Als freiwilliger Editor bei einem digitalen Kartendienst: Jürgen zeigt Autofahrern, wo's langgeht
Dresden - Wer mit dem Auto von A nach B will, sucht in der Regel den schnellsten Weg zum Ziel. Dabei vertrauen die meisten auf fest installierte Navigationssysteme oder Apps auf mobilen Geräten. Die Technik nutzt Verkehrsinformationen aus verschiedenen Quellen. Dazu zählen auch Netzwerke, die fast ausschließlich von Freiwilligen wie Jürgen Tomaszewski (33) betreut werden. Der Großenhainer ist Editor bei dem Smartphone-Navigationssystem Waze und routet privat Millionen Autofahrer.
"Anders als bei anderen GPS-Navigationssystemen erhält Waze Daten von Anwendern der App bei deren Nutzung. Jeder kann sich zudem einbringen. Die Software und die Nutzung der Straßen- und Landmarkdatenbank sind kostenlos", erklärt Jürgen Tomaszewski.
Der IT-Berater entdeckte vor drei Jahren dieses Betätigungsfeld für sich: Er war damals verärgert, weil ihn Google Maps in die Irre geleitet hatte. Er wechselte zu Waze, wurde Editor und war fortan noch aufmerksamer im Verkehr unterwegs. Etwa zehn Stunden pro Woche investiert Jürgen Tomaszewski nach Dienstschluss, um in der App Karten-Korrekturen vorzunehmen.
Sperrungen, Wege, Umleitungen, Tempo-Limits, feste Blitzer, neue Namen: Als Editor trägt er ins Kartenmaterial da Daten ein, wo sie fehlen oder falsch ausgewiesen sind.
Sein persönlicher Kick: Die Kooperation von Google Maps mit Waze (gehört inzwischen auch zum Google-Mutterkonzern Alphabet) sorgt dafür, dass vor allem zeitkritische Informationen wie Straßensperrungen oder Unfälle sehr schnell auch für die Millionen Nutzer von Google Maps sichtbar werden.
Die Digitalisierung ist in Deutschland unterschiedlich weit - auch im Verkehr
Jürgen Tomaszewski: "Wir sind als Editoren-Team sehr dynamisch und darauf erpicht, im Wettbewerb der Systeme am schnellsten und genauesten zu sein." Seine IT-Kenntnisse verschaffen ihm dabei Vorteile. Er hat eine Automatisierung entwickelt, die ihn effizient unterstützt, Verkehrsmeldungen von Behörden, Kommunen oder anerkannten Hilfsorganisationen in die Karten einzupflegen.
Tomaszewski beklagt: "Die Digitalisierung ist in Deutschland unterschiedlich weit vorangeschritten - auch in puncto Verkehrsinformationen." Während einige offizielle Stellen beständig digital informieren, fallen andere (insbesondere Kommunen) durch totale "Funkstille" auf.
Der Großenhainer: "Mittweida ist so eine absolute Black Box für mich." Ärgerlich findet er auch, dass Behörden ihre Fehler im Netz nicht korrigieren. "Es gab eine Zeit, da habe ich jeden Morgen in den Karten die B 6 bei Niederwartha für den Verkehr 'entsperrt'."
Was lustig klingt, ist für Jürgen Tomaszewski eine ernste Sache. Das wird klar, wenn er über seine Motivation für diese unentgeltliche Arbeit spricht. "Aus Sicht des Umweltschutzes wäre es wünschenswert, dass alle nur noch Bus und Bahn benutzen. Doch gerade im ländlichen Raum funktioniert das nicht. Wir sind als Gesellschaft noch lange auf den Individualverkehr angewiesen. Ich möchte als Editor dazu beitragen, dass niemand sinnlos mit dem Auto Sprit verfährt und Abgase produziert, weil er schlecht navigiert wurde."
So verhält man sich bei Stau
Stau auf der Autobahn? Der ADAC rät, schon bei stockendem Verkehr, also wenn der Stau entsteht, eine Rettungsgasse zu bilden. Und so geht's:
Die Rettungsgasse wird immer zwischen dem linken und den übrigen Fahrstreifen gebildet. Wenden oder Rückwärtsfahren ist tabu. Ausnahme: Die Polizei fordert dazu auf. Der Standstreifen ist für Pannenautos freizuhalten. Wer ihn bei Stau benutzt, um den nächsten Rastplatz oder die nächste Autobahnausfahrt schneller zu erreichen, riskiert 75 Euro Bußgeld und einen Punkt.
Rechts überholen ist nur dann gestattet, wenn der Verkehr auf dem linken Fahrstreifen steht oder mit maximal 60 km/h fährt. Bei stehendem Verkehr darf man rechts mit maximal 20 km/h vorbeifahren.
Ist der Verkehr auf dem linken Fahrstreifen in Bewegung, darf rechts mit einer Differenzgeschwindigkeit von höchstens 20 km/h überholt werden. Die Fahrzeuge auf der rechten Spur dürfen dann also höchstens 80 km/h schnell fahren.
"Wir empfehlen bei Stau grundsätzlich, auf der Autobahn zu bleiben", sagt ein Sprecher der Autobahn GmbH des Bundes. "Wenn alle abfahren, dann belastet das die nachgeordneten Straßennetze und führt dort zum Stau. Zudem leiden die Anlieger unter der Verkehrsbelastung."
Keine ruhigen Jahre mehr beim Autobahn-Ausbau
Der Bund investiert 2026 insgesamt rund 170 Millionen Euro in Erhalt und Ausbau der Autobahnen in Sachsen. Es besteht dringender Handlungsbedarf. Lange Fahrbahnabschnitte sind in die Jahre gekommen und haben unter hohem Verkehrsaufkommen stark gelitten.
Schwerpunkte der Baumaßnahmen liegen auf der A4 im Bereich des Autobahnkreuzes Chemnitz und in Ostsachsen sowie auf A72 und A38 (bei Leipzig). "Ziel ist es, sämtliche Baumaßnahmen unter laufendem Verkehr abzuwickeln", sagt Christian Milster (54). Er leitet die Außenstelle Dresden der Autobahn GmbH des Bundes.
Der Lückenschluss der A72 zwischen Chemnitz und Leipzig steht für Ende 2027 in Aussicht. In diesem Jahr wird auf dem letzten im Bau befindlichen Teilstück zwischen Rötha und dem Autobahnkreuz Leipzig vor allem die Fahrbahn in Richtung Leipzig fertiggestellt. Dabei wird die bislang genutzte Betonfahrbahn im letzten Schritt durch sogenannten offenporigen Asphalt (auch "Flüsterasphalt" genannt) ersetzt. Ab Oktober beginnen die Arbeiten in der Gegenrichtung.
Der Sanierungs- und Investitionsbedarf wird zukünftig hoch bleiben, prognostiziert Christian Milster. In den kommenden zehn bis 15 Jahren werde es "keine ruhigen Jahre" geben, meint er.
Titelfoto: Bildmontage: Ove Landgraf, Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

