Von Marc-Oliver von Riegen
Potsdam - Bislang durften afghanische Staatsangehörige nur als Straftäter oder Gefährder in ihre Heimat abgeschoben werden. Der Bund hat diese Hürde jetzt gekippt. Greift Brandenburg nun durch?
Das Bundesinnenministerium habe die entsprechenden Einschränkungen aufgehoben, teilte das Ministerium mit.
Damit gelte für Brandenburg, dass die Abschiebung von Straftätern weiterhin Priorität habe, aber nun auch Personen abgeschoben würden, die sich keine Bleibeperspektive erarbeitet hätten oder die keinen Gewinn für die Gesellschaft darstellten, sagte Sozialminister René Wilke (42, SPD) der Deutschen Presse-Agentur.
Dabei geht es nach Angaben des Ministeriums weiterhin nur um männliche afghanische Staatsangehörige, die vollziehbar ausreisepflichtig sind.
Die Erwerbstätigkeit gilt zum Beispiel als ein wichtiges Kriterium. Mit einem sogenannten Chancencenter der Landesübergangseinrichtung in Frankfurt (Oder) will Brandenburg Migranten mit unsicherem Aufenthaltsstatus die Möglichkeit bieten, sich eine Bleibeperspektive zu erarbeiten. Darauf hatte Wilke bei einem Besuch im Juni hingewiesen.
Bundesinnenminister Dobrindt hält an Abschiebungen fest
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) hatte nach einem tödlichen Angriff auf einen Studenten in Trier die Absicht bekräftigt, weiter Straftäter nach Afghanistan abzuschieben.
Ein 22-jähriger Student war in der vergangenen Woche in Trier in der Nähe der Universität erstochen worden. Tatverdächtig ist ein 22 Jahre alter Afghane. Im Juni hatte Dobrindt bereits gesagt, er wolle die Abschiebungen nach Afghanistan erheblich ausweiten.
An der Zusammenarbeit der Bundesregierung mit den islamistischen Taliban in Afghanistan hatte es Kritik gegeben, die Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) aber zurückwies. Im August 2024 waren erstmals seit der Machtübernahme durch die Taliban drei Jahre zuvor 28 männliche Straftäter nach Kabul abgeschoben worden - damals waren allerdings keine Afghanen aus Brandenburg dabei.
In diesem Jahr wurden bisher bereits sechs afghanische Staatsangehörige abgeschoben, teilte das Sozialministerium unter Berufung auf die Zentrale Ausländerbehörde mit.