Politiker verliert Wahl so deutlich, wie nie einer zuvor: "Alle sind sich einig"

Toronto (Kanada) - Félix-Antoine Hamel (45) nimmt es mit Humor. Bei jüngsten Nachwahlen im Bezirk St. Paul's in Toronto (Ontario, Kanada) hat der Politiker mit null Stimmen verloren. Damit geht er in die Geschichtsbücher des Landes ein.

Der 45-jährige Musiker Félix-Antoine Hamel geht in die Geschichte Kanadas ein.
Der 45-jährige Musiker Félix-Antoine Hamel geht in die Geschichte Kanadas ein.  © Facebook/Félix Xilèf Hamel

"Als ich das Ergebnis sah, dachte ich: 'Nun, ich bin der wahre Einheitskandidat. Alle sind sich einig, nicht für mich zu stimmen", so Hamel gegenüber CBC News. Das Ergebnis ist in der Datenbank des Parlaments zu finden.

Damit ist er laut Bericht der einzige Kandidat auf Bundesebene seit der Gründung des Landes (1867), der in einem umkämpften Wahlkreis null Stimmen erhalten hat.

Der 45-jährige Musiker aus Montreal kandidierte am 24. Juni als einer von 84 Kandidaten. Seine Teilnahme sei ein Teil eines Protestes des "Longest Ballot Committee" (auf Deutsch: Ausschuss für den längsten Wahlgang) gewesen.

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Die Gruppe überflutet Wahlzettel mit einer Vielzahl unabhängiger Kandidaten, da das aktuelle Wahlsystem laut ihnen kleinere Parteien benachteiligt.

Félix-Antoine Hamel hat nicht einmal für sich selbst gestimmt

Hamel verlor die Wahl in Toronto-St. Paul's mit null Stimmen! (Symbolbild)
Hamel verlor die Wahl in Toronto-St. Paul's mit null Stimmen! (Symbolbild)  © Sebastian Gollnow/dpa

Einige Politiker hätten zwar in der Vergangenheit ebenfalls null Stimmen erhalten, jedoch gewannen diese dennoch ihre Sitze, da sie ohne Gegenkandidaten antraten. Dies geschah letztmals 1957.

Die meisten unabhängigen Kandidaten, die ohne eine Partei antreten, würden zumindest für sich selbst stimmen. Doch das Kuriose: Hamel konnte in Toronto-St. Paul's nicht einmal unter seinen Namen ein Kreuz setzen - er wohnt dort nicht!

Zudem gab er gegenüber dem Sender zu, dass er sich auch kaum um den Wahlkampf gekümmert hat. Dennoch sei er froh, dass er ein Bewusstsein für die Wahlrechtsreform schärfen konnte und an einem fairen, demokratischen Prozess teilnahm. Über den Verfall von Demokratien in anderen Teilen der Welt sei er besorgt.

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"Solange ich das Recht und das Privileg habe, bei einer Wahl null Stimmen zu bekommen, befinden wir uns wirklich in einer Demokratie", so Félix-Antoine Hamel.

Titelfoto: Bildmontage: Facebook/Félix Xilèf Hamel // Sebastian Gollnow/dpa

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