Resident Evil Village im Test: Spielspaß-Granate statt Gruselfaktor

Europäisches Dorf - Anfang Mai war es so weit: Nach monatelangem Hype erblickte "Resident Evil Village" endlich das Licht der Welt. Der achte Teil der Reihe sollte dabei Gruselelemente des Vorgängers übernehmen und in ein actionreicheres Szenario packen. Ob dieser gewagte Spagat gelungen ist, erfahrt Ihr im Test.

Dieser feine Herr begrüßt Euch recht freundlich zu Beginn im Dorf. Später habt Ihr ihm mehr Waffengewalt entgegenzusetzen.
Dieser feine Herr begrüßt Euch recht freundlich zu Beginn im Dorf. Später habt Ihr ihm mehr Waffengewalt entgegenzusetzen.  © Capcom

Knapp 11 Stunden Spielzeit stehen auf meiner Uhr, als der Abspann von "Resident Evil Village" über meinen TV-Bildschirm flimmert. Meine Playstation 5 schnurrt etwas warmgelaufen, aber geräuschlos vor sich hin. In mir drin sieht es aber ganz anders aus.

Was ich da eben gerade erlebt habe, war in vielen Teilen der feuchte Traum eines "Resident Evil 4"-Veteranen, der sich seit Jahren eine Fortsetzung dieses Klassikers gewünscht hat. Denn Village schaut sich verdammt viel von besagtem Vorgänger ab und kombiniert die Spielmechaniken mit der Neuinterpretation, die man in Teil 7 vollzogen hat.

Aber der Reihe nach: Erneut schlüpft Ihr in die Rolle von Ethan Winters, der nach den Ereignissen des Vorgängers mit seiner Frau Mia und Töchterchen Rose Zuflucht in Europa gefunden hat.

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Doch nach nur wenigen Minuten überschlagen sich die Ereignisse und Ihr findet Euch, getrennt von Euren Liebsten, in einem mehr als ausladenden Dorf irgendwo im nirgendwo wieder.

Dort scheint etwas völlig Abgedrehtes zu passieren: Blutige Werwölfe machen Jagd auf die hiesigen Dorfbewohner und Ihr steckt plötzlich mittendrin. Dass das alles aber kein Zufall ist, wird nicht nur Ethan relativ schnell klar.

Resident Evil 4 2.0

Die Kulisse passt einfach perfekt ins "Resident Evil"-Universum. Dorf und Schloss erinnern stark an den vierten Teil.
Die Kulisse passt einfach perfekt ins "Resident Evil"-Universum. Dorf und Schloss erinnern stark an den vierten Teil.  © Capcom

Gespielt wird wie im Vorgänger in der Ego-Perspektive. Dabei sieht "Resident Evil Village" konsolenübergreifend teils unverschämt gut aus.

Nach und nach könnt Ihr besagtes Dorf immer weiter erkunden. Euer Weg führt Euch aber auch beispielsweise in einen Sumpf und ein großes Schloss - schon hier lässt "Resident Evil 4" grüßen.

Allgemein verspürte ich beim Spielen sehr viele Resi-4-Vibes: Eine Szene direkt am Anfang, in der übermenschlich viele Gegner Euch zum Fressen gerne haben, ein Fischmonster, das "Del Lago" definitiv Konkurrenz macht und eine futuristische Anlage, die der Insel aus dem letzten Abschnitt des vierten Teils definitiv nachempfunden wurde. Hier haben die Macher offenbar geschaut, was Leons Auftritt damals so besonders gemacht hat.

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Die Umsetzung in Village gelingt dabei tatsächlich in großen Teilen. Versteckte Schätze, ein markanter Händler, der Eure Waffen aufmotzt, sowie die erwähnten, toll in Szene gesetzten Schauplätze lassen Fans der Reihe unweigerlich in Erinnerungen schwelgen.

Leider fehlt es Ethan Winters als Held wie schon im Vorgänger an einem gewissen Charisma. Das mag daran liegen, dass man ihn aufgrund der Perspektive nicht zu Gesicht bekommt. Im Vergleich mit anderen Titelhelden wie Chris Redfield oder Ada Wong fällt er aber auch ohne diesen Punkt weit ab.

Das verdammte letzte Drittel

Lady Dimitrescu kennt man bereits aus der Demo und einigen Trailern. Im Schloss wird sie Euch einige schöne Stunden bescheren.
Lady Dimitrescu kennt man bereits aus der Demo und einigen Trailern. Im Schloss wird sie Euch einige schöne Stunden bescheren.  © Capcom

Nach mehr als acht Stunden war ich mir sicher, dass ich gerade mein Spiel des Jahres spiele. Dieser Eindruck wurde im letzten Drittel leider etwas getrübt.

Offenbar haben die Autoren händeringend versucht, am Ende alles in einen Topf zu werfen und kräftig zu schütteln. Leider verliert sich "Resident Evil Village" dabei vollkommen in actiongeladenen Absurditäten, die eher in einen Michael-Bay-Film gepasst hätten.

Das ist verdammt schade, weil die Schauplätze, wie beispielsweise das fantastische Puppenhaus, extrem viel Potenzial haben, den Titel alleine zu tragen. Da braucht es kein Effekt-Feuerwerk mit Gegnerhorden a la "Dead Space 3", um eine dichte Survival-Horror-Atmosphäre aufzubauen.

Sei's drum: "Resident Evil Village" macht im Gesamtbild trotzdem extrem viel richtig. Über die gesamte Spielzeit fühlte ich mich in keiner Sekunde gelangweilt, auch wenn der Horror an sich in großen Teilen erwartungsgemäß auf der Strecke blieb.

Capcom darf sich trotzdem auf die Schulter klopfen: Klammert man den letzten Abschnitt aus, wurde hier ein richtig dickes Brett gebohrt.

Fazit zu "Resident Evil Village"

Trailer und Demo zu "Resident Evil Village" hatten mich im Vorfeld schon gepackt, das eigentliche Spiel hat am Ende aber tatsächlich noch einen drauf gesetzt. Ich konnte den Controller bis zum Spielende tatsächlich kaum weglegen, so habe ich mich in dieser schaurig schönen Welt wohlgefühlt. Widerliche Riesenmonster, Munitionsarmut, wenn eine blutrünstige Werwolfmeute mir ans Leder möchte und sogar etwas Panikfaktor im Puppenhaus: Da wird mir richtig warm ums Herz.

Ich konnte mir bis zum Fabrikgelände beim besten Willen nicht vorstellen, wie "Resident Evil Village" meinen positiven Gesamteindruck noch vergeigen könnte. Tatsächlich war das schon sehr absurd, was die Autoren gegen Ende aufgefahren haben. Als hätte man selbst plötzlich irgendwelche Pilze gefuttert. Trotzdem war ich beim Abspann einfach schwer beeindruckt.

Wer wie ich den vierten "Resident Evil"-Teil verehrt, wird einen Heidenspaß mit diesem Triple-A-Kracher haben. Mit dem Mercenaries-Modus kehrt nach dem Durchspielen ein weiterer alter Bekannter zurück, in dem Ihr Euch auf Zeit durch Gegnerhorden schießen könnt. Alles in allem kann man wirklich sagen, dass das Gesamtpaket sein Geld wert ist.

Titelfoto: Capcom

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