TSV 1860 München: Präsident Reisinger knöpft sich Investor Ismaik vor

München - Der umstrittene Investor Hasan Ismaik (46) hat seine erste Mitgliederversammlung beim TSV 1860 München besucht. Die Stimmung war aufgeladen. Der Vereinspräsident sprach von einer Kampagne.

Hasan Ismaik (46, r.) kommt mit Zigarre und Entourage zur Mitgliederversammlung.
Hasan Ismaik (46, r.) kommt mit Zigarre und Entourage zur Mitgliederversammlung.  © Felix Hörhager/dpa

Der Geschäftsmann aus Jordanien nahm am Sonntag nach seiner verspäteten Ankunft im Zenith im Münchner Norden in einer der vorderen Reihen der Veranstaltungshalle Platz und verfolgte die hitzige Zusammenkunft an der Seite seiner Entourage.

Ismaik war begleitet von Personenschützern und mit einer Zigarre in der Hand zum Versammlungsort spaziert. Er machte dabei auch von der Menschenschlange vor der Location Aufnahmen mit seinem Mobiltelefon.

Vereinspräsident Robert Reisinger (60) hatte Ismaik zuvor scharf kritisiert. "Der TSV 1860 München ist Drittligist, weil Menschen mit hochtrabenden Plänen und Größenwahn ihn genau dort hingebracht haben", sagte der seit 2017 amtierende Vereinspräsident.

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Reisinger sprach von einer "orchestrierten Kampagne" in den vergangenen Wochen mit dem Ziel, "den Verein handlungsunfähig erscheinen zu lassen". Ein "Gefühl der Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit" solle dem Umfeld der Löwen gegenüber vermittelt werden. Das sei "menschlich skrupellos".

TSV 1860 München: Investor Ismaik will es "jetzt besser machen"

Robert Reisinger (60), Präsident des TSV 1860 e. V., richtete deutliche Worte in Richtung des Investors.
Robert Reisinger (60), Präsident des TSV 1860 e. V., richtete deutliche Worte in Richtung des Investors.  © Felix Hörhager/dpa

Ismaik hat in den vergangenen Wochen eine Werbetour hinter sich gebracht. Das von ihm unterstützte "Bündnis Zukunft 1860" will den amtierenden Verwaltungsrat ablösen, der dem Investor kritisch gegenübersteht.

Der Verwaltungsrat ist eines der wichtigsten Gremien des Vereins und überwacht unter anderem das Präsidium. "Dieser Verein braucht keinen willfährigen Verwaltungsrat", appellierte Reisinger. Man dürfe sich "nicht zum Gehilfen des Kapitals" machen.

"Mir geht es nicht um Macht, sondern ausschließlich um den sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg des TSV 1860", versicherte Ismaik, seit 2011 Investor der Münchner, auf der Online-Plattform X. Er habe in der Vergangenheit auch Fehler gemacht. "Das ist mir bewusst. Ich will es jetzt besser machen", beteuerte Ismaik, der dem Verein zuletzt eine Finanzspritze von 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt hatte.

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Reisinger sprach vor 2500 Mitgliedern von einer Kampagne gegen die aktuelle Vereinsführung. Die Behauptung, dass seit sieben Jahren Stillstand im Verein herrsche, "macht mich zornig", meinte der Präsident. Dies fuße auf einer "gezielten Propagandalüge". Reisinger verwies auf mehr als 8000 neue Mitglieder im Gesamtverein seit der Saison 2017/18.

TSV 1860 München: Präsident Reisinger will an 50+1 festhalten

Der Andrang vor der Kulturhalle Zenith war groß.
Der Andrang vor der Kulturhalle Zenith war groß.  © Felix Hörhager/dpa

"Wir lassen uns als Verein nicht mehr alles bieten", betonte Reisinger und wurde dafür mit stehenden Ovationen bedacht.

Er setzte sich zudem weiter für die 50+1-Regel ein. "Wir dulden keine Abenteuer mehr", sagte Reisinger.

Die für alle Profivereine bindende 50+1-Regel besagt, dass der Stammverein nach der Ausgliederung seiner Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft weiter die Mehrheit der Stimmenanteile besitzen muss.

Sie soll den Einfluss von Investoren im deutschen Profifußball begrenzen. Ismaik möchte aber deutlich mehr Handlungsspielraum gewinnen.

Titelfoto: Felix Hörhager/dpa

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