Lavazè (Italien) - Es ist eine emotionale Rückkehr: Rund einen Monat nach dem Tod des norwegischen Biathleten Sivert Guttorm Bakken (†27) kehrt sein Team an den Ort des Geschehens zurück. Im italienischen Lavazè absolvieren Norwegens Asse ihr Höhentrainingslager vor den Olympischen Spielen - in demselben Hotel, in dem ihr Freund verstorben ist.
Für Sturla Holm Lægreid (28) war besonders der erste Tag vor Ort enorm schwierig.
Er habe "einen beschissenen Tag" gehabt, erzählte der Gesamtweltcupsieger des Vorjahres bei TV2. Er habe den ganzen Tag auf seinem Zimmer gelegen und auf dem Weg dorthin extra den Aufzug genommen, um nicht an Bakkens Zimmer vorbeizukommen.
"Ich musste mich irgendwann damit auseinandersetzen: die Treppe gehen und anerkennen, dass es hier passiert ist. Das ist sozusagen ein Schritt in diesem Prozess", erklärte Lægreid.
Ein Gespräch mit einem mitgereisten Psychologen habe ihm geholfen: "Am Anfang fühlte es sich sehr falsch an. Aber je mehr man darüber nachdachte, desto richtiger fühlte es sich an. Es war schließlich ein Ort, den wir geliebt und oft besucht hatten. Und Sivert liebte diesen Ort. Ich glaube, er hätte gewollt, dass wir hierherkommen und ihn ehren."
Schon kurz nach dem Tod des 27-Jährigen hatten sich die Norweger klar dafür entschieden, ihr Olympia-Vorbereitung in Lavazè abzuhalten.
"Wir haben darüber zwar diskutiert, aber einige Leute sind der Meinung, dass Sivert uns ordentlich gegen das Schienbein getreten hätte, wenn wir uns für die nächstbeste Option entschieden hätten", hatte Nationalmannschaftsmanager Per Arne Botnan erklärt.
Biathlon: Norwegens Team will Gedenktafel für Sivert Guttorm Bakken aufstellen
Es seien viele "besondere, seltsame und schöne" Emotionen im Spiel, berichtete auch Johannes Dale-Skjevdal (28) angesichts der Rückkehr.
Einige Teammitglieder hätten sich gerne das Zimmer angesehen, in dem Bakken verstorben war, es sei aber noch gesperrt gewesen. Daher müsse das zu einem späteren Zeitpunkt geschehen, erzählte der 28-Jährige.
Um seinen Freund zu ehren, plant das norwegische Biathlon-Team etwas ganz Besonderes.
"Wir überlegen, hier auf dem Berg eine Art Gedenktafel anzubringen, damit wir Sivert bei unseren Besuchen öfter sehen können. Wir wollen etwas Schönes und Besonderes daraus machen. Sivert soll noch mehr bei uns sein", sagte Lægreid.
Er selbst würde gerne dabei sein, wenn die Plakette angebracht wird: "Ich glaube, es bedeutet allen sehr viel. Dass wir Sivert dort oben, auf dem Gipfel, ehren können. Dort fühlt er sich am wohlsten."