Stuttgart - In den sozialen Medien kursieren Warnungen vor K.-o.-Tropfen auf Toilettenpapier. Doch ist da wirklich etwas dran? TAG24 macht mit der Polizei, Ärzten und einem Toxikologen den Faktencheck.
Bei dieser angeblich neuen Masche sollen die K.-o.-Tropfen nicht wie sonst üblich in Getränke geträufelt werden, sondern auf Toilettenpapier.
Über die Schleimhäute sollen die Drogen dann in den Körper gelangen.
Einige Narrenzünfte empfehlen ihren Mitgliedern, Taschentücher mit auf die Toilette zu nehmen.
Besucher von Fastnachtsveranstaltungen werden besonders gewarnt, denn um diese Jahreszeit kommen viele Leute dicht zusammen. Doch was ist dran an diesem Gerücht?
TAG24 hat bei der Polizei Stuttgart nachgefragt. "Solche Fälle sind uns nicht bekannt", sagt Tobias Kutter von der Polizei Stuttgart. Meist werden K.-o.-Tropfen über Getränke verabreicht.
Besteht der Verdacht, dass einer Person solche Tropfen verabreicht wurden, dann wird eine Blutprobe entnommen und auf diese Mittel untersucht.
Auch der Konstanzer Polizei sind keine Fälle bekannt. Die Beamten schreiben auf Facebook: "Nach aktuellem Stand liegen uns keine entsprechenden Fälle vor." Die Vorgehensweise sei der Polizei nicht bekannt.
Vorgehen unwahrscheinlich
Dr. Rainer Dahlenburg, Apotheker für Pharmakologie und Toxikologie hält das Vorgehen für "sehr unwahrscheinlich".
Damit eine Wirkung erzielt werde, müsste das Toilettenpapier feucht sein. Die Stoffe sind ölig und es müsste ungefähr ein Gramm aufgenommen werden. "Das müssen Toilettenbenutzer mitbekommen, dass das nicht normal ist", erklärt Dahlenburg.
In Getränken werden K.o.-Tropfen hingegen häufig aufgenommen. Die Wirkung setzt in Kombination mit Alkohol ein. "Die Personen sind dann willenlos, aber handlungsfähig", sagt Dahlenburg. Außerdem haben sie keine Erinnerungen an diese Zeit.
K.-o.-Tropfen sind auch als Vergewaltigungsdroge bekannt. Unter K.o. versteckt sich die Abkürzung "knock out", was die Tropfen meist mit ihren Opfern machen. Oft ist in K.-o.-Tropfen Gammahydroxybutyrat (GHB) oder Gamma-Butyrolacton (GBL) das auch als Liquid Ecstasy bezeichnet wird, enthalten. Es gibt aber auch Medikamente in Tablettenform, wie Benzodiazepine, die ähnlich wirken.
Notarzt sind keine Fälle bekannt
Stephan Spenke, Allgemeinmediziner und Notarzt sieht ebenfalls keine Gefahr durch Toilettenpapier: "Wenn man K.o.-Tropfen verwenden würde, wäre das Papier nass. Wer nimmt ein nasses Klopapier und wischt sich damit ab?".
Selbst wenn man die Flüssigkeit auf ein Toilettenpapier träufele, würde diese nach einer gewissen Zeit verdampfen und damit auch unwirksam werden, erklärt der Arzt.
In zehn Jahren als Rettungssanitäter und weiteren neun als Notarzt ist ihm kein solcher Fall begegnet. Im Gespräch mit seinen Kollegen hat Spenke auch von keinen Fällen mit dieser Vorgehensweise gehört.
Auch Dr. Lisa Federle, Präsidentin vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), Kreisverband Tübingen sind keine Fälle bekannt. "Das Toilettenpapier wäre so feucht, das würde jeder merken und sich denken, das jemand es schon vorher benutzt hätte". Die Theorie hält die Ärztin für "extrem theoretisch und nahezu unmöglich".
Wer den Verdacht hat, K.o.-Tropfen verabreicht bekommen zu haben, sollte sich in ärztliche Behandlung begeben und eine Urin- oder Blutprobe abgeben. "Die Stoffe sind nur rund 20 Stunden nachweisbar", so Dahlenburg.
"Wird eine Person bewusstlos bitte sofort den Rettungswagen rufen", erklärt Federle.
Während der närrischen Zeit sollten Besucher auf der Hut sein. Getränke nicht unbeaufsichtigt lassen und acht auf sich und die Mitmenschen geben, damit es eine gute Fasnachts-, Fasnets- oder Karnevalszeit bleibt. Vor trockenem Klopapier muss man sich aber wohl nicht in Acht nehmen.
Erstmeldung: 11.20 Uhr, aktualisiert um 12.02 Uhr.