Magdeburg - Reichweite, Ladezeiten, Preise: Kaum ein Thema wird unter Autofahrern derzeit so kontrovers diskutiert wie die Zukunft der E-Mobilität. Doch wie gut ist Sachsen-Anhalt eigentlich wirklich auf den Wandel vorbereitet?
TAG24 hatte zuletzt selbst mehrere Wochen ein Elektroauto im Alltag getestet. Dabei zeigte sich: Moderne Stromer schaffen inzwischen problemlos mehrere Hundert Kilometer Reichweite.
Gleichzeitig bleiben vor allem Ladeinfrastruktur und Alltagstauglichkeit für viele Menschen zentrale Fragen.
Auf TAG24-Anfrage erklärte das Ministerium für Infrastruktur und Digitales nun, Sachsen-Anhalt erfülle die aktuellen EU-Vorgaben beim Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur sogar deutlich. Nach Angaben des Landes liege man derzeit bei 380 Prozent der vorgeschriebenen Mindestvorgabe.
Jedoch setzt das Land vor allem im ländlichen Raum stark auf private Lösungen. Dort spiele die eigene Wallbox eine wichtige Rolle. Die Wohneigentumsquote sei höher als in Städten. Viele Haushalte hätten deshalb grundsätzlich die Möglichkeit, zu Hause zu laden.
Gleichzeitig räumt die Landesregierung ein, dass die Ladeinfrastruktur in einigen Regionen weniger stark entwickelt ist. Genannt werden unter anderem Dessau, der Altmarkkreis Salzwedel, Wittenberg und das Jerichower Land. Dort sei allerdings auch die Zahl der Elektroautos vergleichsweise gering.
Verbrenner werden in Zukunft unattraktiv
Für Besitzer von Mietwohnungen oder Anwohnern ohne eigenen Stellplatz dürfte genau das weiterhin ein Problem bleiben. Denn konkrete Förderprogramme für private Wallboxen, Mehrfamilienhäuser oder kleine Unternehmen gibt es in Sachsen-Anhalt derzeit nicht.
Auch das Stromnetz müsste mit der Entwicklung Schritt halten. Zwar komme es laut dem Ministerium nur selten zu Problemen, regional könne die Leistung von Ladestationen bei Überlastung jedoch zeitweise reduziert werden.
Gleichzeitig seien Netzbetreiber verpflichtet, die Infrastruktur entsprechend auszubauen.
Besonders deutlich äußert sich das Land beim Blick auf klassische Verbrennerautos. Durch steigende CO₂-Preise könnten Benzin und Diesel künftig wesentlich teurer werden.
Dadurch rechnet die Landesregierung langfristig mit höheren Anschaffungskosten und sinkenden Wiederverkaufswerten für Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb.
Die Politik will zukünftig auf den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien setzen. Besonders Besitzer von Eigenheimen mit Photovoltaikanlage, Speicher und Wallbox könnten laut Landesregierung künftig von "unschlagbar günstiger" Mobilität profitieren.
Ob das E-Auto aktuell bereits die richtige Wahl für Familien in Sachsen-Anhalt ist, beantwortet die Regierung dagegen vorsichtig. Die Entscheidung hänge von vielen individuellen Faktoren ab, eine pauschale Empfehlung gebe es nicht.