Brasilien - Sie stürzte in den Tod, weil ihr Sicherheitsseil beim Bungee-Sprung einfach vergessen wurde: Das unfassbare Schicksal der 21-jährigen Maria Eduarda Rodrigues de Freitas hat weit über die brasilianischen Landesgrenzen hinaus für große Betroffenheit, aber auch Unverständnis gesorgt. Inzwischen haben sich die drei festgenommenen Crew-Mitglieder gegenüber der Polizei zu dem Vorfall geäußert.
"Ich kann es nicht verstehen", sagte Maicon C. (42) laut "O Globo" bei seinem Verhör. "Ich kann nicht verstehen, wie ich das Seil nicht sehen konnte."
Der 42-Jährige wurde nach dem tödlichen Fall von de Freitas am vergangenen Samstag von einer Eisenbahnbrücke nahe São Paulo gemeinsam mit seinen beiden Kollegen Luis Felipe E. (32) sowie Vitor G. (27) festgenommen. Dem Trio droht eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung.
Die Bungee-Crew hatte die nichts ahnende junge Frau für den vermeintlich sicheren Adrenalinkick 40 Meter in die Tiefe geworfen, zuvor jedoch schlicht vergessen, das elastische Seil an ihr zu fixieren. Für die 21-Jährige kam jede Hilfe zu spät. Anschließend kam ans Licht, dass das Team gar keine Genehmigung hatte und das Rope-Jumping von der besagten Brücke ohnehin verboten ist.
Maicon C. und Luis Felipe E. gaben nun an, dass sie eigentlich für das Anlegen der Seile und der Sicherheitsausrüstung verantwortlich gewesen seien.
Hat die Bungee-Crew eine Kamera verschwinden lassen?
"Uns ist bewusst, dass man das Seil sehen kann", sagte Maicon C. Videoaufnahmen des Vorfalls zeigen, wie das Seil unfixiert auf dem Boden liegt. "Wir können uns kaum erklären, warum wir es nicht gesehen haben. Wir waren zu dritt im Einsatz, ich verstehe es nicht."
Luis Felipe E. behauptete dagegen, das Geschehene verdrängt zu haben: "Das ist komplett aus meinem Gedächtnis verschwunden. Ich kann mich nicht erinnern", so der 32-Jährige demnach.
Gustavo, ein weiteres Crew-Mitglied, das aber an diesem Tag nicht für de Freitas zuständig war, erzählte den Behörden außerdem, dass eigentlich ein anderes Mädchen den ersten Sprung des Tages im "Flugzeug"-Stil absolvieren sollte. Die junge Frau habe aber Angst bekommen und die Aktion abgebrochen.
Daneben wirft ein weiteres Detail kein gutes Licht auf das Organisationsteam. Wie "g1" vermeldet, will ein Zeuge nämlich gesehen haben, wie ein Mitarbeiter die GoPro-Kamera von de Freitas, die den Sturz aus ihrer Sicht aufzeichnete, vom leblosen Opfer entwendet hat.
Die Spurensicherung konnte das Gerät bis heute nicht finden, wie die leitende Ermittlerin Andrea Danta Levy dem Blatt bestätigte.