25-Jährige nimmt nach Gruppenvergewaltigung aktive Sterbehilfe in Anspruch

Spanien - Nach einer Gruppenvergewaltigung und einem Leben voller Schmerzen wollte Noelia Castillo Ramos (†25) nur noch Abschied nehmen. Der Tod der jungen Frau durch aktive Sterbehilfe hat in Spanien tiefe Trauer ausgelöst.

Die Geschichte von Noelia Castillo Ramos bewegt ganz Spanien. Die 25-Jährige entschied sich für den Freitod und musste fast zwei Jahre juristisch dafür kämpfen.
Die Geschichte von Noelia Castillo Ramos bewegt ganz Spanien. Die 25-Jährige entschied sich für den Freitod und musste fast zwei Jahre juristisch dafür kämpfen.  © X/Anna Lulis

In einem Krankenhaus in Sant Pere de Ribes bei Barcelona erhielt die 25-Jährige am Donnerstagabend gegen den Willen ihrer Eltern eine tödliche Spritze, die ihr Leben sofort beendete.

Noelia wuchs in einer zerrütteten Familie auf, kam zeitweise in staatliche Obhut und erlebte früh sexuelle Gewalt.

Im Oktober 2022 wurde sie Opfer einer Gruppenvergewaltigung. Wenige Tage danach sprang sie aus dem fünften Stock eines Gebäudes - und überlebte querschnittsgelähmt.

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Seitdem saß sie im Rollstuhl, litt unter chronischen Schmerzen und schwerem psychischem Trauma. "Ich kann nicht mehr mit all dem, was mich in meinem Kopf quält, was ich erlebt habe", sagte sie in einem Interview des TV-Senders Antena 3.

Sie wolle "aufhören zu leiden" und sich "endlich ausruhen", so die junge Spanierin. Ärzte hätten ihr gesagt, sie werde vielleicht irgendwann wieder laufen können - sie habe sich jedoch dagegen entschieden. "Und ich bereue es nicht", so Noelia.

Protest vor dem Krankenhaus

Am Donnerstag protestierte eine Gruppe von Menschen am Eingang des Krankenhauses Sant Camil.
Am Donnerstag protestierte eine Gruppe von Menschen am Eingang des Krankenhauses Sant Camil.  © Lorena Sopena/EUROPA PRESS/dpa

Vor dem Vollzug der Sterbehilfe versammelten sich neben Journalisten und Kamerateams auch Dutzende Menschen zu einer Protestkundgebung vor dem Krankenhaus. Sie beteten, sangen und riefen: "Noelia, Du bist nicht allein", "Wir lieben Dich", "Kämpfe weiter" und "Es gibt andere Auswege".

Medien berichteten, vor ihrem Tod habe sich Noelia Castillo im Krankenhaus von ihren Eltern, ihrer Oma mütterlicherseits, ihren beiden Schwestern, zwei Freundinnen und einer Nonne, die sie unterstützt habe, länger als geplant verabschiedet. Deshalb habe sich der Vollzug verzögert.

Wenige Stunden zuvor hatte die Spanische Bischofskonferenz bedauert, dass "in Spanien der Tod als Lösung für Leid dargestellt wird". Auf X sprach man von einer "Wohlstandsgesellschaft", die "unfähig ist, zu pflegen und zu lieben".

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Als "absolutes Drama" bezeichnete die sichtlich bewegte Sprecherin der konservativen Volkspartei PP, Ester Muñoz, vor Journalisten den Fall. Der Staat habe versagt. Der tragische Fall müsse die Gesellschaft dazu bringen, viele Dinge zu überdenken, forderte sie.

Normalerweise berichtet die Redaktion von TAG24 nicht über Themen im Zusammenhang mit Suizid. Da es sich hierbei jedoch um einen bekannten Fall handelt, hat sich die Redaktion dafür entschieden, es dennoch zu thematisieren.

Solltet Ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, findet Ihr bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge, bundeseinheitliche Nummer: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.

Titelfoto: X/Anna Lulis

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