Nach Anti-Rassismus-Demo: Hunderte greifen Polizei-Revier in Stuttgart an!

Stuttgart - Am vergangenen Samstag protestierten tausende Menschen im Zuge der "Silent Demo" überwiegend friedlich in Stuttgart gegen Rassismus (TAG24 berichtete). Doch anschließend griffen hunderte Menschen ein nahes Polizeirevier an!

Spontan zogen am Samstag zahlreiche Menschen durch die Stuttgarter Innenstadt und blockieren damit die B14. Auch das Polizeirevier an der Theo bekam Besuch.
Spontan zogen am Samstag zahlreiche Menschen durch die Stuttgarter Innenstadt und blockieren damit die B14. Auch das Polizeirevier an der Theo bekam Besuch.  © Christoph Schmidt/dpa

Das Polizeirevier 1 liegt an Stuttgarts Partymeile, der Theodor-Heuss-Straße. Vor der Corona-Pandemie tummelten sich hier am Wochenende Feierlustige, es wurde gelacht und getrunken.

Am Samstagnachmittag war dort allerdings ein Publikum zu Gast, dem der Sinn nicht nach Party, sondern nach Randale stand. 

Im Polizeibericht vom Samstag (hier nachzulesen) ist der Vorfall nicht erwähnt. Also haben wir nachgehakt.

Das Ganze begann gegen 16.45 Uhr. "Die zentrale Demo in der Schlossgarten-Anlage hat damit nichts zu tun", stellt Polizeisprecher Stefan Keilbach zu Beginn des Gesprächs mit TAG24 klar.

Die Demo war aufgelöst, Teilnehmer der Demonstration hätten sich abgespalten und einen Spontanaufzug veranstaltet, so Keilbach weiter. 

Mehrfach seien insgesamt etwa 1000 Leute im Bereich rund um die Theo auf und ab marschiert. "Bei einer Gelegenheit sind dann Hunderte vor dem Revier in der Innenstadt stehen geblieben."

Sowas komme öfter vor, erklärt Keilbach. Demonstranten wollten bei solchen Gelegenheiten dann gerne mal "Rabatz machen". Was am Samstag aber passierte, sei so noch nicht da gewesen.

"Bis zu 200 Personen sind die Treppen bis zum Haupteingang des Reviers hochgegangen", berichtet Keilbach. Dort hätten sie nicht nur den Eingang blockiert: "Personen trommelten und hämmerten gegen Türen, auch wurden die Beamten im Revier verbal beleidigt."

Unter anderem wurde skandiert: "Alle Polizisten sind Rassisten" und "All Cops are Bastards (auf Deutsch: Alle Polizisten sind Bastarde)". Eine Person versuchte, den Außenspiegel eines Streifenwagens abzutreten.

Polizei: Linksextreme überschreiten Linie

Stuttgart, 16. Mai: Nach der Attacke durch dutzende mutmaßlich Linksradikale liegt ein Mensch am Boden.
Stuttgart, 16. Mai: Nach der Attacke durch dutzende mutmaßlich Linksradikale liegt ein Mensch am Boden.  © Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart

Und was machten die Beamten im Revier, während es draußen hoch her ging? "Wir haben versucht, die Lage nicht noch weiter zu befeuern", so der Polizeisprecher. 

Er mutmaßt, dass sonst Szenen hätten entstehen können, die dem ein oder anderen Fotografen in den Kram gepasst hätten.

Also warteten die Polizisten. Leicht war das nicht, gesteht Keilbach. "Wir sind drinnen geblieben und haben das erduldet." 

Vom Gebäudeinneren heraus filmten die Beamten die Vorfälle vor ihrer Türe. 

"So dokumentierten wir etwa, wenn sich Leute auf Streifenwagen setzten." Man sei zuversichtlich, diesbezüglich weiter ermitteln zu können.

Personalien der Randalierer wurden keine aufgenommen, auch festgenommen wurde niemand. Jedoch: "Es waren Personen aus dem linken Spektrum dabei, die wir kennen."

Erst Mitte Mai hatte ein mutmaßlich linksradikaler Angriff auf drei Demo-Teilnehmer deutschlandweit für Aufsehen und Entsetzen gesorgt. 

Der 54-Jährige Andreas Z., Mitglied der rechten Mini-Gewerkschaft "Zentrum Automobil", liegt seitdem im Koma (TAG24 berichtete). Nach der Attacke durch bis zu 50 vermummte Schläger wird Z. womöglich "schlimmste, bleibende Schäden zurückbehalten", berichtet Keilbach.

Die Gewaltbereitschaft der linken Szene hat sich in Stuttgart gewandelt: "Linksextreme beginnen, eine Linie zu überschreiten", so der Polizeisprecher. "Bislang wurden hier nur Sachen attackiert, mittlerweile jedoch auch Menschen."

Wenn die Szene gewaltbereiter wird, wie wollen sich dann die Ordnungshüter davor schützen, dass es erneut zu einem Angriff auf ein Polizeirevier kommt? "Wir werden die Situation weiter analysieren und werten Beweismaterial aus - und wir schauen, welche Rädelsführer es gibt."

Die Polizei werde ihre Lehren daraus ziehen, verspricht Keilbach. "Klar ist: Die Aktion, die vor dem Revier gelaufen ist, ist verwerflich."

Titelfoto: Screenshot: YouTUbe.de/Mario

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