"Pseudo-Sicherheit": So denkt der FCM-Präsident über personalisierte Tickets und Maßnahmen

Magdeburg - Im Rahmen der MDR-Diskussionsrunde "Fans vs. Polizei - Was läuft falsch im Fußball" wurde viel zum Thema Stadiongewalt und die Auseinandersetzung zwischen Anhänger des 1. FC Magdeburg und der Polizei gesprochen. Mit auf dem Podium auch FCM-Präsident Jörg Biastoch (62).

Beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizei.
Beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizei.  © Andreas Gora/dpa

Die Eskapaden zwischen Fans und Polizei beim Spiel zwischen dem FCM und Dynamo Dresden ist jetzt schon knapp einen Monat vorbei. Doch natürlich wird weiterhin intensiv darüber diskutiert, welche präventiven Maßnahmen zu treffen sind und natürlich, welche Konsequenzen die mutmaßlichen Täter tragen müssen.

"Wir wünschen uns Gesichtserkennung, vielleicht auch Drohnen, damit man die [vermutlichen] Täter überführen kann", schlägt die Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft Nancy Emmel eine Lösung vor. Damit einhergehend wären personalisierte Tickets, die international schon weit verbreitet sind, ein weiterer Ansatz.

FCM-Präsident Jörg Biastoch hat zu diesen Vorschlägen eine klare Meinung: "Personalisierte Tickets sind, glaube ich, eine Pseudo-Sicherheit. Im Stehplatzbereich kann man überhaupt nicht verfolgen, wo sich der Einzelne befindet." Und auch den Drohneneinsatz kritisiert er: "Wenn wir mit KI-Drohnen arbeiten, die Gesichtserkennung haben, würden wir uns strafbar machen. Das ist in Deutschland verboten."

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Gleichzeitig betont der 62-Jährige, dass mit diesen Ausschreitungen beim Elb-Clásico auch für ihn "eine rote Linie überschritten wurde". Aktuell daure das Verfahren für die Verantwortlichen weiterhin an.

Welche Maßnahmen gibt es?

Für Tamara Zieschang (55) ist klar: Auch lebenslange Stadionverbote sind eine Option.
Für Tamara Zieschang (55) ist klar: Auch lebenslange Stadionverbote sind eine Option.  © David Hammersen/dpa

Klar ist, dass solche Ausschreitungen unbedingt vermieden werden sollen. Tamara Zieschang (55), Innenministerin von Sachsen-Anhalt, geht in der Diskussionsrunde klar auf die Meinungen der Fans ein, die behaupten, dass sich Polizisten im Stadion und besonders vor dem eigenen Block nicht befinden sollten.

"Es gibt keine No-Go-Areas für die Polizei. Die Polizei hat das Recht, überall im Stadion anwesend zu sein", so Zieschang. Im Weiteren skizziert sie die Stimmung der Einsatzkräfte nach diesem Vorfall: "Es waren viele junge Polizisten im Einsatz, die einen solchen Gewaltexzess noch nie erlebt haben."

Für sie ist klar, dass, sofern die Identität der mutmaßlichen Täter sichergestellt ist, Stadionverbote ausgesprochen werden müssen. Besonders in einem Fall: "Bei demjenigen, der aktuell wegen versuchten Mordes in U-Haft sitzt, muss man über lebenslanges Stadionverbot nachdenken."

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Aktuell liegt die höchstmögliche Strafe allerdings nur bei einem fünfjährigen Stadionverbot. Laut Jörg Biastoch ist dies der richtige Ansatz, da "Stadionverbote präventiv wirken müssen". Er unterstreicht aber auch, dass er bei intensiveren Fällen nicht davon absehen würde, vom Hausrecht Gebrauch zu machen.

Einbindung der Fans als Lösungsansatz?

Der FCM musste in dieser Saison bislang 167.250 Euro Pyro-Strafe zahlen (Stand: 9. Februar 2026).
Der FCM musste in dieser Saison bislang 167.250 Euro Pyro-Strafe zahlen (Stand: 9. Februar 2026).  © Marius Becker/dpa

Zu einem möglichen Lösungsansatz gehen die Meinungen auseinander. Peer Vorderwülbecke (Investigativjournalist, MDR) sagt: "Die Probleme liegen in den aktiven Fanszenen" und spricht dabei vor allem von denen, "die sich abkoppeln von den normalen Fans, die mehr auf ihre eigenen Codes und Regeln achten".

Michael Gabriel (Koordinator Fanprojekte) wiederum sieht die direkte Kommunikation als unabdingbar an: "Zu einer positiven Veränderung wird man nur kommen, wenn man nicht nur über Fans redet, sondern diese mit einbezieht und als Teil der Lösungen anspricht."

Die Diskussionen über die Lösungen und Maßnahmen werden weiterhin anhalten, anhand der ZIS-Statistiken lässt sich aber zumindest ein positiver Trend festhalten: Die Anzahl verletzter Menschen im Stadion geht im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Titelfoto: Andreas Gora/dpa

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