Fette Biathlon-Jahre endgültig vorbei? So geht der DSV mit historisch schlechten Winterspielen um
Antholz/Planegg - Elf Rennen, mit Glück eine einzige Bronze-Medaille und der Rücktritt des letzten Topstars: Die Bilanz der deutschen Biathleten bei den Olympischen Spielen in Italien liest sich genauso ernüchternd, wie sie ist - nämlich historisch schlecht. Der Deutsche Skiverband (DSV) zeigt sich selbstkritisch und kündigt "umfassende Analysen" an. Reicht das?
Klar: Ein paar Mal lief Team D auch knapp am Podium vorbei, doch insgesamt scheint die Konkurrenz aus Frankreich und Norwegen die Deutschen endgültig abgehängt zu haben.
Die Olympischen Spiele seien nicht so verlaufen, wie man sich das vorgestellt habe, erklärte Maren Hammerschmidt (36) gegenüber TAG24. Die Ex-Biathletin beendete vor knapp vier Jahre ihre aktive Karriere und ist mittlerweile in der Presseabteilung des DSV tätig.
"Unser Anspruch ist es, bei einem Großereignis um Medaillen mitzukämpfen und diese auch zu erringen. Diesem Anspruch sind wir in diesem Jahr nicht in der gewünschten Konstanz gerecht geworden."
Man nehme die Ergebnisse selbstkritisch zur Kenntnis. Eine umfassende Analyse soll nach Saisonende erfolgen. Hammerschmidt betonte: "Entscheidungen werden faktenbasiert und mit der nötigen Ruhe getroffen, nicht aus der Emotion eines einzelnen Ereignisses heraus."
Olympische Spiele seien "Wegmarken, aber kein Endpunkt". Noch ist der Blick auf die restlichen drei Weltcup-Wochen gerichtet.
Biathlon in Deutschland: So soll es ohne Franziska Preuß weitergehen
Dabei sollen vor allem "Stabilität und Selbstvertrauen" aufgebaut sowie einzelne Leistungsschwerpunkte weiterentwickelt werden. Es sei nach wie vor der Anspruch, dauerhaft zur internationalen Spitze zu gehören.
Dabei ist diese wohl längst enteilt - erst recht jetzt, da mit Franziska Preuß (31) die letzte Deutsche, die zur absoluten Weltspitze zählte, ihre Karriere beendet hat. Ohne die Gesamtweltcupsiegerin der Vorsaison fehle "eine Leistungsträgerin und prägende Persönlichkeit".
Doch das scheint der DSV nicht so dramatisch zu sehen, so verfüge man laut Hammerschmidt immer noch "über eine breite und entwicklungsfähige Mannschaft." Etwas anders klang das noch während Olympia von DSV-Sportdirektor Felix Bitterling, der sagte, dass dem Biathlon-Team "ein bis zwei Generationen" fehlen würden.
Bitterling, der den Deutschen Skiverband zum Ende der Saison verlassen wird, erklärte, dass man wohl "Jahre" auf Talente mit Weltklasse-Potenzial warten müsse. Etwas milder hieß es nun vom DSV: "Unser Ziel ist es, die vorhandene Qualität weiter zu stabilisieren und mehrere Athletinnen konstant in die Weltspitze zu führen, um insgesamt noch unabhängiger von Einzelpersonen zu werden."
Arbeit an Laufperformance und Schießstabilität unter Wettkampfbelastung
Klar ist trotzdem, dass sich etwas tun muss. Im Sommer stehen deshalb zwei Stellschrauben im Fokus: die Laufperformance sowie die Schießstabilität unter Wettkampfbelastung.
"Auch an der mentalen Ausbildung der Athletinnen und Athleten muss gearbeitet werden, um sicherzustellen, dass in Drucksituationen das volle Leistungspotential abgerufen werden kann", so Hammerschmidt.
Insgesamt sieht der DSV die eigenen strukturellen Grundlagen aber trotz der Ergebnisse dieses Winters als "solide" an.
Titelfoto: Montage: dpa | Hendrik Schmidt, picture alliance/dpa | Martin Schutt

