Biathlon-Bundestrainer enthüllt schlimme Zustände beim DSV-Team: "War überrascht, wie schlecht ..."

Ruhpolding - Vor etwas mehr als einem Jahr übernahm Tobias Reiter (40) überraschend drei Wochen vor Ende der Saison das Amt von Uroš Velepec (58) als Biathlon-Bundestrainer, nachdem dieser nach der WM 2025 hingeworfen hatte. Jetzt plaudert der Coach aus dem Nähkästchen, wie schlecht es bei seinem Amtsantritt um die Zustände im deutschen Herrenteam bestellt war.

Tobias Reiter (40) musste die deutschen Biathlon-Herren nach seinem Amtsantritt erst einmal mental aufbauen.  © Hendrik Schmidt/dpa

Seine größte Aufgabe sei es gewesen, den Jungs erst einmal Selbstvertrauen einzuflößen, erzählte Reiter im Podcast "Extrarunde".

"Ich war überrascht, wie schlecht das Selbstvertrauen war, obwohl die ja mit einer WM-Medaille aus Lenzerheide dann zum letzten Trimester gefahren sind", beschrieb der 40-Jährige die größte Negativ-Überraschung seiner ersten Tage mit dem Team.

Die DSV-Herren hätten sogar regelrecht Angst vor den Rennen gehabt: "Es war absolut kein Selbstvertrauen da, bei den Trainingstagen zu den Wettkämpfen hin wurde von Tag zu Tag die Qualität schlechter, weil die Angst vorm Wettkampf wieder größer wurde."

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Dabei seien die Gegner vom Team in den Himmel gelobt worden, anstatt den Fokus auf sich selbst zu legen. "Die Situation war so, dass die Jungs eigentlich nur noch erzählt haben, wie toll denn die Norweger und die Franzosen sind und was die denn alles Tolles machen", berichtete Reiter.

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Biathlon: Tobias Reiter stand beim DSV vor großen Herausforderungen

Bei den Olympischen Spielen war für die deutschen Herren wenig zu holen. Nur in der Mixed-Staffel gab es Edelmetall.  © Hendrik Schmidt/dpa

Auch an den Stützpunkten des DSV sei die Lage zu diesem Zeitpunkt schwierig gewesen.

Er habe die Strukturen und Trainingsansätze vereinheitlichen wollen und sei dafür gemeinsam mit Co-Trainer Jens Filbrich (47) in offenen Gesprächen an die jeweiligen Heim-Trainer seiner Athleten herangetreten.

"Wir hatten den Vorteil, dass keiner zufrieden war bis dahin und jeder Stützpunkt-Heimtrainer offen war für was Neues", enthüllte Reiter, der von 2014 bis 2018 bereits als Co-Trainer der deutschen Damen tätig gewesen war, die Stimmung unter seinem Vorgänger.

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Allerdings waren auch unter dem 40-Jährigen im vergangenen Winter nur punktuell Verbesserungen bei den deutschen Herren zu erkennen. Als Einziger konnte Philipp Nawrath (33) kontinuierlich Top-Ergebnisse einfahren, bei den Olympischen Spielen sprang nur in der Mixed-Staffel eine Bronzemedaille heraus.

Das habe aber unter anderem auch daran gelegen, dass Reiter in der einzigen Saisonvorbereitung, die er vor Olympia mit dem Team hatte, nicht zu viel umstellen wollte.

Für die kommende Saison peilt er eine weitere Stabilisierung seines Teams und die Weiterentwicklung junger Athleten an, die bereits in diesem Winter ihre ersten Weltcup-Einsätze sammeln durften: "Ich denke, wenn wir es schaffen, diese Schritte weiterzugehen, die wir schon gegangen sind [...], dann können wir sehr zufrieden sein und dann kommen auch ordentliche Platzierungen raus."

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