Hertha BSC zieht "unbefriedigende" Bilanz, Reese will nicht über Zukunft sprechen
Von Arne Richter
Berlin - Im hellblauen Trainingsoutfit stand Fabian Reese (28) am Sonntag wie ein Musterschüler beim ungewohnten Rapport bei der Mitgliederversammlung von Hertha BSC auf der Bühne im City Cube.
Bei seiner kurzen Ansprache an die Mitglieder fand der Kapitän fast schon entschuldigende Worte: "Ich möchte mich im Namen der Mannschaft für die Unterstützung in dieser Saison bei Euch allen bedanken. Ich glaube, Ihr und wir haben uns das anders vorgestellt diese Saison. Das ist einfach nun mal Fakt", sagte Reese.
Die gut 900 Mitglieder spendeten bei ihrer Jahresversammlung freundlichen, aber verhaltenen Applaus für Reese und seine Kollegen. Für Euphorie gibt es bei der Hertha bekanntlich wieder einmal keinen Anlass.
Schon vor der Wahl des Aufsichtsrats hatte Vereinspräsident Fabian Drescher (43) in seiner Ansprache die Gemütslage beim Hauptstadtklub zusammengefasst. "Sie war aus unserer Sicht unbefriedigend", sagte der 43-Jährige über die noch laufende Spielzeit. Man sei den eigenen Ambitionen "hinterhergelaufen". Gerade die Ergebnisse bei den Heimspielen hätten "einiges zu wünschen übrig gelassen", sagte Drescher am Tag nach dem 0:1 gegen Holstein Kiel.
Die Berliner hatten die Rückkehr in die Bundesliga als Saisonziel ausgegeben. Bei noch drei ausstehenden Spielen ist der Aufstieg praktisch nicht mehr möglich. Nicht einmal in dieser Saison auf einem der ersten drei Plätze gestanden zu haben, sei nicht der Anspruch der Hertha, meinte Drescher.
Fabian Reese übt heftige Kritik: "Dann hat man es nicht verdient ..."
"Diese Realität müssen wir klar benennen, ohne Beschönigung, ohne Ausflüchte", sagte der Jurist und nahm die sportliche Leitung in die Pflicht. An Trainer Stefan Leitl (48) und Sportdirektor Benjamin Weber (46) sei es nun, "die richtigen Schlüsse zu ziehen, die richtigen Entscheidungen zu treffen".
Ob auch für die kommende Spielzeit wieder optimistisch die Bundesliga-Rückkehr das Saisonziel ist, kann erst im Sommer definiert werden. Um Geld einzunehmen, werden Leistungsträger zum Verkauf stehen. Über die Zukunft von Kennet Eichhorn (16) oder Torwart Tjark Ernst (23) wird längst debattiert.
Ob Unterschiedsspieler Reese dann noch vorangeht, ist gar nicht mehr so klar. "Ich bin tierisch enttäuscht von dem heutigen Spiel. Und was im Sommer passiert, müssen wir schauen", hatte der Offensivstar nach der nächsten Enttäuschung gegen Kiel einen Tag zuvor gesagt. Die Niederlage war ein Abbild der Saison: Spielerisch überlegen, aber fahrlässig in der Chancenverwertung und ein bisschen Pech, auch bei zwei VAR-Entscheidungen.
"Dann hat man es nicht verdient, weiter in der Tabelle oben zu stehen. Ich will gar nicht irgendwie über ganz oben reden, aber auch keinen Platz höher, als wir es gerade sind. Wir haben zu wenig Spieler, die verlässlich viele Tore schießen, und dann kann man nicht sehr gut bestehen in der 2. Liga", kritisierte Reese.
Titelfoto: Matthias Koch/Sportfoto Matthias Koch./dpa, Andreas Gora/dpa (Bildmontage)

