Anschläge auf Juden geplant? Mutmaßlicher Spion und Komplize angeklagt

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Von Jacqueline Melcher und Marco Krefting

Karlsruhe/Hamburg - Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen einen Mann erhoben, der im Auftrag des Irans Juden für Mord- und Brandanschläge in Deutschland ausgespäht haben soll.

Einsatzfahrzeuge der Polizei fahren auf das Gelände des Bundesgerichtshofes, wo ein mutmaßlicher Iran-Spion vorgeführt wurde. (Archivfoto)
Einsatzfahrzeuge der Polizei fahren auf das Gelände des Bundesgerichtshofes, wo ein mutmaßlicher Iran-Spion vorgeführt wurde. (Archivfoto)  © Bernd Weißbrod/dpa

Darunter waren den Angaben nach der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sowie der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck. Die Karlsruher Behörde wirft dem Dänen mit afghanischen Wurzeln geheimdienstliche Agententätigkeit vor.

Mitangeklagt ist zudem ein mutmaßlicher Komplize des verdächtigten Spions, der ihm seine Unterstützung für eine mögliche Anschlagsvorbereitung zugesagt haben soll. Der Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg muss nun entscheiden, ob er die Anklage gegen die beiden Männer zulässt und wann es gegebenenfalls zum Prozess kommt.

Dänische Polizeibeamte hatten den damals 53 Jahre alten Hauptbeschuldigten am 26. Juni 2025 in der zweitgrößten dänischen Stadt Aarhus festgenommen. Wenige Wochen später wurde er nach Deutschland überstellt und in Karlsruhe einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt. Seitdem sitzt er in deutscher Untersuchungshaft.

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Anfang 2025 soll der mutmaßliche Spion den Auftrag erhalten haben, Informationen über Schuster und Beck einzuholen. "Zudem sollte er zwei jüdische Lebensmittelhändler in Berlin ausspähen", so der Vorwurf der Bundesanwaltschaft. Auftragsgemäß habe der Däne im Frühjahr 2025 in Berlin diverse Orte ausgekundschaftet.

Erster Hinweis auf den mutmaßlichen Spion kam aus dem Ausland

Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (55, CSU) kam der erste Hinweis auf den mutmaßlichen Spion aus dem Ausland. (Archivfoto)
Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (55, CSU) kam der erste Hinweis auf den mutmaßlichen Spion aus dem Ausland. (Archivfoto)  © Michael Kappeler/dpa

Den Auftrag sollen ihm nach früheren Informationen die sogenannten Al-Kuds-Brigaden erteilt haben - die Auslandseinheit der einflussreichen Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht. Zu ihren Aufgaben gehören verdeckte Geheimdienstoperationen im Ausland.

Volker Beck forderte, der Vorgang dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben: "Jüdisches Leben und der Einsatz für den jüdischen und demokratischen Staat werden vom Regime der Islamischen Republik Iran auf deutschem Boden mit Ermordung bedroht und angegriffen – immer wieder."

Unter anderem fordert die Deutsch-Israelische Gesellschaft, dass Berlin den iranischen Botschafter ausweisen soll. Zudem sollten weitere iranische Diplomaten zu unerwünschten Personen erklärt und aufgefordert werden, Deutschland zu verlassen.

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Der erste Hinweis auf den mutmaßlichen Spion kam laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (55, CSU) von einem befreundeten Nachrichtendienst aus dem Ausland.

Man habe mit mehreren ausländischen Diensten in der Sache kooperiert, sagte er nach der Festnahme im vergangenen Jahr. Eine mit dem Thema vertraute Quelle bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad beteiligt war.

Iran weist Vorwürfe zurück und spricht von Kampagne

Der Iran wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer Kampagne, um von Israels Krieg gegen das Land abzulenken.
Der Iran wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer Kampagne, um von Israels Krieg gegen das Land abzulenken.  © 123RF/bornamir

Der Festgenommene stehe im Verdacht, Vorbereitungen für Brandanschläge getroffen zu haben, sagte Dobrindt damals weiter. Unter anderem soll er versucht haben, Menschen anzuheuern, die diese Anschläge ausführen. Das Auswärtige Amt bestellte nach der Festnahme den iranischen Botschafter ein.

Der Iran hatte die Vorwürfe damals entschieden zurückgewiesen. Die iranische Botschaft in Berlin sprach von "unbegründeten und gefährlichen Behauptungen", wie die regierungsnahe Nachrichtenagentur Isna berichtete. Die Vorwürfe seien Teil einer Kampagne, um von Israels Krieg gegen den Iran abzulenken.

Israel hatte am 13. Juni 2025 den Iran angegriffen und landesweit Ziele bombardiert. Als Begründung führte die Regierung die Bedrohung durch Irans umstrittenes Atomprogramm an - Israel befürchtet, die Islamische Republik könnte eine Atombombe bauen. Der Iran bestreitet dies und reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen. Später bombardierten die USA iranische Atomanlagen. Im Februar brach der Krieg erneut aus, inzwischen gilt eine Waffenruhe.

Im November hatte die Bundesanwaltschaft in Dänemark dann den nun Mitangeklagten festnehmen lassen. Der Afghane soll dem Dänen zugesagt haben, einem unbekannten Dritten eine Waffe zu verschaffen und ihn zu einem Mordanschlag auf Volker Beck zu veranlassen, teilte die Behörde mit. Auch er sitzt seit seiner Auslieferung nach Deutschland in Untersuchungshaft.

Titelfoto: Bernd Weißbrod/dpa

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