Von Anna Ringle, Mark Kalpidis
Minneapolis (Minnesota, USA) - Nach erneut tödlichen Schüssen bei einem Einsatz von US-Bundesbeamten in Minneapolis wächst die Wut auf US-Präsident Donald Trump (79) und dessen rigorose Abschiebepolitik. Die Eltern des auf der Straße erschossenen US-Bürgers werfen den Einsatzkräften vor, ihren Sohn Alex Pretti ohne legitimen Grund getötet zu haben.
Das Heimatschutzministerium stellt den Fall hingegen als Notwehr dar - doch Videos von der Szene befeuern Zweifel daran. Derweil wächst die Kritik an den Razzien der Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten, bei denen es immer wieder auch zu martialischem Vorgehen gegen protestierende Zivilisten kommt.
Schon als die 37-jährige US-Bürgerin Renée Good Anfang Januar bei einem ICE-Einsatz in Minneapolis in ihrem Auto erschossen worden war, bezeichnete die Regierung das Vorgehen als Notwehr eines Beamten in akuter Lebensgefahr. Doch auch in Goods Fall zeichneten Videos ein anderes Bild.
Prettis Eltern betonten, dass ihr Sohn - ein 37 Jahre alter Krankenpfleger - anders als behauptet keine Bedrohung für die Beamten dargestellt habe, als er an diesem Samstagmorgen (Ortszeit) von den vermummten Einsatzkräften attackiert wurde.
"Die abscheulichen Lügen, die die Regierung über unseren Sohn verbreitet, sind verwerflich und widerwärtig", heißt es in einer Stellungnahme der Familie, die von mehreren US-Medien verbreitet wurde.
"Alex hält eindeutig keine Waffe in der Hand, als er von Trumps mordenden und feigen ICE-Gangstern angegriffen wird." Er habe lediglich versucht, eine von einem Beamten zu Boden gebrachte Frau zu schützen, dabei ein Handy in der Hand gehalten und sei mit Pfefferspray besprüht worden, bevor die Schüsse fielen. Die Wahrheit müsse ans Licht gebracht werden.
Gouverneur spricht von "Kampagne organisierter Brutalität gegen die Bevölkerung"
Minnesotas Regierung und die Stadtverwaltung von Minneapolis forderten Trump unterdessen auf, die mit der Umsetzung seiner radikalen Abschiebepolitik beauftragten Einsatzkräfte aus der Großstadt abzuziehen.
Bürgermeister Jacob Frey (44) bat die Nationalgarde des Bundesstaats um Hilfe, weil die Polizei "wegen der Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit durch Beamte der Einwanderungsbehörde" personelle Unterstützung benötige.
Minnesotas Gouverneur Tim Walz (61) - wie Frey ein Demokrat - kündigte an, dass der Bundesstaat die Aufklärung der tödlichen Schüsse selbst in die Hand nehmen werde, da der Trump-Regierung nicht zu trauen sei. Helfen soll Medienberichten zufolge auch die Nationalgarde.
"Minnesotas Justiz wird das letzte Wort in dieser Sache haben. Sie muss das letzte Wort haben", sagte er in einer Pressekonferenz.
"Diese Besetzung Minnesotas durch die Bundesregierung hat schon lange nichts mehr mit der Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen zu tun. Es ist eine Kampagne organisierter Brutalität gegen die Bevölkerung unseres Bundesstaats."