"Sah eigentlich alles ganz normal aus": Zweitliga-Profi hätte fast sein Bein verloren!
Bochum - 17 Stiche auf 21 Zentimetern zieren mittlerweile den linken Oberschenkel von Maximilian Wittek (30). Wer bei so einer Narbe etwas Schlimmes vermutet, liegt absolut richtig. Allerdings hätte es für den Linksverteidiger des VfL Bochum auch noch viel heftiger kommen können.
Am 2. Mai musste der 30-Jährige beim 1:1-Unentschieden gegen Arminia Bielefeld nach einem Zweikampf mit Monju Momuluh (24) verletzt vom Feld.
"Es war tatsächlich eine 0815-Situation, die schon Tausende Male so passiert ist. Langer Ball, Kopfballduell, ich krieg das Knie vom Gegner auf den Oberschenkel", erzählte der gebürtige Oberbayer in der neuesten Ausgabe des "meinVfL"-Podcasts.
Die Schmerzen waren zwar durchaus spürbar, das Bein anschließend auch taub, doch wirklich große Sorgen machte sich der frühere U20-Nationalspieler zu diesem Zeitpunkt noch nicht. "Wir haben dann nach dem Spiel die ganz normalen Checks gemacht. Druckverband, Ultraschall - sah eigentlich alles ganz normal aus", erinnerte sich Wittek.
Doch am Abend entwickelte der Abwehrmann ein sogenanntes Kompartmentsyndrom. "Wenn ein paar Stunden zu viel vergehen, kann sowas auch böse enden. Im schlimmsten Fall hätte man das Bein abnehmen müssen. So ist es dann natürlich nicht gekommen", verriet der Bochumer.
Maximilian Wittek wurde im Krankenhaus plötzlich "ganz anders"
Zunächst wurden die Schmerzen und vor allem der Druck immer schlimmer, weshalb Wittek im Austausch mit dem Mannschaftsarzt des VfL, Mark Sandfort, blieb.
"Ich habe ihm geschrieben, dass ich probiere, zu schlafen, was ich dann Gott sei Dank nicht gemacht habe. Ich hatte solche Schmerzen und sollte dann in die Klinik kommen", so der Zweitligaprofi.
Unter einem Kompartmentsyndrom versteht man laut dem Medizinhandbuch "MSD Manual" den starken Anstieg des Drucks in einem von einer festen Bindegewebshülle umschlossenen Muskelbereich. Die Blutgefäße werden dabei so stark zusammengedrückt, dass das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und absterben kann. Dann drohen eine Amputation und sogar der Tod.
Als Wittek im Krankenhaus ankam, musste der Arzt daher umgehend ans Werk. "Da durften wir dann auch keine Zeit mehr verlieren", sagte der 30-Jährige. "Er musste komplett aufschneiden, insgesamt 21 Zentimeter."
Für den Fußballer sei das eine schwierige Situation gewesen: "Da wurde mir auch erstmal ganz anders und ich habe zu schwitzen angefangen. Ich dachte mir, das kann doch jetzt nicht sein, ich habe doch nur einen Schlag abbekommen."
Durch die Not-OP, zur Schließung der Wunde und wegen eines Hämatoms musste Wittek viermal innerhalb von nur zehn Tagen unters Messer, sechs Wochen konnte er daraufhin fast gar nichts machen. Doch jetzt steht er pünktlich zum Vorbereitungsstart der Bochumer wieder auf dem Platz.
Ihm ist allerdings sehr wohl bewusst, wie viel Glück im Unglück er gehabt hat: "Ich bin unserem Doc unendlich dankbar", freute sich Wittek über den glimpflichen Ausgang.
Titelfoto: David Inderlied/dpa

