Die Schlacht geht weiter: Erster Nioh 2 DLC "Der Schüler des Tengu" im Test

Japan - "Nioh 2" ist ein bockschweres "Soulslike" von Entwickler Team Ninja. Wer keine Frusttoleranz hat, sollte ganz schnell das Weite suchen. Mit "Der Schüler des Tengu" wurde nun der erste DLC veröffentlicht.

"Nioh 2" im Test: Hier steht Sterben an der Tagesordnung

Nioh 2 verschlägt euch wie schon der Vorgänger ins alte Japan.
Nioh 2 verschlägt euch wie schon der Vorgänger ins alte Japan.  © Sony

Nach etlichen Stunden mit "Nioh 2" bin ich doch sehr verwundert, dass mein PS4-Controller tatsächlich noch heil geblieben ist. 

Klar, mit der Erfahrung aus drei "Dark Souls"-Teilen, "Bloodborne", "Sekiro" und natürlich dem Vorgänger "Nioh" wusste ich genau, worauf ich mich bei der Dämonenjagd aus dem Hause Team Ninja einlasse. 

Und dennoch: Im Vorfeld war "vom schwersten Spiel aller Zeiten" die Rede. Das würde ich so allerdings nicht unterschreiben wollen, auch wenn sich "Nioh 2" richtig Mühe gibt, Eure Nerven gehörig zu strapazieren.

Doch fangen wir zunächst einmal mit den Rahmendaten an: "Nioh 2" spielt wie schon der Vorgänger im Japan des 16. Jahrhunderts. Dämonen verwüsten das Land, das durch Kriege und zahlreiche Machtkämpfe nicht gerade lebensbejahend daherkommt. 

Anders als im Vorgänger könnt Ihr Euch dieses Mal einen eigenen Helden basteln, der die bösartigen Yokai dezent dezimieren soll. Um nicht wie die meisten menschlichen Widersacher absolut chancenlos gegen die teils riesigen Dämonenviecher zu sein, seid Ihr praktischerweise zur Hälfte selbst ein Yokai. Das bringt Euch interessante neue Moves ein, die Ihr zum Überleben dringend brauchen werdet.

Sonst präsentiert sich die Story mindestens genau so kryptisch, wie die meisten anderen Soulslike-Vertreter auch. Denn das Hauptaugenmerk soll natürlich auf den wuchtigen Kämpfen liegen - und die haben es in sich!

Gleich vorweg: Wer entspannt nach einem harten Arbeitstag mal schnell eine halbe Stunde in Ruhe auf der Couch spielen möchte, sollte "Nioh 2" lieber unberührt im Laden stehen lassen. Denn diese Spielergruppe soll ganz nach dem "Dark Souls"-Vorbild nicht angesprochen werden. 

Sterben steht an der Tagesordnung. Ein falscher Schritt, ein unbedachter Angriff und Euer Charakter segnet das Zeitliche. So waren Soulslike-Spiele immer, so werden sie auch hoffentlich immer bleiben.

"Nioh 2" könnte glatt eine Erweiterung des Vorgängers sein

Wahlweise könnt ihr nun auch mit einem weiblichen Helden in die Schlacht treten.
Wahlweise könnt ihr nun auch mit einem weiblichen Helden in die Schlacht treten.  © Sony

Wie im ersten Teil bereist Ihr mit Eurem Helden keine zusammenhängende Welt, sondern absolviert vorgefertigte Missionen in einzelnen Levels. Ihr streift durch zerstörte Dörfer, verwunschene Wälder und prächtige Bauten aus dem alten Japan. Alles ganz nett anzusehen, jedoch ähneln die Schauplätze sehr an die des Vorgängers.

Allgemein lassen sich die Neuerungen mehr oder weniger an einer Hand abzählen: Durch Euren biologisch bedingten Halbdämonenzusatz verfügt Ihr über neue mächtige Moves, die Euch in Notsituationen durchaus noch unerwartet das Leben retten können. 

Zweite nützliche Neuerung: Ihr könnt jetzt an fast jeder Stelle im Spiel für einen kleinen Obolus computergesteuerte Helden von anderen verstorbenen Spielern rufen, die mit Euch Seite an Seite kämpfen. Eine sinnvolle und wohltuende Idee, würde sich die KI nicht teilweise wie ein Lemming verhalten.

Unsere Mitstreiter sehnten sich bei unserem Test nicht nur einmal offenkundig nach ihrem eigenen Ableben. Völlig ohne Furcht blieben sie im Feuer stehen, starteten blindlings einen Frontalangriff auf einen Endgegner, währenddessen der gerade seine Spezialattacke ausführte oder folgten abgestürzten Samurai blind in den unfreiwilligen Freisprung von einer Brücke. Damit sich gerade gegen Ende die Helfer tatsächlich als nützlich erweisen sollen, sollte Team Ninja da in jedem Fall noch nachpatchen.

Wer nicht so lange warten will, holt sich solange einfach andere echte Mitspieler mit ins Gemetzel. Für deren mögliche Dummheit kann dann wenigstens die KI nichts. 

Fazit zu "Nioh 2": Spieler mit masochistischer Ader werden dieses Spiel lieben

Die Orte sind schön anzusehen, ähneln jedoch stark dem Vorgänger.
Die Orte sind schön anzusehen, ähneln jedoch stark dem Vorgänger.  © Sony

Ansonsten ist alles beim Alten geblieben. Ihr speichert in den Levels an fair gesetzten Schreinen, steigt durch gewonnene Erfahrung auf und erfreut Euch an den Boni, die Euch kleine gefundene Kodamas in den Levels gewähren. Die Möglichkeit Euren Charakter zu verstärken sind vielfältig: Jede der Waffen besitzt einen eigenen Talentbaum, es gibt verschiedenste Seelenkerne, die Eure Dämonenkräfte weiter verstärken und Ihr könnt komplexe Techniken mit Fähigkeitspunkten kaufen, um im Kampf für mehr Variabilität zu sorgen.

Die habt Ihr durch einen Kniff des Vorgängers eigentlich eh schon: Eure Waffen könnt Ihr in einer hohen, mittleren oder tiefen Haltung schwingen. Je nachdem ändert sich beispielsweise die Stärke Eurer Schläge, allerdings seid Ihr je nach Haltung aber auch anfälliger für bestimmte Attacken. Hier gilt es durch Trial and Error herauszufinden, was wo am besten passt.

Apropos Bezug zum Vorgänger. Wer sich fragt, ob es in "Nioh 2" noch immer unzähligen Loot gibt, darf beruhigt sein: Es gibt sogar noch mehr! Quasi nach jedem Kampf findet Ihr neue Ausrüstung für Euren Helden, die nicht immer nützlich ist und teils absolut sinnfreie Statuserhöhungen bringen. Wer es jedoch immer ganz genau nimmt, kann vermutlich mehr Zeit im Ausrüstungsmenü als im eigentlichen Spiel verbringen. Geschmacksache, keine Frage.

Sollte man sich "Nioh 2" als Fan des Vorgängers oder anderen Soulslike-Titeln also kaufen? Eigentlich schon. Wer Freude am Sterben der eigenen Figur hat, in jedem Fall. Wie eingangs erwähnt, ist "Nioh 2" ein bockschweres Spiel, das keinerlei Mitleid zeigt und Euch spielerisch sicher das ein oder andere Mal an seine Grenzen bringt. Dennoch halte ich es nicht für den schwersten Vertreter seiner Art, da Ihr durch das komplexe Levelsystem jederzeit die Möglichkeit habt, Eure Spielweise komplett zu ändern, um mit den Dämonenhorden letztendlich doch fertig zu werden. 

Die Kämpfe selbst gehen flüssig von der Hand, gut versteckte Items laden stets zum Entdecken ein und wer Spaß am Optimieren hat, wird in den Menüs seine Offenbarung finden. Auf der anderen Seite hat man alles irgendwie schon einmal gesehen. Die wenigen Neuerungen reichen kaum aus, um nicht zu denken, man würde den ersten Teil noch einmal spielen. 

Wer sich daran jedoch nicht stört, bekommt mit "Nioh 2" jedoch einen würdigen Nachfolger präsentiert, der den bereits gelungenen ersten Teil unbekümmert fortsetzt.

UPDATE, 10. August, 9.42 Uhr: Erster Nioh 2 DLC "Der Schüler des Tengu" im Test

Auch im ersten DLC "Der Schüler des Tengu" zeigen Eure Kontrahenten keine Gnade.
Auch im ersten DLC "Der Schüler des Tengu" zeigen Eure Kontrahenten keine Gnade.  © Sony, Team Ninja

Ende Juli veröffentlichte Entwickler "Team Ninja" den ersten von voraussichtlich drei DLC-Erweiterungen für den Action-Rollenspiel-Kracher "Nioh 2".

Auf der Weltkarte ist nach dem Download ein neuer Kartenbereich "Der Schüler des Tengu" verfügbar. Gleich vorweg: Der DLC macht genau da weiter, wo das Hauptspiel aufgehört hat.

Soulslike-Veteranen bekommen die Möglichkeit, zwei weitere umfangreiche Hauptquests und etliche Nebenaufgaben zu absolvieren. Die Levels sind im Vergleich zu anderen Storymissionen ziemlich lang ausgefallen. 

Euch begegnen ein paar neue Gegnertypen wie beispielsweise eine fiese Krabbe, die nur am Rücken wirklich verletzbar ist und ein gigantischer äähhm Fleischhaufen(?), der erstaunlich schnell agiert und Euch auch gern mal überrollt. Zudem haben ein paar bekannte Gegnertypen ein paar nette Upgrades bekommen, um den Spieler mit unerwarteten Schlägen schnell das Licht auszuknipsen.

Nach knapp sieben Stunden Spielzeit sind die zwei Hauptbosse des DLC gelegt und die Messlatte für die beiden kommenden Erweiterungen ziemlich hochgesteckt. Denn "Der Schüler des Tengu" macht ziemlich viel richtig, hat selbst für hochgelevelte Nioh-Spezialisten einen angenehmen Schwierigkeitsgrad und sieht mit den beiden abwechslungsreichen Gebieten zudem noch fantastisch aus.

Obendrauf gibt es spezielle Bildrollenmissionen, die nach Beendigung einen neuen Slot im Ausrüstungsmenü freischalten. Apropos Ausrüstung: Dort geizt "Nioh 2" natürlich weiterhin nicht. Wer auf der Jagd nach dem perfekten Set für den nächsten bevorstehenden Boss ist, kann sich im Menü spezielle Builds anlegen und kommt mit dem Erhalt von teils superseltener Ausrüstung voll auf seine Kosten.

Die Yokai-Dämonen machen euch das Leben schwer.
Die Yokai-Dämonen machen euch das Leben schwer.  © Sony

Fazit: Wer mit dem Hauptspiel seinen Spaß hatte, kommt auch am "Schüler des Tengu" nicht vorbei. Der DLC ist für 9,99 Euro ziemlich umfangreich, sieht gut aus und hat ein paar Bosskämpfe zu bieten, die im Kopf bleiben. Ein kleiner Tipp zum Schluss: Wer leveltechnisch noch etwas hinterherhinkt, sollte den zwei kleinen Krabben am Strand aus der Mitte des ersten Levels immer mal wieder einen Besuch abstatten. Ich weiß nicht ob es geplant war, dass die beiden Meerestiere so viele Erfahrungspunkte abgeben sollen ... 

Titelfoto: Sony

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