ICE-Schüsse auf Autofahrer: Bodycam-Video weckt Zweifel an Version der Behörden
Texas (USA) - Ein Jahr nach den tödlichen Schüssen eines Beamten der US-Einwanderungspolizei ICE auf den US-Bürger Ruben Ray Martinez im Bundesstaat Texas sind Videos von dem Vorfall veröffentlicht worden. Die am Freitag (Ortszeit) von den texanischen Behörden zugänglich gemachten Bodycam-Aufnahmen dürften neue Fragen zu dem Fall aufwerfen. So scheinen die Bremslichter von Martinez' Auto zu leuchten, als drei Schüsse zu hören sind.
Das würde der Behördendarstellung widersprechen, Martinez habe sein Fahrzeug beschleunigt und absichtlich auf einen Polizisten zugesteuert.
Zu sehen ist auf den Körperkamera-Aufnahmen dann, wie Polizisten den schwer verletzten 23-Jährigen aus dem Wagen zerren und ihm Handschellen anlegen.
Ein weiteres Video zeigt die Befragung von Martinez' Beifahrer Joshua Orta.
Dieser gibt an, das Auto habe sich "kaum bewegt", bevor die Schüsse abgegeben worden seien. Orta räumt aber auch ein, dass Martinez wegen vorherigen Alkoholkonsums "Panik" bekommen habe, als er die Polizisten gesehen habe - und dass ein Beamter vom Auto am Fuß getroffen worden sei.
Martinez war bereits im März 2025 im texanischen South Padre Island von der Polizei erschossen worden.
Der Vorfall sorgte damals aber nicht für größeres Aufsehen - zumal nicht öffentlich wurde, welche Polizeieinheit den jungen Mann erschossen hatte.
Ray Martinez durch Schüsse von ICE-Beamtem getötet
Erst im vergangenen Monat gab das US-Heimatschutzministerium zu, dass ein ICE-Polizist die tödlichen Schüsse abgegeben hatte.
Zuvor hatte eine Nichtregierungsorganisation die Freigabe interner Behördendokumente zu dem Fall erzwungen.
Martinez gilt damit als erstes von insgesamt drei US-Todesopfern durch Schüsse von Einwanderungspolizisten seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump (79) Anfang 2025.
Im Januar hatten Beamte von ICE und des Grenzschutzes bei zwei Vorfällen in der Großstadt Minneapolis die US-Bürger Renee Good und Alex Pretti erschossen.
Diese auf Handy-Videos festgehaltenen Todesfälle sorgten umgehend für massive Proteste und internationale Schlagzeilen.
Das Vorgehen von Einsatzkräften der Einwanderungsbehörden bei den von Trump angeordneten Abschiebe-Razzien hat scharfe Kritik ausgelöst.
Die Einsatzkräfte sorgen immer wieder mit ihrem brutalen Vorgehen für Empörung.
Titelfoto: Ryan Murphy/AP/dpa

