Dem VAR den Stecker gezogen: Wie konnte das passieren?

Berlin/Münster - Es VAR wohl die Szene des Spieltags - nicht nur in der 2. Bundesliga: In der Partie zwischen Preußen Münster und Hertha BSC hat Schiedsrichter Felix Bickel (29) auf einen schwarzen Bildschirm gestarrt.

Wie Sie sehen, sieht er nichts: Schiedsrichter Felix Bickel (29) konnte die Elfmeter-Szene nicht am VAR-Monitor überprüfen.
Wie Sie sehen, sieht er nichts: Schiedsrichter Felix Bickel (29) konnte die Elfmeter-Szene nicht am VAR-Monitor überprüfen.  © Bernd Thissen/dpa

Kurz vor der Pause wurde der Referee von Videoschiedsrichterin Katrin Rafalski (44) zum Monitor beordert, um einen möglichen Strafstoß für die Alte Dame zu überprüfen. Doch das Gerät schaltete sich partout nicht ein.

So musste sich Bickel schließlich auf das Urteil seiner Assistentin verlassen, die im "Alleingang" korrekterweise auf Strafstoß entschied. Schnell wurde klar, dass es sich nicht um eine technische Panne, sondern um einen Sabotageakt seitens der Heimfans handelte. In der Kurve wurde kurz darauf ein Banner mit der Aufschrift "Dem VAR den Stecker ziehen" ausgerollt.

Der DFB hat inzwischen ein Verfahren gegen die Preußen eingeleitet. Aber wie konnte es überhaupt dazu kommen? Der Klub hat den Vorfall mittlerweile aufgearbeitet und die Videoaufzeichnungen aus dem Stadion sowie Augenzeugenberichte ausgewertet.

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"Ein Zuschauer aus dem Heimblock konnte sich unrechtmäßig Zutritt zum Innenraum verschaffen und dort eine Kabelverbindung zur Stromversorgung des VAR-Monitors, der sich auf Höhe der Mittellinie befindet, trennen", teilte der Zweitligist auf der vereinseigenen Homepage mit.

Felix Bickel musste sich aufgrund des Sabotageakts am VAR-Monitor auf das Urteil von Videoschiedsrichterin Katrin Rafalski (44, nicht im Bild) verlassen.
Felix Bickel musste sich aufgrund des Sabotageakts am VAR-Monitor auf das Urteil von Videoschiedsrichterin Katrin Rafalski (44, nicht im Bild) verlassen.  © Bernd Thissen/dpa

VAR-Vorfall dauerte nur wenige Sekunden: Stecker "extrem schnell und zielgerichtet" gezogen

Münster-Fans haben nach der Aktion ein Banner mit der Botschaft: "Dem VAR den Stecker ziehen" ausgerollt.
Münster-Fans haben nach der Aktion ein Banner mit der Botschaft: "Dem VAR den Stecker ziehen" ausgerollt.  © Bernd Thissen/dpa

Bei der Auswertung seien weitere wichtige Erkenntnisse gewonnen worden, der Täter konnte jedoch noch nicht ermittelt werden, hieß es. "Der gesamte Vorfall dauerte den Videoaufnahmen zufolge nur wenige Sekunden. Das Ziehen des Stromsteckers erfolgte extrem schnell und zielgerichtet", teilte der Verein weiter mit.

Die im betroffenen Bereich postierten Ordner und Mitarbeiter des technischen Dienstleisters hätten daher in der Kürze keine Zeit gehabt, um auf die Situation zu reagieren.

In der Mitteilung wurde jedoch deutlich einer Behauptung des Sportinformationsdienstes (SID) widersprochen, nach der sogar die Stromversorgung eines gesamten Tribünenbereichs gekappt worden sei.

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Vielmehr wurde demnach lediglich ein Stromkabel getrennt, das zum VAR-Monitor führte. "Durch Einstecken des Kabels konnte der Fehler unmittelbar behoben werden", jedoch sei das getrennte Kabel nicht sofort als Ursache des Ausfalls erkannt worden. Ein Schaden entstand somit bei der Aktion nicht. Zukünftig soll der Bereich mit zusätzlichen Einsatzkräften abgesichert werden.

Abschließend entschuldigte sich der Zweitligist ausdrücklich bei Bickel, Rafalski und dem Dienstleister, der für die Bereitstellung des VAR-Signals verantwortlich ist und durch den Zwischenfall in ein schlechtes Licht gerückt wurde.

Titelfoto: Bernd Thissen/dpa (Bildmontage)

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