen. Der eine oder andere wäre - vielleicht auch privat - daran zerbrochen, weil es ab und zu schon grenzwertig ist. Das zeigt aber auch: Neid muss man sich hart erarbeiten.

TAG24: Jetzt, wo sich die Saison dem Ende zuneigt: Was war Ihr bisheriges Saison-Highlight?

Baris Atik: Um ehrlich zu sein, gab es kein wirkliches Highlight. Es war eine Saison mit Höhen und Tiefen. Die Spielzeit war anstrengend und ich freue mich, dass sie am Sonntag, hoffentlich mit einem Happy End, zu Ende geht.

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