Hertha BSC: Trainingsauftakt ohne Neuzugänge, aber mit vielen Fragezeichen
Berlin - Es geht wieder los! Sechs Wochen nach dem blamablen 1:6 zum Saisonabschluss in Bielefeld bittet Stefan Leitl (48) ab 15 Uhr zum Trainingsauftakt. In der Zwischenzeit ist die Stimmungslage nicht gerade besser geworden: Elf Spieler haben Hertha BSC verlassen, darunter absolute Leistungsträger wie Fabian Reese (28), Wunderkind Kennet Eichhorn (16) oder zuletzt Michaël Cuisance (26).
Neue frische Gesichter gibt es nicht. Hertha hat noch keinen einzigen Neuzugang verpflichten können. So starten die Berliner in eine Saisonvorbereitung voller Fragezeichen: Wie fängt die Mannschaft einen solchen Qualitätsverlust auf? Wer wird Kapitän und wer wird den Klub noch verlassen?
Bei elf Abgängen wird es vermutlich nicht bleiben. Der XXL-Umbruch geht weiter, gelten Tjark Ernst (23), Linus Gechter (22) oder Marten Winkler (23) weiterhin als Abgangskandidaten.
Es dürfte noch ein langer Transfersommer werden. Statt auf große Namen setzt die Alte Dame auf Profile. "Hertha steht die größte Transformation im Fußball bevor", kündigte Hertha-Boss Peter Görlich (59) bereits im April an.
Das kann man vor allem in der Mannschaft sehen. Teure Stars wie Reese kann sich der klamme Zweitligist nicht mehr leisten, der sportliche Verlust ist allerdings immens, hat alleine Reese in den drei Jahren Berlin oft den Unterschied ausgemacht.
Vom Aufstieg träumt daher niemand mehr in der Hauptstadt. Vermutlich auch nicht bei der Alten Dame. Ein Saisonziel soll erst intern besprochen werden, bevor es öffentlich kommuniziert wird.
Hertha BSC rief vergangene Saison noch den Aufstieg aus
Vergangenes Jahr hatte Hertha, die auch von allen Experten ganz oben vermutet wurde, noch den Aufstieg ausgerufen. Am Ende landeten die Berliner auf Platz sieben: Ziel verfehlt.
Kurios: Die sportlich beste Saison seit dem Abstieg war gleichzeitig auch die enttäuschendste.
Grundsätzlich hat sich aber an der Haltung in die Bundesliga zu wollen nichts geändert. Eine schnelle Rückkehr - sprich in dieser Saison - wird es jedoch eher nicht geben. Nun sollen Strukturen aufgebaut werden, die eher mittel- oder gar erst langfristig wieder nach oben führen können.
Ganz ohne neue Gesichter müssen die Hertha-Fans am Montag aber dann trotz fehlender Neuzugänge nicht auskommen. Mit Soufian Gouram (20), Stürmer Niklas Hildebrandt (17), Selim Telib (19) und Jelani Ndi (18) werden gleich vier Eigengewächse dem Profikader angehören.
Der Berliner Weg steht in Zukunft wohl noch mehr im Fokus, sind die vielen Abgänge auch eine Chance für die Talente.
Auch die zwei Leih-Rückkehrer Gustav Christensen (21) und Jon Dagur Thorsteinsson (27) könnten wieder wichtig werden.
Titelfoto: Bildmontage: Andreas Gora/dpa

