580 Briefe an einem Tag: Mann soll Steuerschulden für 11.000 Unternehmen bezahlen!

Cardiff - Ein unglaublicher Vorfall in Cardiff scheint ein Steuerschlupfloch in Großbritannien enthüllt zu haben. Denn ein Mann sollte für 11.000 Unternehmen die Steuerschulden in Höhe von 500.000 Pfund (rund 569.194 Euro) bezahlen.

Es dauerte bis zum vergangenen März ehe Dylan Davis mit der Steuerbehörde in Kontakt treten konnte. (Symbolbild)
Es dauerte bis zum vergangenen März ehe Dylan Davis mit der Steuerbehörde in Kontakt treten konnte. (Symbolbild)  © 123RF/merc67

Dylan Davis staunte nicht schlecht, als im vergangenen November Tausende Briefe der Steuerbehörde in der Post kamen. An nur einem einzigen Tag bekam er 580 Nachrichten, berichtet The Independent.

Der Waliser wurde aufgefordert Mehrwertsteuer für circa 11.000 Unternehmen nachzuzahlen. Denn diese hatten sich bei der Steuerbehörde auf seine Adresse registriert.

Seit dem Brexit müssen Online-Märkte (wie Amazon) von den einzelnen Unternehmen die Mehrwertsteuer eintreiben und sie dann an die britische Steuerbehörde zahlen. Diese Regel kann man jedoch umgehen, wenn die Firmen eine Adresse auf der Insel haben. Dabei wird jedoch nicht überprüft, ob die Angaben der Firmen wirklich stimmen.

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So konnte es passieren, dass sich 11.000 Konzerne aus dem Ausland auf ein und dieselbe walisische Adresse registrieren ließen. Viele der Firmen müssen nicht nur Steuern nachzahlen, sondern haben auch Schulden.

Nach vielen Versuchen mit der Steuerbehörde in Kontakt zu treten, gab es im vergangenen März endlich einen Erfolg. Eine Lokalpolitikerin wandte sich im Namen von Davis an den dienstältesten Beamten.

Dieser überprüfte den Fall und kam zu einem überraschenden Schluss.

Dylan Davis bekam innerhalb von sechs Monaten Tausende Briefe

Wegen seiner Mühen wird Dylan Davis eine Entschädigung bekommen. (Symbolbild)
Wegen seiner Mühen wird Dylan Davis eine Entschädigung bekommen. (Symbolbild)  © 123rf/buhta

Auch wenn der Beamte der Steuerbehörde zuerst Betrug vermutete, teilte er in einem Schreiben am 29. März mit, dass er keine Anzeichen für Kriminalität gefunden hätte.

Zum Glück bleibt der Waliser aber nicht auf den Schulden sitzen. Des Weiteren soll er für all den Stress der letzten Wochen entschädigt werden.

Dass die Steuerbehörde bei der Registrierung von knapp 11.000 Unternehmen auf eine Adresse nicht stutzig wurden, ist einfach nur kurios. Die Begründung eines Mitarbeiters macht es auch nicht besser.

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"Es ist nicht ungewöhnlich, dass mehrere Unternehmen von einer Adresse aus operieren, und da die verwendete Adresse nicht Gegenstand einer Transaktionsüberwachung oder Beobachtungsliste war, haben die Risikoregeln das Problem nicht identifiziert", wird ein Beamter durch die Zeitung zitiert.

Ein Spezialist für Finanzkriminalität vermutet trotz der gegenteiligen Einschätzung der Steuerbehörde, Betrug hinter dem Vorfall. Graham Barrow hält es für wahrscheinlich, dass die Firmen die Mehrwertsteuer auf ihre Produkte erheben und dann unterschlagen.

Titelfoto: 123RF/merc67

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