Italienische Stadt bietet Häuser für einen Euro an: Warum sie trotzdem keiner kaufen will

Italien - Viele italienische Gemeinden versuchen schon seit Jahren, leer stehenden Häusern wieder neues Leben einzuhauchen. Auch in Patrica wagte der Bürgermeister den Versuch, das will nur nicht so recht klappen.

Patrica liegt in der Provinz Frosinone.
Patrica liegt in der Provinz Frosinone.  © Facebook/Comune di Patrica -Amministrazione Comunale-

Beim Vorhaben, die Bauten wieder zu füllen, setzt man vor allem auf den Verkauf der Immobilien an Ausländer und das für gerade mal einen Euro, wie es in einem Bericht von CNN heißt.

Das funktionierte auch bereits in einigen Städten, darunter zum Beispiel Mussomeli auf Sizilien. Leider kann nicht jede Stadt diesen Erfolg feiern.

Dazu zählt auch das 3000-Einwohner-Städtchen Patrica im Süden Roms. Trotz seiner eigentlich sehr schönen Lage stehen dort schon seit mehr als einem Jahrhundert 40 der Häuser leer.

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Für eine bessere Zukunft der Stadt wollte auch der Bürgermeister Lucio Fiordaliso es genauso wie bei den erfolgreichen anderen Städten versuchen, aber das lief nicht wie geplant.

Das größte Hindernis sind die Eigentümer selbst

Viele Familien haben vor langer Zeit die Stadt verlassen.
Viele Familien haben vor langer Zeit die Stadt verlassen.  © IMAGO/Wirestock

In anderen Regionen Italiens, die wegen Erdbeben oder sonstigen Naturkatastrophen nicht mehr bewohnt sind, dürfen Häuser auch ohne Zustimmung ihrer Besitzer verkauft werden.

In Patrica ist das aber nicht der Fall und das macht den Verkauf ziemlich kompliziert.

"Wir haben zunächst alle verlassenen Häuser kartiert und einen offiziellen Aufruf an die ursprünglichen Besitzer gerichtet, um sie aufzufordern, ihre baufälligen Familienhäuser abzugeben, aber es ist uns nur gelungen, zwei Häuser für einen Euro zu verkaufen", sagte Fiordaliso über sein Vorhaben.

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Die Stadt hat nach dem Aufruf ein Go von zehn weiteren Eigentümern erhalten, die sich aber in letzter Minute wieder umentschieden. Alle anderen haben nicht mal geantwortet.

In Italien kann die Erbschaft zum Problem werden

Italien hat schon länger Probleme mit leer stehenden Bauten.
Italien hat schon länger Probleme mit leer stehenden Bauten.  © 123rf/1xpert

Früher war es hier üblich, dass Kinder nur Teile eines Besitzes bekamen.

Dazu zählen zum Beispiel Obstgärten oder andere Grundstücksteile. Auch Abschnitte des Hauses selbst können unter den Erben aufgeteilt sein, dann gehört einem das Badezimmer und dem nächsten der Balkon.

Deshalb ist es so schwierig, die Zustimmung für den Verkauf zu erhalten. Wenn die Familien dann noch den Kontakt verlieren oder sich gar zerstritten haben, dann scheint es unmöglich, eine Antwort von allen Beteiligten zu bekommen.

Dadurch, dass die Häuser schon seit so langer Zeit leer stehen, ist bei einigen der Besitzanspruch nicht mal wirklich geklärt.

Die Stadt und der Bürgermeister verzweifeln schon lange an der Suche nach den verschiedenen Eigentümern. "Es ist wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen", meint er dazu.

Der Zustand mancher Häuser ist zu schlimm für den Verkauf

Einige Häuser sind schon seit Jahrzehnten unbewohnt. (Symbolbild)
Einige Häuser sind schon seit Jahrzehnten unbewohnt. (Symbolbild)  © 123rf/mulderphoto

Einige der alten Bauten sind mittlerweile so verwahrlost, dass sich ein Kauf selbst für einen Euro wohl kaum lohnen sollte.

Eines von diesen gehört dem Patricaner Gianni Valleco, der sich gemeinsam mit seinen zwei Brüdern entschied, das alte Haus der Eltern zu verhökern.

Bedauerlicherweise stellten sie schnell fest, dass ihr Objekt nicht so viele Käufer anzog, wie sie anfänglich dachten.

"Das Dach und die meisten Wände waren eingestürzt und hinterließen einen Raum unter freiem Himmel, der mit Gras und Sträuchern bedeckt war. Alles, was übrig blieb, war ein Stück Land, ein hässlicher Garten im Herzen des historischen Zentrums", berichtet er über den Zustand des Hauses.

Eine solche Beschreibung trifft zwar nicht auf alle Häuser zu, aber trotz vorhandener Interessenten sowohl aus Europa als auch aus den USA konnten die besser aussehenden bisher nicht verkauft werden.

Neue Strategien sollen zum Erfolg führen

Das Renovieren der Häuser soll sich wieder lohnen. (Symbolbild)
Das Renovieren der Häuser soll sich wieder lohnen. (Symbolbild)  © 123RF/visivasnc

Die Stadtverwaltung hat beispielsweise zugestimmt, die Renovierung einiger Fassaden zu bezahlen.

Das nahmen zumindest manche der Einwohner als Anlass, etwas aus ihren verfallenen Erbstücken zu machen, darunter Alessandra Pagliarosi. Sie errichtete in ihrem alten Herrenhaus ein B&B (Bed and Breakfast).

"Dieser Schritt des Bürgermeisters gab uns endlich einen guten Grund, die Immobilie, die vorher nutzlos herumstand, vollständig zu renovieren", sagt Pagliarosi.

Außerdem profitiert sie so von Steuervorteilen, die von den Abgaben für Abfallentsorgung, Werbung und die Nutzung öffentlicher Flächen befreit. Diese gelten zehn Jahre lang für alle, die eine gewerbliche Tätigkeit aufnehmen.

Möglichkeiten wie diese könnten der Stadt in Zukunft helfen, doch noch etwas aus ihrem alten Viertel zu machen.

Titelfoto: Facebook/Comune di Patrica -Amministrazione Comunale-

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