Jharkhand (Indien) - Ein einziges wildes Tier hält derzeit einen ganzen Landstrich in Atem: Im ostindischen Bundesstaat Jharkhand hat ein Elefant innerhalb von nur neun Tagen mindestens 20 Menschen getötet. Die Bevölkerung lebt in Angst und der Koloss ist noch immer auf freiem Fuß.
Die tödlichen Angriffe ereigneten sich zwischen dem 1. und 9. Januar in abgelegenen Wald- und Dorfgebieten des Distrikts West Singhbhum, wie BBC berichtet.
Besonders perfide: Die meisten Opfer wurden nachts überrascht, als sie ihre Reisfelder bewachten oder draußen schliefen - eine in ländlichen Regionen Indiens übliche Praxis.
Unter den Toten sind Männer, Frauen und sogar Kinder. Besonders tragisch: Eine Familie verlor innerhalb einer Nacht den Vater und zwei kleine Kinder. Die Mutter überlebte verletzt - sie erfuhr erst später vom Tod ihrer Liebsten.
Mehr als 100 Forstbeamte sind im Großeinsatz, um das Tier aufzuspüren. Doch der Elefant gilt als jung und flink, er wechselt ständig seinen Aufenthaltsort.
Trommelalarme sollen die Dorfbewohner warnen. Die Behörden raten dringend, nachts nicht mehr ins Freie zu gehen.
Mensch und Tier geraten immer häufiger aneinander
Experten vermuten, dass sich der Elefant in der Paarungsphase befindet. In dieser Zeit werden männliche Tiere durch einen extrem hohen Testosteronspiegel besonders aggressiv.
Dieses Verhalten könne zwar nach zwei bis drei Wochen abklingen, doch bis dahin bleibt die Gefahr groß.
Hintergrund der Tragödie ist auch ein jahrelanger Konflikt zwischen Mensch und Tier. Abholzung, schrumpfende Lebensräume und menschliche Siedlungen entlang alter Elefanten-Wanderwege bringen die Tiere immer häufiger in Kontakt mit Dörfern.
Die Behörden versprechen Entschädigungen für die Hinterbliebenen. Doch für viele Familien ist das nur ein schwacher Trost.
Solange der "Killer-Elefant" nicht gefasst ist, bleibt Jharkhand im Ausnahmezustand.