Berlin - Der Zoff zwischen der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) und der ARD eskaliert offenbar: Präsident Matthias Große (58) hat am Donnerstag nicht nur zwei Journalisten des öffentlich-rechtlichen Senders von einer Pressekonferenz ausgeschlossen, sondern die beiden dann auf ebenjener auch noch in alle Einzelteile zerlegt.
"Das, was passiert ist, ist die größte Schande. Jeder kann mit mir sprechen, außer Jörg Mebus und Hajo Seppelt", erklärte der Lebensgefährte von Olympia-Legende Claudia Pechstein (54). "Die ARD und Hajo Seppelt haben uns die Olympischen Spiele gecrasht und das lassen wir nicht zu. Das geht so nicht."
Die Reporter hatten zu Beginn der Winterspiele in Italien an einem Bericht der "Sportschau" mitgewirkt, der Große eine willkürliche Führung des Verbands vorwirft und zudem ein belastetes Verhältnis zwischen dem 58-Jährigen und seinen Athleten sowie fragwürdige Strukturen suggeriert.
"Die ARD und Hajo Seppelt haben uns die Olympischen Spiele gecrasht und das lassen wir nicht zu. Das geht so nicht", redete sich Große in Rage - und lenkte das Thema dann auch auf seine Partnerin.
"Er (Seppelt, Anm. d. Red.) hat Claudia Pechstein fast in den Selbstmord getrieben", so der DESG-Boss. Seppelt berichtete viele Jahre über die frühere Eisschnellläuferin und ihren Kampf gegen eine letztlich ungerechtfertigte Dopingsperre.
Verbände kritisieren Auftritt von Michael Große, ARD prüft rechtliche Schritte
Neben dem Hausverbot verklagt der Eisschnelllaufverband die ARD sowie die beiden Journalisten auch noch. "Wer meinen Verband auf die Schlachtbank führt, mit dem teile ich nur noch den Gerichtssaal", erklärte Große.
Für seinen Auftritt hagelte es aber auch bereits reichlich Gegenwind. Der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) schrieb etwa in einem Statement: "Die Nichtzulassung der Kollegen werten wir als klaren Eingriff in die Pressefreiheit."
Der Deutsche Journalistenverband (DJV) und auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schlossen sich der Stellungnahme an und schlugen bei ihren Mitteilungen in eine ganz ähnliche Kerbe.
Auch der Sender möchte sich gegen den Ausschluss wehren: "Die Nicht-Zulassung ausgewählter Berichterstatter zu einer offiziellen Pressekonferenz ist aus unserer Sicht grundsätzlich nicht akzeptabel", stellte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky klar. Man wolle "wesentliche rechtliche Fragen", die die Pressekonferenz aufgeworfen habe, prüfen.