Untersuchung zu Nawalnys Tod läuft, Außenministerium bestellt russischen Botschafter ein

Moskau (Russland) - Die Untersuchung der Umstände des Todes des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny (†47) im Straflager läuft nach Kremlangaben noch immer. Indessen bestellt das Außenministerium in Berlin an diesem Montag den russischen Botschafter ein.

Alexej Nawalny (†47) starb am Freitag in einem russischen Straflager.
Alexej Nawalny (†47) starb am Freitag in einem russischen Straflager.  © Jean-Francois Badias/AP/dpa

"Bisher wurden die Ergebnisse dieser Untersuchung nicht veröffentlicht und sind entsprechend auch nicht bekannt", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Nawalnys Team wirft dem Kreml, wie bei dem Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok 2020, Lügen und Hinhaltetaktik vor, um die Hintergründe des Schicksals des Gegners von Kremlchef Wladimir Putin (71) zu verschleiern.

Angehörige und Nawalnys Mitarbeiter fordern die Herausgabe des Leichnams.

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Was mit der Leiche passiere, liege nicht in der Kompetenz des Kreml, behauptete Peskow. "Nein, das ist keine Frage, die uns betrifft. Wir befassen uns nicht mit dieser Angelegenheit. Das gehört nicht zu den Aufgaben der Präsidentenadministration."

Die Kompetenzen des Kreml gelten als unbeschränkt. Es gibt bisher keine offiziellen Angaben dazu, wo Nawalnys Leiche aufbewahrt wird.

Putins Reaktion auf Tod von Nawalny weiterhin unklar

Ljudmila Nawalnaja (r.), die Mutter des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny, fordert die Herausgabe des Leichnams ihres Sohnes.
Ljudmila Nawalnaja (r.), die Mutter des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny, fordert die Herausgabe des Leichnams ihres Sohnes.  © Uncredited/AP/dpa

Peskow äußerte sich laut Interfax nicht zur Frage, wie Putin auf den Tod seines wichtigsten Gegners reagiert habe. Der Kremlchef, der von Nawalnys Team, aber auch von westlichen Regierungen verantwortlich gemacht wird für den Tod, hat sich bisher nicht öffentlich geäußert zu dem Fall.

Laut Medienberichten gab es am Wochenende in Moskau ein Konzert, bei dem Putins Anhänger den Tod Nawalnys mit einem Konzert feierten. Ein Video der grölenden Menge rief breites Entsetzen hervor in Russland.

Peskow wies die Schuldzuweisungen Richtung Putin aus dem Westen zurück. Es handele sich um "offen dreiste Äußerungen", die absolut unpassend seien für staatliche Vertreter.

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Auch russische Menschenrechtler hatten Putin Mord vorgeworfen.

Außenministerium bestellt russischen Botschafter ein

Auf der ganzen Welt gedenken Menschen Alexej Nawalny (†47).
Auf der ganzen Welt gedenken Menschen Alexej Nawalny (†47).  © Christoph Schmidt/dpa

Am heutigen Montag bestellt das Außenministerium in Berlin derweil den russischen Botschafter ein. Das kündigte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts an.

Die politisch motivierten Verfahren gegen Nawalny sowie gegen zahlreiche weitere Kritiker der russischen Regierung und die unmenschlichen Haftbedingungen zeigten, wie brutal die russische Justiz gegen Andersdenkende vorgehe und mit welchen Mitteln Putin Meinungsfreiheit in Russland unterdrücke, sagte die Sprecherin.

"Wir verurteilen dies auf das Allerschärfste und fordern ausdrücklich die Freilassung aller in Russland aus politischen Gründen Inhaftierten."

Die Bundesregierung forderte Russland auf, die Umstände von Nawalnys Tod in einem sibirischen Straflager vollständig aufzuklären und auch den Leichnam an die Familie freizugeben, wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte. Zudem sollte ein straffreies Gedenken das Mindeste sein.

Titelfoto: Jean-Francois Badias/AP/dpa

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