Elfmeter verschossen, Unterzahl, Winter-Einbruch: 1860 München scheitert im "S-Bahn-Derby"

München – Der TSV 1860 München hat am 16. Spieltag zu Hause beim sogenannten "S-Bahn-Derby" gegen die nur vier Kilometer Luftlinie entfernten Nachbarn, die SpVgg Unterhaching, in der 3. Liga mit 0:1 (0:1) unglücklich verloren.

Offener Schlagabtausch: Münchens Fynn Lakenmacher (l.) wird an der Aus-Linie von Raphael Schifferl von den Beinen geholt.
Offener Schlagabtausch: Münchens Fynn Lakenmacher (l.) wird an der Aus-Linie von Raphael Schifferl von den Beinen geholt.  © IMAGO / foto2press

Nach der Toto-Pokal-Blamage gegen den FC Pipinsried war man gespannt auf die Reaktion der "Löwen" im ausverkauften Heimspiel an der Grünwalder Straße.

Die wohl auffälligste Reaktion von Trainer Maurizio Jacobacci (60) war schon mal seine – wie er ihn bezeichnete – "Nummer 1" Marco Hiller wieder aus dem Tor zu nehmen und David Richter zurück zwischen die Pfosten zu schicken.

Die rund 1500 Fans der Gäste zeigten sich zumindest hoch motiviert und übertönten stellenweise die 13.500 TSV-Anhänger. Dieses Gesangs-Duell übertrug sich auch auf die Akteure auf dem Rasen, denn beide Mannschaften legten ab dem ersten Pfiff los, wie die Feuerwehr.

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So durften sich in den ersten Minuten bereits mehrmals beide Torhüter den Dank ihrer jeweiligen Mannschaftskollegen abholen.

Ziemlich genau 20 Minuten waren gespielt, da schepperte es schließlich zum ersten Mal hinter Richter. Nach einem Patzer der Gastgeber gingen die Vorstädter in der Angriffshälfte schnell in die Offensive. Sebastian Maier trat – aus Mangel an Alternativen – mit der Hacke das Leder – blind nach hinten – einmal quer hoch in den Strafraum.

Das Kopfball-Duell gegen Fabian Greilinger gewann Mathias Fetsch, der von rechts kommend den Ball ins lange Eck zur Führung köpfte. Richter konnte in der Situation nur zusehen, wie das 1:0 für Unterhaching fiel.

Verpatzter Elfmeter und Geld-Rot-Platzverweis erschweren "Löwen"-Chancen

Fabian Greilinger (l.) ging keinem Zweikampf mit Dennis Waidner und dessen Haching-Kollegen aus dem Weg.
Fabian Greilinger (l.) ging keinem Zweikampf mit Dennis Waidner und dessen Haching-Kollegen aus dem Weg.  © Imago / Eibner

Mangelnden Einsatz konnte man den "Löwen" weiß Gott nicht vorwerfen – aber die Chancenverwertung war erschreckend.

Bezeichnend eine Situation in der 44. Minuten, als durch einen verpatzten Pass um den Strafraum der Gäste plötzlich drei (!) Sechziger allein vor Haching-Keeper René Vollath standen.

Getreu dem Motto "Nimm du, ich hab ihn" wurde aus dem fast schon sicher geglaubten Ausgleich ein eigener Tagesordnungspunkt bei der nächsten Videoanalyse der Münchner. Entsprechend ging es mit einem 0:1-Rückstand für die Hausherren in die Pause. "Mutlos. Leblos", fasste Löwen-Co-Trainer Stefan Reisinger die erste Hälfte zusammen.

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Etwas harte Worte, denn die Münchner waren absolut ebenbürtig, stellenweise auch tonangebend. Der offene Schlagabtausch ging nach dem Pausentee munter weiter und sowohl Führungsausbau- als auch Ausgleichstreffer lagen gleichermaßen in der Luft.

In der 62. Minute wurde es dann laut auf den Rängen: Morris Schröter fällt in einem harmlosen Zweikampf mit Unterhachings Dennis Waidner im Strafraum zu Boden und bekommt einen Elfmeter zugesprochen, der durch Vollath gehalten wird.

Zwei Minuten später musste Michael Glück mit Gelb-Rot vom Platz – wie der Elfmeter auch das eine mindestens streitbare Entscheidung.

Schneefall und Unterzahl rauben zusätzlich Kraft und Möglichkeiten

Die Hausherren ließen sich jedoch diese Unterzahl nach gut einer Stunde nicht anmerken, drängten auf den Ausgleichstreffer und dominierten über weite Strecken das Spielgeschehen.

Der Treffer wäre in dieser Phase mehr als verdient gewesen. Doch mit zunehmendem Schneefall – inzwischen wurde mit einem roten Ball gespielt – schwanden auch die Kräfte der Münchner und die Gäste kamen zu mehr Chancen.

Damit endete die – zum Ende hin – Schnee-Schlacht von Giesing mit einem Derby-Treffer für die Gäste. Ein Sieg für Unterhaching, der Absolut verdient ist – wie es auch ein Remis gewesen wäre.

Statistik zum Drittliga-Spiel TSV 1860 München gegen SpVgg Unterhaching

TSV 1860 München – SpVgg Unterhaching 0:1 (0:1)

TSV 1860 München: Richter - Glück, Verlaat, Kwadwo, Greilinger (77. Vrenezi) - Rieder, Starke - Schröter, Zejnullahu, Ludewig (61. Guttau) - Lakenmacher

1. FC Saarbrücken: Vollath - Schwabl, J. Welzmüller, Schifferl, Waidner - Skarlatidis, S. Maier (70. M. Welzmüller), Stiefler, Keller (61. Schmid) - Hobsch (90.+6 Hirtlreiter), Fetsch

Schiedsrichter: Timo Gansloweit (Dortmund)

Tore: 0:1 Fetsch (20.)

Gelbe Karten: Kwadwo (4) / Waidner (4), Stiefler (4), M. Welzmüller (2), Schmid (1)

Gelb-Rote Karten: Glück (64./wiederholtes Foulspiel)

Titelfoto: IMAGO / foto2press

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