Hertha BSC: Was Leitl über den Reese-Wechsel sagt
Berlin - Sein Abgang erhitzte die Gemüter mal so richtig: Den Traum von der Bundesliga will sich Fabian Reese (28) trotz Liebesbekenntnisse zu Hertha BSC und vor allem der Stadt Berlin künftig in Wolfsburg erfüllen.
Ein Wechsel, der vor allem bei den Hertha-Fans für viel Frust gesorgt hat und dessen Erklärung ("Die Werte von VW als Konzern haben mich überzeugt") es nicht gerade besser gemacht haben.
Sein Ex-Trainer Stefan Leitl (48) hat da schon mehr Verständnis und verteidigt seinen ehemaligen Kapitän. "Es war natürlich schwer, weil Fabi und ich seit unserer ersten Zusammenarbeit in Fürth eine ganz enge und intensive Beziehung pflegen", so Leitl in einer Medienrunde nach dem Trainingsauftakt. "Der Kapitän ist leider nicht mehr da ist - ein absoluter Leader und Führungsspieler für uns. Auf der anderen Seite sollten wir auch alle den Weg, den Fabi jetzt gegangen ist, respektieren."
Hätte sich Reese seinen Traum von der Bundesliga mit einem entsprechenden Wechsel erfüllt, wären die Reaktion der enttäuschten Fans vermutlich weniger heftig ausgefallen. Dass es aber ein Ligakonkurrent mit besseren finanziellen Möglichkeiten geworden ist, können die meisten nicht verstehen.
"Es waren viele Gespräche, und sie waren sehr emotional. Es war für beide Seiten nicht leicht", so der Übungsleiter.
In seinen drei Jahren Berlin stieg Reese schnell zum Publikumsliebling und absoluten Unterschiedsspieler auf. Gerade im ersten Jahr trumpfte der Flügelflitzer groß auf. Im zweiten Jahr kam er dann nach schwerer Verletzung stark zurück (elf Tore in der Rückrunde) und war auch in der vergangenen Saison wieder DER Unterschiedsspieler.
Hertha BSC stand unter Verkaufszwang
Künftig aber soll er in der Autostadt zum Aufstiegsfaktor werden. "Es ist natürlich sehr unangenehm für uns, dass es ein Zweitligist ist, weil wir unseren Kapitän dorthin verlieren. Auf der anderen Seite ist es auch eine persönliche Entscheidung und man darf auch nicht vergessen, dass eine hohe Transfersumme für den Verein daraus entstanden ist, die auch sehr wichtig ist."
Dem Vernehmen nach soll Hertha acht Millionen Euro vom VfL bekommen haben. Zusammen mit den Eichhorn-Millionen und der Cuisance-Ablöse ist der größte Verkaufsdruck nun schon weg, musste die Alte Dame doch einen Transferüberschuss von rund 15 Millionen Euro erzielen.
"Ich wünsche Fabian wirklich alles Gute und vielleicht besinnen wir uns auch darauf, was er in den letzten drei Jahren für den Verein gegeben hat", sagte Leitl.
Ähnlich klang auch Hertha-Boss Peter Görlich (59): "Fabi hatte hier drei sehr gute Jahre. Der Plan mit ihm als Aufstiegskapitän ist leider nicht aufgegangen. Das muss man auch sagen. Für ihn war es nicht direkt ein Selbstläufer. Er hat mit sich gerungen, was er tut und was für ihn das Beste ist", erklärte der Geschäftsführer. "Ich kann die Fanseele verstehen. Aber ich kann nicht verstehen, wenn man in kürzester Zeit alles in Schutt und Asche tritt. Er hat dem Verein auch viel gegeben."
Titelfoto: Andreas Gora/dpa

