Hertha hakt Aufstieg ab: Die Gründe für die nächste Flop-Saison
Berlin - Das war's! Hertha BSC bleibt auch im vierten Jahr in der 2. Liga. Mit der 2:5-Blamage hat auch Stefan Leitl (48) die Aufstiegsträume wieder einkassiert. Die Berliner können ab sofort für ein weiteres Jahr im Unterhaus planen. Das hat Gründe.
Die Mannschaft ist einfach zu inkonstant. Auf eine tolle Siegesserie ohne Gegentor im Herbst folgte eine Sieglos-Serie, während die anderen langsam, aber sicher davonziehen. Betrug der Abstand auf den Relegationsrang zum Rückrundenbeginn noch fünf Punkte, sind es jetzt schon deren stolze zehn. Auf den direkten Aufstiegsplatz sind es gar zwölf.
Dabei wollte Hertha unbedingt einen Fehlstart wie zur Hinrunde vermeiden. Die angekündigte Aufholjagd aber verpuffte. Sechs Punkte holte man aus dem Hammer-Auftakt. Das ist ein Punkt mehr als in der Hinrunde.
Im Trainingslager auf all die direkten Duelle zum Rückrundenstart angesprochen, sprach Luca Schuler (26) von den "Spielen der Wahrheit". Die haben vor allem eines gezeigt: Hertha ist kein Spitzenteam.
Seit dem Abstieg hat es die Alte Dame nie geschafft, wirklich ins Aufstiegsrennen einzugreifen. Zu mehr als Platz sechs hat es nie gereicht - und das in drei Jahren 2. Liga. Anspruch und Wirklichkeit klaffen nicht erst seit dieser Saison wieder einmal auseinander.
Hertha BSC fehlt ein verlässlicher Knipser
Das liegt nicht nur am fehlenden Stürmer. Der Hauptstadtklub bräuchte einen Knipser, der 15 bis 20 Saisontore garantiert.
So einen wie Haris Tabakovic (31). Dawid Kownacki (28, drei Tore) sollte in seine Fußstapfen treten, fand aber nie seinen Rhythmus. Durch eine Sprunggelenksverletzung fehlte der Pole in der Hinrunde wochenlang, verpasste wegen eines Infekts das Trainingslager und musste zuletzt nach seiner Witz-Roten drei Spiele zugucken.
Was Hertha fehlt, ist eine klare Spielidee. Die Blau-Weißen setzen vor allem auf Umschaltfußball, aber ist der Spielverlauf nicht wie erhofft, steht der Zweitligist vor Problemen. Die Berliner sind zu ausrechenbar.
Weil die Alte Dame nun auch nicht mehr die Defensive in den Griff kriegt, stehen sie, wo sie stehen. Alarmierend: Nur Magdeburg hat noch mehr Gegentore (15) kassiert als Hertha (12).
Was man Leitl allerdings zugutehalten muss, ist das nicht enden wollende Verletzungspech. Immer wieder muss der Übungsleiter umplanen, weil wichtige Stammspieler lange fehlen. Gerade das Fehlen von Supertalent Kenneth Eichhorn (16) macht Hertha schwer zu schaffen. Trotz Überangebot im Mittelfeld hat Leitl nicht den passenden Nebenmann für Paul Seguin (30) gefunden. Der Kader ist schlicht zu unausgewogen.
Klar ist: In der neuen Saison wird der Mannschaft ein neues Gesicht verpasst. Allein zehn Verträge laufen aus. Zudem könnten Leistungsträger wie Tjark Ernst (22), Michaël Cuisance (26), Wunderkind Eichhorn oder Fabian Reese (28) den Klub verlassen.
Titelfoto: Swen Pförtner/dpa, Andreas Gora/dpa

