Sanitäterinnen kommen aus Urlaub: Was sie im Flieger erleben, werden sie so schnell nicht vergessen
Atlanta/Portland (USA) - Wenn das Flugzeug zum Kreißsaal wird: Hochschwanger und auf dem Weg von Atlanta nach Portland in die Heimat hat sich Ashley Blair zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin vorgenommen, ihr Kind an der Seite ihrer eigenen Mutter zu bekommen. Doch Baby "Brielle Renee" hatte andere Pläne. Ihr Glück: Zwei Rettungssanitäterinnen waren ebenfalls an Bord.
Während die Sanitäterinnen Tina Fritz und ihre beste Freundin Kaarin Powell Freitagabend noch in Erinnerungen an ihren gemeinsamen Urlaub in der Dominikanischen Republik schwelgten, kam über die Freisprech-Anlage des Delta-Flugs "478" die Durchsage, ob sich medizinisches Personal an Bord befindet.
Also halfen die beiden kurzerhand eine Krankenschwester, einen Passagier im hinteren Teil des Flugzeuges zu versorgen.
Derweil setzten allerdings auch bei der hochschwangeren Ashley die Wehen ein.
"Dann kam der Steward zu uns und sagte: 'Hey, wir haben da vorne eine Frau, die glaubt, dass die Wehen einsetzen. Die Wehen kommen etwa alle drei Minuten. Könnt ihr mal nach ihr sehen?'", erinnert sich Fritz im Interview mit dem lokalen Fernsehsender Koin 6.
Die Passagierin steckte schon mitten im Geburtsvorgang
Als die beiden schließlich bei Blair ankamen, steckte sie schon mitten im Geburtsvorgang. Dabei mussten die Sanitäterinnen ordentlich improvisieren: "Ich brauchte ein Erste-Hilfe-Set – gab es nicht. Ich brauchte Decken – gab es auch nicht. Also dachte ich mir: 'Okay, wir müssen uns Decken von den Passagieren besorgen'", so Fritz.
Und um die Nabelschnur abzuklemmen, nutzten sie einfach kurzerhand den Schnürsenkel eines Flugbegleiters.
Ihren eigenen verwendete Fritz hingegen, um einen Druckverband für einen Zugang zu legen.
Dann, so erinnerte sich Fritz, rief die werdende Mutter: "Okay, es ist soweit. Ich muss pressen."
Am Flughafen Portland jubelten alle der frisch gebackenen Mama zu
Doch die "Boeing 737" steckte bereits mitten im Landeanflug.
Und obwohl die Sanitäterinnen sich hätten hinsetzen sollen, blieben sie – unangeschnallt – bei ihrer Mit-Passagierin Ashley, die "mit dreimal richtig gut pressen das Baby zur Welt brachte. In 3000 Meilen Höhe kam dann Miss Brielle Renee zur Welt. Sie wog etwa 2,5 kg und war knapp 47 cm groß. Und das süßeste Wesen, das man sich vorstellen kann", erinnert sich Tina Fritz in ihrem Facebook-Beitrag.
Während die – nun 154 – Passagiere über die Landebahn des Flughafen Portland rollten, übergab Sanitäterin Powell der frisch gebackenen Mutter ihre kleine Tochter, die die Geburt gut überstanden hatte.
"Dann jubelte das ganze Flugzeug der Mama zu. Es war toll", so Fritz.
Titelfoto: Fotomontage: IMAGO / Aviation-Stock, Facebook/Tina Fritz

