Deutscher Biathlon-Star enthüllt: Darum machte ihr der Stadionsprecher in Ruhpolding Druck
Ruhpolding - Auf den letzten Drücker geht der Kindheitstraum von Selina Grotian (21) doch in Erfüllung: Der deutsche Biathlon-Star fährt zu den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina. Doch der Weg dahin war steinig, der Druck enorm. Dabei spielte auch der Stadionsprecher in der Chiemgau Arena Ruhpolding eine ungewollt große Rolle.
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Und so erklärte er am vergangenen Wochenende den Fans mehrfach, dass Grotian noch nicht die Olympia-Norm geknackt hatte und was dafür nötig sei. Obwohl Leistungssportler während der Wettkämpfe immer gut im Tunnel sind, hörte die 21-Jährige jedes Wort, was ihr Unterfangen nicht leichter machte.
"Die Atmosphäre in Ruhpolding ist immer sehr stimmungsvoll. Angesichts meiner Ausgangslage in diesem Jahr lastete allerdings zusätzlicher Druck auf meinen Schultern. Hier auf den Punkt abliefern zu müssen, hat die Sache nicht leichter gemacht. Man hört den Stadionsprecher viel lauter als bei anderen Weltcups und bei mir wurde oft über die Olympianorm gesprochen, da er den Fans die Sachlage erklärt hat", gab sie nun in einem Interview mit der Internationalen Biathlon-Union (IBU) einen Einblick in ihr Seelenleben.
Am Ende reichten ihr Platz 14 im Sprint und Platz 13 in der Verfolgung, um das Olympia-Ticket zu lösen. Mitte der Woche erfolgte die offizielle Nominierung durch den Deutschen Ski-Verband (DSV) und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).
Mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen geht für Selina Grotian ein Traum in Erfüllung
"Bei Olympia in Antholz dabei zu sein, ist einer meiner Kindheitsträume. Es war mein größtes Ziel, auf das ich in den letzten beiden Saisons gezielt hingearbeitet habe", sagt Selina Grotian. In Antholz werden die Biathlon-Wettbewerbe in der Südtirol Arena ausgetragen.
Bis dahin heißt es für die 21-Jährige nun gut trainieren, regenerieren und vor allem nicht krank werden. Beim Weltcup-Auftakt im schwedischen Östersund Ende November hatte sich das Ausnahme-Talent eine Corona-Infektion eingefangen, die sie Wochenland ausbremste.
"Ich hatte gehofft, schon in Annecy zurückkehren zu können. Aber nach einigen leichten Langlaufeinheiten im Vorfeld habe ich gemerkt, dass mein Körper einfach noch nicht bereit ist. Das war nach überwundener Krankheit ein ziemlicher Rückschlag für mich", erinnert sie sich.
Sie versuchte dann, viel Abstand vom Biathlon zu gewinnen, spielte Spiele mit der Familie und ging oft mit Hündin Nala auf Spaziergänge. Nun gilt der volle Fokus auf das Saisonhighlight in Italien. Es werden Grotians ersten Olympischen Spiele, bleibt sie fit, ist ihr eine Medaille auf jeden Fall zuzutrauen.
Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

