Francesco Friedrich verpasst die Goldmedaille: Wie geht's nach Olympia weiter?
Cortina - Als Johannes Lochner mit seiner Vierer-Crew gegen 13.46 Uhr die höchste Stufe des Siegerpodestes der Olympischen Winterspiele betrat, zog Francesco Friedrich mit der Silbermedaille um den Hals seine gelbe Mütze und ließ anschließend viele Fragen offen ...
Lochner verwies mit seiner Crew Thorsten Margis, Jörn Wenzel und Georg Fleischhauer den viermaligen Olympiasieger Friedrich mit 57 Hundertstel Vorsprung auf Rang zwei.
Im Ziel umarmten sich die beiden Dauerrivalen herzlich. "Die Bahn hat es in sich. Es war ein harter Kampf", so "Franz". Der Pirnaer war zufrieden, wenigstens "mit Silber noch nach Hause zu fahren".
Mit 4x Gold, 2x Silber bei den Spielen und 16 WM-Titeln ist er zwar der erfolgreichste Pilot. Allerdings ist sein ehemaliger Anschieber Margis jetzt der erfolgreichste Bobfahrer. Der Hallenser hat jetzt fünf Goldmedaillen. "Das ist ein Rennen für die Ewigkeit. Vor anderthalb Jahren haben wir das mit Hansi geplant. Jetzt kann ich aufhören", so der 36-Jährige.
Ob dies Friedrich schmeckt? Der Pirnaer lässt die Fragen zu seiner Zukunft offen: "Vielleicht mache ich drei Jahre Pause und kommen erst in La Plagne zurück." In vier Jahren sind die Spiele in Frankreich.
"Wir beraten uns. Schauen, was hinter den Kulissen passiert", so Friedrich, der aber auch ansprach, dass seine beiden Söhne Karl und Hannes "schon so viel" von ihm "verpasst haben". Es könnte aber sein, dass "wir noch vier Jahre Gas geben".
Ein Altenberger stand trotzdem ganz oben auf dem Podest. Wenzel wechselte ins Team von Lochner und schob im Vierer mit. Nach dessen Karriereende wechselt der 21-Jährige jetzt ins Friedrich-Team - falls dieser weitermacht? Die Chancen sind gering.
"Ich will Pilot werden", so der ehemalige Mountainbiker. Von "Hansi" habe er viel gelernt: "Vor allem Gelassenheit und Ruhe vorm Start. Kenne keinen Piloten, der dies so tut."
Bei der Party am Samstag im deutschen Haus von Cortina feierten dann alle gemeinsam. "Wird auf jeden Fall feucht, fröhlich", meinte Franz. "Es wird keine Luft zum Atmen bleiben." Und der frisch gebackene Doppelolympiasieger Lochner gab dem Service-Team im Vorfeld einen Tipp: "Füllt die Kühlschränke auf!" Nach dem "schönsten Rennen" seines Lebens wollte es der Berchtesgadener richtig krachenlassen.
Die Party wurde gekrönt vom deutschen Doppelsieg der Damen im Zweier am Tag davor. Laura Nolte gewann mit Deborah Levi vor Lisa Buckwitz und Neele Schuten. Insgesamt holte der deutsche Schlittenverband 19 Medaillen in Cortina, davon sechs goldene. In Peking war es zuletzt 16-mal Edelmetall.
"Wir hatten gesagt, es sei vermessen, diese Bilanz noch zu überbieten. Nun haben wir es doch geschafft. Es ist unglaublich, was unsere Sportlerinnen und Sportler hier geleistet haben", sagte BSD-Vorstandschef Thomas Schwab.
Titelfoto: DPA/Robert Michael

