Aufstieg futsch: Herthas Debakel in Paderborn könnte enorme Folgen haben
Berlin - Mit dem blutleeren Auftritt beim SC Paderborn hat Hertha BSC aller Voraussicht nach die letzte Chance im Kampf um die Bundesliga vertan - der Kampfgeist scheint erloschen zu sein.
Mit dem Aufstieg hat man nichts mehr zu tun, waren sich Spieler und Trainer im Anschluss an das 2:5-Debakel beim direkten Konkurrenten sicher. Kein Wunder bei nunmehr zehn Punkten Abstand auf Platz drei.
Mehr noch als dieser große Rückstand gibt aber das Auftreten der Mannschaft Anlass zur Sorge. Besonders im Defensivverhalten offenbarte die Alte Dame eklatante Schwächen. Das Mittelfeld ließ sich allzu oft überrennen und die Dreierkette im Stich. Die ärmste Sau im Bunde war Tjark Ernst (22).
Das Desaster am Fehlen von Mega-Talent Kennet Eichhohrn (16) und Vorkämpfer Deyovaisio Zeefuik (27) festzumachen, wäre zu einfach. Innerhalb von nur zwei Wochen sind für die Blau-Weißen mit drei Pleiten in DFB-Pokal und 2. Bundesliga sämtliche Träume geplatzt. Dabei scheint besonders das bittere Pokal-Aus gegen den SC Freiburg Spuren hinterlassen zu haben. Im Anschluss schien der Stecker regelrecht gezogen zu sein.
Vor der Saison haben die Verantwortlichen beim Hauptstadtklub wieder einmal vollmundig vom Aufstieg gesprochen und ihn als quasi alternativlos bezeichnet. Die Wahrheit ist aber, dass die Mannschaft nie über Platz sechs in der Tabelle hinausgekommen ist.
Für Stefan Leitl (48) gibt es jetzt nur noch ein Ziel für die verbleibenden Partien: "Es geht darum, gute Spiele zu zeigen und das Maximale für die Saison herauszuholen", kündigte er an.
Darf Stefan Leitl neuen Anlauf auf Bundesliga nehmen und was wird aus Benjamin Weber?
Vom restlichen Saisonverlauf könnte auch sein persönliches Schicksal abhängen, denn im Sommer dürften die Entscheidungsträger einmal mehr alles auf den Prüfstand stellen. Darf der Coach in der kommenden Saison einen neuen Anlauf aufs Oberhaus nehmen?
Auch die Arbeit von Sportdirektor Benjamin Weber (45) wird dann wohl gründlich unter die Lupe genommen, der es erneut nicht geschafft hat, eine homogene Mannschaft für den Aufstieg zusammenzustellen - zu viele Künstler, zu wenig harte Arbeiter.
Stichwort Kader: Der könnte im Sommer auseinanderfallen. Wunderkind Eichhorn scheint so gut wie weg zu sein und mehrere junge Spieler scharren mit den Hufen, wollen den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen - allen voran Pascal Klemens, Linus Gechter, Julian Eitschberger (alle 21) und Ernst.
Bei einigen älteren Kickern läuft der Vertrag aus. Hier wären Toni Leistner (35) sowie die Pechvögel John Anthony Brooks (33) und Diego Demme (34) zu nennen. Durch den Nicht-Aufstieg wird zudem die Kaufoption für Werders Dawid Kownacki (28) hinfällig.
Und ob sich Fabian Reese (28) bei aller Liebe tatsächlich ein weiteres Jahr in der Hauptstadt antut oder doch lieber einen anderen Weg wählt, um sich den Traum von der Bundesliga endlich zu erfüllen, bleibt ebenfalls abzuwarten. Es gibt also jede Menge Baustellen.
Titelfoto: Swen Pförtner/dpa, Andreas Gora/dpa (Bildmontage)

