Lok Leipzigs Abderrahmane über Frustzeit: "Ich hatte keinen Bock mehr, nach Chemnitz zu fahren"
Leipzig - Seit ein paar Tagen ist Lok Leipzig aus der Winterpause zurück. Als aktueller Tabellenführer der Regionalliga Nordost und der Aussicht auf die erneute Aufstiegsmöglichkeit haben die Sachsen natürlich entscheidende Wochen vor sich. Bevor es für Blau-Gelb ins Trainingslager ins türkische Belek geht, hat sich TAG24 noch einmal mit Vizekapitän Farid Abderrahmane (29) unterhalten können.
"Die Stimmung ist gut. Viele waren im Urlaub, haben Zeit mit Familie und Freunden verbracht. Leider kamen auch ein paar Spieler krank zurück. Aber es sollten eigentlich alle für das Trainingslager bereit sein", so der defensive Mittelfeldmann, der die Binde bei der Lokschen trägt, wenn sein guter Freund Djamal Ziane (33) nicht auf dem Platz steht.
Viel Extra-Motivation braucht es für das Team jedenfalls nicht. Die Leipziger thronen an der Tabellenspitze, fünf Punkte beträgt der Vorsprung aktuell vor Carl Zeiss Jena. Das Ziel ist klar: Aufstieg in die 3. Liga.
"Toni und Jochen haben wieder einen brutalen Job gemacht, gute Verstärkungen geholt. Wir sind im Sommer größtenteils zusammengeblieben. Dass wir jetzt in der Winterpause Erster sind mit fünf Punkten Vorsprung, hätte ich trotzdem nicht gedacht", so Abderrahmane.
Denn ganz klar: die gescheiterte Relegation gegen Havelse tat richtig weh. Im Kopf auf normalen Regionalliga-Betrieb zu stellen, war nicht einfach. "Am Anfang war das eine Katastrophe. Ich hatte gar keinen Bock, wieder was zu machen, aufs Laufband zu gehen. Keiner wusste, wie es ist, wieder richtig mit dem Training anzufangen. Ich spiele mein Leben lang Regionalliga, ich hatte keinen Bock, das 200. Mal nach Eilenburg oder Chemnitz zu fahren - also nicht böse gemeint, nichts gegen die Vereine. Aber ich wollte halt auch gern mal nach München", so der 29-Jährige mit einer Brise Restfrust.
Inzwischen sei das Thema aus dem Sommer - vielleicht auch bedingt durch die starken Ergebnisse im Moment - weit weg. Der Fokus liegt in der Kabine auf der aktuellen Saison, wo es wieder die Chance geben könnte, eine Liga hochzurutschen.
Ist Lok Leipzig für die mögliche nächste Relegation mehr gewappnet?
Aber es gibt auch spannende Gedankenspiele. Aktuell wird ja die Regionalliga-Reform angestrebt, die spätestens in der Saison 2027/28 greifen soll. Dann soll die verhasste Aufstiegsrelegation abgeschafft sein.
Heißt: Da in der kommenden Saison der Erstplatzierte der Regionalliga Nordost eh aufsteigt, würde Lok als vermeintlicher Spitzenreiter der aktuellen Spielzeit vielleicht die letzte Relegation mitmachen.
"Letztes Jahr waren viele das erste Mal in der Situation. Als wir irgendwann erkannt haben, dass wir Meister werden können, war das krass. Jetzt haben wir das alles schon einmal erlebt, sind cleverer geworden. Ich denke, vom Kopf her ist es etwas anders geworden", erzählt Abderrahmane weiter.
Klar ist aber auch: Der Weg zum Ziel ist noch lang! 19 Spieltage sind erst gespielt. Meuselwitz, Hertha Zehlendorf, Chemnitz und Eilenburg heißen die nächsten Gegner. Dort herrscht für Lok fast schon Siegpflicht, um die Verfolger weiterhin auf Abstand zu halten.
Weiß auch der Vizekapitän: "Wenn du in einer Standardsituation nicht wach bist, kannst du das Spiel schon verlieren. Wir wollten auch gegen Preussen und Zwickau nicht verlieren und dann kam alles anders. Aber es ist natürlich unser Anspruch, alle Spiele zu gewinnen. Aber es ist einfach sauschwer in dieser Liga."
Titelfoto: IMAGO / Matthias Koch

