Top-Biathletin bricht ihr Schweigen - und rechnet schonungslos mit Verband ab

Frankreich - Erst vor wenigen Tagen haben Justine Braisaz-Bouchet und der französische Skiverband bekannt gegeben, dass die Top-Biathletin sich nicht mit der Nationalmannschaft auf die kommende Saison vorbereitet. Der Schritt wurde als einvernehmliche Entscheidung verkauft, hinter den Kulissen brodelte es aber offenbar. Die neu gewonnene Freiheit nutzte die 29-Jährige jetzt nämlich umgehend zum Rundumschlag.

Justine Braisaz-Bouchet (29) sprach nun zum ersten Mal ausführlich über die "Kreditkartenaffäre".  © FRANÇOIS-XAVIER MARIT / AFP

"Ich war drei Jahre lang ruhig, habe nichts gesagt. Ich habe mir immer wieder eingeredet, dass die Wahrheit rauskommen würde. Aber als das Urteil fiel, ist mir klar geworden, dass sich nichts verändert hat", sagte die Olympiasiegerin von 2022 im Interview mit "L'Équipe".

Gemeint war die "Kreditkartenaffäre" um ihre Kollegin Julia Simon (29). Die zehnfache Weltmeisterin missbrauchte die sensiblen Zahlungs-Infos von Braisaz-Bouchet und eines weiteren Mitglieds des französischen Stabs für widerrechtliche Einkäufe im Wert von etwa 2300 Euro.

Zunächst leugnete Simon noch alles, vor Gericht gestand sie dann aber und wurde im vergangenen Oktober zu einer Geldstrafe sowie einer dreimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Biathlon "Nicht mehr ertragen": Biathlon-Superstar lässt sich Augen operieren

Die Kritik von Braisaz-Bouchet richtete sich nun aber weniger gegen ihre langfingrige Kollegin, sondern vielmehr gegen den Verband.

"Normalerweise gibt es keine Handlungen ohne Konsequenzen. Man kann sich nicht rücksichtslos verhalten. Für mich ist das unmöglich, aber genau das ist das Gefühl, das ich hatte", so die 29-Jährige.

Anzeige

Justine Braisaz-Bouchet spricht von einer "dysfunktionalen Gruppe"

In den kommenden Wochen und Monaten wird Justine Braisaz-Bouchet (29) nicht mit dem französischen Nationalteam trainieren.  © OLIVIER CHASSIGNOLE / AFP

Der Verband und die Nationalmannschaft funktionieren "wie ein kleines Unternehmen", erklärte die Skijägerin. Alle würden viel Zeit miteinander verbringen und große Emotionen teilen. Und Braisaz-Bouchet habe sich aufgrund des Umgangs mit dem Skandal "absolut nicht wertgeschätzt" gefühlt.

"Wir fokussieren uns immer auf die Beschuldigten, reden aber nie über die Opfer. Die Gesellschaft sollte anders funktionieren", forderte die Französin.

Einigen Kolleginnen habe sie sich zwar anvertraut und ihre Gefühle geteilt, mit den Verantwortlichen beim Verband habe sie jedoch nie über die Angelegenheit gesprochen, da sie alles so professionell wie nur möglich halten wollte.

Biathlon Top-Biathletin wendet sich vom Nationalteam ab

"Ich konnte in einer dysfunktionalen Gruppe nicht mehr funktionieren. Ich habe mich für jeden verbogen und wollte unbedingt, dass es funktioniert. Aber es hat nicht funktioniert", gestand die 29-Jährige.

Ihre Karriere wollte Braisaz-Bouchet aber dennoch nicht beenden, dafür liebe sie den Biathlonsport zu sehr. Deshalb folgte nun die Abkapselung vom Nationalteam.

Mehr zum Thema Biathlon: