Ex-Olympiasieger kritisiert Auswahl der Fackelträger: "Unglaubliche Beleidigung"
Mailand (Italien) - 1994 fuhr Skilangläufer Silvio Fauner (57) unter italienischer Flagge in Lillehammer zur Goldmedaille. In wenigen Wochen gastieren die Olympischen Winterspiele nun in seinem Heimatland, doch der ehemalige Spitzensportler fühlt sich und andere gerade beim Blick auf die Fackelträger vergessen.
"Wenn es den Sportinstitutionen passt, erinnert man gern daran. Aber wenn es darum geht, zu respektieren, was wir für den italienischen Sport geleistet haben, dann ist es, als hätte es uns nicht gegeben", wetterte der 57-Jährige wütend im Interview mit "Gazzetta dello Sport".
Er spreche dabei nicht nur für sich, sondern für eine Gruppe von insgesamt zehn italienischen Medaillengewinnern, die "in keiner Weise" in die Vorbereitungen zu den Olympischen Winterspielen im eigenen Land einbezogen worden seien.
"Ich halte das für eine unglaubliche Beleidigung oder, wie meine Partnerin Monica zu sagen pflegt, für eine Schande", echauffierte sich Fauner.
Stattdessen würden sowohl das italienische als auch das internationale Olympia-Komitee die Gewinner der Sommer-Disziplinen bevorzugen, lieber Künstlern wie Daniel "Catman" Paladini eine Fackel in die Hand drücken oder gar unverhohlen mauscheln.
"Eine Nachbarin von mir, die Cousine von Lisa Vittozzi (italienische Biathletin, Anm. d. Red.), war in Florenz. Sie fragte einen Fackelträger, wer er denn sei, um ein Selfie mit ihm zu machen. Und er antwortete: 'Ich bin Fackelträger, weil mein Vater die Sponsoren kennt'", erzählte der Ex-Athlet.
Silvio Fauner beklagt Doppelstandards und erwartet Entschuldigung
In einem weiteren Gazzetta-Interview fügte Fauner an, dass er selbst ausgeschlossen worden sei, weil er mittlerweile als Stadtrat im Ort Sappada arbeitet. Ex-Segler Ivan Scimonelli, inzwischen Stadtrat in Syracuse, wurde allerdings als Fackelträger für die Spiele in Mailand und Cortina ausgewählt.
"Gilt die Regel für ihn nicht, aber für mich schon?", regte sich der frühere Langläufer auf.
Eigentlich erwartet Fauner eine Entschuldigung, aber "es ist nicht meine Aufgabe zu protestieren, sondern die der Sportbehörden, die sich an uns hätten erinnern und an uns hätten denken sollen".
Mit einer kurzfristigen Einladung rechne er jedoch nicht mehr: "Ich glaube kaum, dass sie es uns am 5. Februar sagen werden", so der Lokalpolitiker. Einen Tag später beginnen die Spiele nämlich.
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