Schwere Vorwürfe gegen Tiroler Luxushotel "Interalpen": Azubis sexuell belästigt, beschimpft und erniedrigt?

Tirol/Österreich - Zahlreiche Promis, darunter auch Stars von Real Madrid, waren immer wieder Gäste in einem Tiroler Hotel - doch nun wurden schwere Vorwürfe gegen das Luxushotel Interalpen öffentlich: Lehrlinge sollen dort belästigt, verletzt und erniedrigt worden sein.

Das Tiroler Luxushotel "Interalpen" muss sich schweren Vorwürfen stellen.
Das Tiroler Luxushotel "Interalpen" muss sich schweren Vorwürfen stellen.  © Can Merey/dpa

Gegen vier Mitarbeiter der Hotel-Gastronomie erhoben ehemalige Koch-Azubis konkrete Anschuldigungen - im Raum stehen sexuelle Belästigung, körperliche Gewalt sowie sexistische und rassistische Beleidigungen. Mit der Zeitschrift Dossier haben sie gesprochen und ihre Vorwürfe mit zahlreichen Dokumenten, Fotos, Videos und Chatnachrichten untermauert.

Konkret ging es um den Küchenchef und drei unter ihm stehende Führungskräfte. Einer der schwerwiegendsten Vorwürfe richtete sich gegen eine Person, die E. genannt wurde - er leitete die Küche des À-la-carte-Restaurants.

Für sein Team habe er eine WhatsApp-Gruppe eröffnet, die er "A la fotzen" genannt habe. Das Profilbild habe einen Mitarbeiter gezeigt, der vor einer entblößten Vulva posiert habe. Eine ehemalige Auszubildende, die hier Lisa genannt wird, warf E. zudem vor, sie monatelang sexuell belästigt zu haben.

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In einem Protokoll hieß es nach Lisas Meldung an das Personalmanagement: "'Villa E.' steht zum Bumsen bereit, er schnitzt Gurkenpenisse, macht Sahnestraßen als Anspielung". Zudem habe er eines Nachts betrunken an ihrem Zimmer geklopft und sich nackt ausgezogen, als er hinter ihr stand.

Beide hätten in Mitarbeiterzimmern des Hotels geschlafen - dort habe sich Lisa jedoch nicht mehr sicher gefühlt. Eines Nachts fragte er sie per Chat, ob sie noch auf sein Zimmer kommen wolle. Konsequenzen gab es für E. zunächst nicht - Lisa habe die Situation nicht mehr ausgehalten und kurze Zeit später gekündigt.

Küchenchef soll Azubi aufgefordert haben, Schokolade von Sex-Toy zu essen

Der Küchenchef M. soll mit drei weiteren Mitarbeitern mehrere Azubis beleidigt und erniedrigt haben. (Symbolbild)
Der Küchenchef M. soll mit drei weiteren Mitarbeitern mehrere Azubis beleidigt und erniedrigt haben. (Symbolbild)  © 123RF/latkun

Laut dem Magazin habe E. auch Monate nach den Anschuldigungen noch in dem Luxushotel gearbeitet. Noch bevor sich weitere Azubis an die Personalabteilung gewandt hatten, hätten sie zunächst das Gespräch mit dem Küchenchef gesucht, der M. genannt wird.

Dieser habe seine Mitarbeiter jedoch geschützt, die Beschwerden nicht ernst genommen und diese teilweise als "zickig" abgetan. Auch ihm wurde sexistisches Verhalten vorgeworfen. Eine andere Auszubildende, Elina, sei einst in sein Büro gebeten worden.

Dort hätten mehrere Männer an einem Tisch gesessen, in der Mitte habe ein großer, dunkelblauer Dildo gestanden - mit einem Stück Schokolade darauf. M. habe daraufhin mit Blick auf das Sex-Toy gefragt: "Elina, magst du nicht ein Stück Schokolade?"

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Sie habe das Büro daraufhin perplex verlassen. Zahlreiche weitere Gummipenisse seien auf Fotos und Videos dokumentiert worden.

Ein weiterer Beschuldigter, F., soll die Lehrlinge zudem gezwickt und geschlagen haben - Fotos zeigten die dadurch entstandenen blauen Flecken. Auch Plastikwaffen seien demnach zum Einsatz gekommen.

Luxushotel Interalpen nimmt Stellung zu schweren Vorwürfen

Das Tiroler Luxushotel "Interalpen" äußerte sich zu den Vorwürfen und habe mittlerweile alle vier Beschuldigten entlassen.
Das Tiroler Luxushotel "Interalpen" äußerte sich zu den Vorwürfen und habe mittlerweile alle vier Beschuldigten entlassen.  © CHRISTIAN BRUNA / AFP Foto von CHRISTIAN BRUNA / AFP

Dem vierten Beschuldigten, M., wird vorgeworfen, die Azubis mehrfach beleidigt zu haben. Zudem sei er mit rassistischen Äußerungen aufgefallen und habe während der Arbeit offenbar häufig Alkohol konsumiert.

Das Hotel nahm, wenn auch zurückhaltend, Stellung: "Ein wie hier beschriebenes Fehlverhalten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - insbesondere jede Form sexueller Belästigung, Diskriminierung jeglicher Art sowie Machtmissbrauch - ist inakzeptabel und wird nicht toleriert. Wir verurteilen die Vorfälle aufs Schärfste."

Mittlerweile seien alle vier Männer entlassen worden. Zudem hat das Land Tirol das "Interalpen" erstmals nach neun Jahren von der Liste der ausgezeichneten Lehrbetriebe gestrichen.

Die Arbeiterkammer Tirol hat sich dem Fall angenommen - Ziel sei eine "außergerichtliche Einigung" sowie eine entsprechende "Zahlung von Schadenersatz".

Titelfoto: Montage: Can Merey/dpa, 123rf/latkun

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