Das Metaversum im Sandkasten: (Er)Leben wir in Zukunft nur noch digital?

München - Elf Jahre ist es her, dass uns Ernest Cline in seinem Buch "Ready Player One" eine Zukunft präsentierte, in der das Leben fast ausschließlich digital stattfindet. Schule, Arbeit, Events, Freunde treffen - alles online und mit einem Avatar, den man sich selbst kreiert hat. Aktuell scheinen die ersten Schritte in solch eine Welt zu entstehen - und jeder kann mitwirken.

Bereits in der Lobby wird man mit den digitalen Kunstwerken der NFT-Pioniere "The SneakerHeadz Society" (l.) oder dem "Bored Ape Yacht Club" (r.) visuell überflutet.
Bereits in der Lobby wird man mit den digitalen Kunstwerken der NFT-Pioniere "The SneakerHeadz Society" (l.) oder dem "Bored Ape Yacht Club" (r.) visuell überflutet.  © Screenshot/sandbox.game

Das zumindest ist der Gedanke, der "The Sandbox" antreibt. Zusammen mit der Münchner Agentur Marchsreiter Communications hatte TAG24 die Chance, sich mit einem der Entwickler, Arnaud Kamphuis, zu unterhalten und sich die neue virtuelle Welt erklären zu lassen.

Noch bis 31. März läuft - für jedermann zugänglich - die Season 2 der Alpha-Phase. Auf www.sandbox.game kann man die noch frühe Entwicklungsphase selbst miterleben und Feedback geben.

Allerdings gibt es eine Hürde, die aktuell aber etwa 2,2 Millionen User bereits überwunden haben, wie Kamphuis auf Nachfrage mitteilt. Denn "The Sandbox Game" basiert auf der Blockchain-Technologie. Das bringt viele Vorteile mit sich, erschwert aber den Einstieg, wenn man sich noch gar nicht mit der Technik befasst hat, ein wenig.

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Im Idealfall hat man bereits (s)eine Krypto-Geldbörse beim Sandbox-Partner und inzwischen sehr bekannten Anbieter "Metamask". Genau. Die mit dem putzigen Fuchs als Logo.

Angelegt ist die Wallet im Grunde schnell. Und diese Wallet wird Euer Zugang zum Metaversum von Sandbox. Das "Second Life" der Neuzeit - aufgebaut, rund um die NFT-Idee.

Jeder kann Snoop Doggs Villa betreten - aber nicht jeder schafft es gleich

Snoop Dogg ist nicht nur als NFT-Avatar mit eigenen Bewegungen dabei, auch seine Villa wurde digitalisiert. Um Zutritt zu erhalten, muss man erst ein paar Fragen zu dem Künstler beantworten.
Snoop Dogg ist nicht nur als NFT-Avatar mit eigenen Bewegungen dabei, auch seine Villa wurde digitalisiert. Um Zutritt zu erhalten, muss man erst ein paar Fragen zu dem Künstler beantworten.  © Screenshot/sandbox.game

NFT dürfte jeder schon einmal gehört haben - ob er wollte oder nicht.

Es steht für "Non-Fungible Token", also ein "nicht-austauschbares Objekt". Damit ist jedes digitale Kunstwerk kryptografisch eindeutig identifizierbar, unteilbar und für jedermann überprüfbar. Es gibt digitaler Kunst einen Wert. Ein Echtheitszertifikat. Und bei Bedarf einen Preis.

Damit haben wir die Basics abgeklärt. Doch was erwartet einen in der neuen virtuellen Realität?

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Es ist eine noch sehr frühe Phase der Entwicklung, doch bereits jetzt kann man Spiele zocken, Rätsel lösen oder einfach nur durch die Welt von "The Walking Dead" oder "Snoop Dogg" spazieren. Oder seine eigene Welt erbauen.

"Wir geben den Leuten von Anfang an alles in die Hand, um die Welt selbst mitzugestalten", begeistert sich Kamphuis. "Man muss nicht eine Zeile kodieren können. Aber mit unserer kostenlosen Software "VoxEdit" kann man vom Avatar über Deko-Gegenstände bis hin zu Pflanzen, Hüte oder Gartenzaun-Designs bereits alles erstellen. Und verkaufen."

Der Programmierer schwärmt regelrecht davon, was hier möglich ist: "Jeder kann alles erschaffen, alles sein, alles testen. Mit "VoxEdit" muss man sich nicht mehr darauf programmieren, den richtig Code zu programmieren, sondern kann sich völlig seinem Projekt hingeben." Für Kreative, die tatsächlich Geld investieren, müssten aber finanziell nicht so gut dastehen wie Kult-Rapper, wurde ein eigener Fond eingerichtet.

Aktuell hat der Multiplayer-Bereich noch überwiegend einen sozialen Schwerpunkt, soll aber auch den Bereich Gaming stärker einbeziehen. Man kann sich Land kaufen (die Flächen sind alles andere als billig), sich eine eigene Villa bauen und seine erstandenen NFT-Kunstwerke zur Schau stellen.

Einfache Design-Ästhetik, damit jeder etwas erschaffen kann

Wer künftig sagt: "Neulich war ich mit Deadmau5, einem Schlumpf und einem tanzenden Gorilla unterwegs", hat nicht zwingend seine Medikamente falsch dosiert.
Wer künftig sagt: "Neulich war ich mit Deadmau5, einem Schlumpf und einem tanzenden Gorilla unterwegs", hat nicht zwingend seine Medikamente falsch dosiert.  © Screenshot/sandbox.game

"Diese Welt kreiert Jobs. Bereits jetzt leben Menschen davon, dass sie virtuelle Möbel und andere Items basteln. Man könnte digitaler Grundstücksmakler werden und damit seinen Lebensunterhalt finanzieren", erzählt Arnaud Kamphuis.

"Wir stellen die Plattform und verdienen bei Verkäufen 5 Prozent. Womit ihr die anderen 95 Prozent verdient, ist ganz eurer Phantasie überlassen."

Im Web 3.0 möchte Sandbox nicht nur, dass NFTs erstellt werden, sie sollen durch diese Welt ihre eigene Geschichte erhalten - was sie um den wahren Wert eines Kunstwerks bereichert.

"Eine chinesische Firma hat beispielsweise ein historisches Dorf inklusive Tempel als Grundlage für ihr Spiel nachgebildet. Man könnte also auch ein Stück Geschichtsunterricht anschaulich mit einbauen."

Und ein Ende sei noch nicht in Sicht, so Kamphuis weiter: "Gaming, NFT-Fashion-Shows, Ausstellungen, Konzerte und viele Dinge, an die wir noch gar nicht denken, können da passieren." Alles in einer einfachen Block-Grafik gehalten, die an Minecraft oder Roblox erinnert. "Die Ästhetik gefällt mir und jeder kann damit seine eigenen Avatare basteln."

Die Schlichtheit soll möglichst vielen Menschen die Möglichkeit schenken, die neue virtuelle Realität mitzugestalten und zu entwickeln.

Es klingt wie ein spannendes Abenteuer. Doch ist eine solche Gesellschaft am Ende erstrebenswert? Nun, es wird sich zeigen. Argumente werden auf beiden Seiten garantiert noch eine Menge ausgetauscht.

Aber vielleicht ist es ja am Ende tatsächlich, wie bei "Ready Player One" - und die virtuelle Welt wird jeden Dienstag und Donnerstag offline genommen.

Titelfoto: Screenshot/sandbox.game

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