Touristen überschwemmen Stadt an der deutschen Grenze: Aggressive Stimmung steigt
Salzburg - Die Mozartstadt Salzburg gilt als älteste Stadt Österreichs und lockt nicht nur mit einer beeindruckenden Festungsanlage unzählige Besucher an. Doch die Touristen-Ströme haben auch einen gravierenden Nachteil. Der Ansturm in Salzburg sorgt für Überforderung, sodass sich die Einheimischen unwohl fühlen, zeigt die 3sat-Doku "Wo uns Touristen überrennen".
Eine der besonders populären Sehenswürdigkeiten ist der Salzburger Dom, der phasenweise zum Müllplatz wurde.
"Man findet von leeren Getränkeflaschen, angefangen [bei] Stadtplänen, Papiertaschentücher[n] und Essensreste[n]", allerhand Merkwürdigkeiten. Teilweise wurden diese Hinterlassenschaften bewusst deponiert, berichtet der Salzburger Mesner Roland Hellrigl in der Dokumentation.
Dort ist auch von Unterwäsche-Funden in der Krypta sowie im Beichtstuhl verrichteter Notdurft die Rede.
Damit der Dom nicht mehr so überrannt wird, wurde vor einigen Jahren eine 5-Euro-Gebühr für den Besuch eingeführt, wodurch es immerhin etwa halb so viele Besucher geworden sind.
Das Geld soll nicht "gewinnorientiert" eingesetzt werden, sondern nur für die Sanierung und Aufrechterhaltung.
Durch die enormen Menschenmassen ist auch das Stresslevel bei Einheimischen und Reisenden gestiegen, schildert Inez Reichl-de Hoogh, die Sprecherin der Fremdenführer Salzburgs.
"Man schreit uns an oder man fährt gezielt mit dem Rad durch die Gruppe", berichtet sie über aggressive Salzburger.
"Ich muss immer ausweichen", plaudert Altstadt-Bewohnerin Claudia Schmidt mit einer Mischung aus Belustigung und Unverständnis über Besucher, die direkt in sie reinlaufen, obwohl sie wahrlich kein kleiner Mensch ist.
Besucherströme in Österreich haben das Maximum noch nicht erreicht
Es gäbe drei Phasen, erklärt Werner Taurer, Tourismusexperte der Fachhochschule Puch-Urstein, und benennt sie als Irritation, Aggression und Agonie.
"Aggression entsteht, wenn die Dichte zu groß wird", erläutert der Fachmann, dass es sich mit den Urlaubern wie in einem Fußballstadion entwickeln könne und die Stimmung dann umschlägt.
Es seien zu viele und "wir kentern bald", erzählt eine Frau, die ihren Souvenirstand neben dem Dom hat, also indirekt von der Touristen-Vielzahl profitiert.
Es gibt jedoch auch Leute, die sich von Trubel und Menschenmassen nicht die Laune verhageln lassen.
"I komm aus der Gastronomie und für mich kann's ni zu viel sein", sagte eine Café-Betreiberin, dass sie den Wirbel sogar genießen könne.
"Salzburg ist eine unglaublich attraktive Stadt, die man auf der ganzen Welt kennt", schätzt Dr. Martin Hochleitner, der Direktor des Salzburg Museums, den Besucheransturm als Zeichen der Zuneigung ein.
Da der Gipfel der Tourismus-Ströme noch nicht erreicht ist, wird in den nächsten Jahren wohl über eine Obergrenze nachgedacht werden müssen.
Die komplette Doku mit dem Titel "Wo uns Touristen überrennen"-Übertourismus in Österreich" findet Ihr in der ZDF-Mediathek.
Titelfoto: IMAGO/ Sven Simon

