Niederlande - In den Niederlanden hat ein Arzt erstmals das Leben eines unheilbar kranken Kindes durch aktive Sterbehilfe beendet. Der Fall war bereits im Sommer an die Öffentlichkeit gelangt. Nun wurde bekannt: Das schwer kranke Kind war noch keine zwei Jahre alt.
Durch eine Änderung der Sterbehilfe-Regelung dürfen Ärzte in den Niederlanden seit dem Jahr 2024 unter strengsten Voraussetzungen das Leben unheilbar kranker Kinder zwischen einem und zwölf Jahren aktiv beenden.
Ende 2025 kam es erstmals dazu, wie niederländische Behörden bereits im Juni bestätigt hatten. Ein Mediziner hatte einem schwer kranken Kind damals eine Giftspritze verabreicht, um es von seinem Leiden zu erlösen.
Nähere Angaben zu dem Fall, etwa zum Alter oder der Erkrankung des Kindes, machten die Behörden jedoch nicht.
Ein später veröffentlichter offizieller Regierungsbericht bringt nun erstmals weitere Informationen ans Licht: Daraus geht hervor, dass das betroffene Kind zum Zeitpunkt seines Todes erst knapp 24 Monate alt war.
Demnach kam das Kind während eines Auslandsurlaubs in der 27. Schwangerschaftswoche als Extremfrühchen zur Welt. Bereits nach wenigen Monaten stellten Ärzte bei einer MRT-Untersuchung "ausgeprägte Hirnschäden" bei dem Säugling fest - mit dramatischen Auswirkungen.
Kleinkind "geistig und motorisch schwerstbehindert"
Seit das Baby etwa acht Monate alt war, wurde es von schweren epileptischen Anfällen geplagt, die mit Schlafstörungen, Schmerzen und Atemnot einhergingen.
Der niederländische Prüfungsausschuss beschrieb das Kind als "geistig und motorisch schwerstbehindert" sowie stark entwicklungsverzögert. Im Alter von knapp zwei Jahren sei es auf dem Stand eines sechs Wochen alten Säuglings gewesen.
"Sämtliche Aspekte des Menschseins - Motorik, Verhalten und Persönlichkeit - waren schwer beeinträchtigt, und eine Besserung blieb aus", hieß es in dem Bericht. Eltern und Ärzte seien überzeugt davon gewesen, "dass das Kind unerträglich litt und keine Hoffnung mehr bestand".
Die Eltern hätten den behandelnden Arzt mehrfach gebeten, "das Leben des Kindes zu beenden". Erst als alle Behandlungsmöglichkeiten, auch nach Rücksprache mit unabhängigen Medizinern, ausgeschöpft waren, habe man die aktive Sterbehilfe als letzten Ausweg betrachtet, um das Leiden des Kindes zu beenden.
Die Regelung, die im Februar 2024 in Kraft getreten war, ist nur für absolute Ausnahmefälle gedacht. Es ist bislang der einzige bekannt gewordene Fall seit der Einführung der Sterbehilfe für Kinder in den Niederlanden.