Mann attackiert US-Abgeordnete während Auftritt in Minneapolis

Von Jürgen Bätz

Minneapolis (USA) - Die prominente demokratische US-Abgeordnete Ilhan Omar (43) ist bei einem Auftritt in Minneapolis von einem Mann aus dem Publikum angegriffen worden.

Die demokratische US-Abgeordnete Ilhan Omar (43) ist für den US-Präsidenten Donald Trump (79) schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge. (Archivbild)
Die demokratische US-Abgeordnete Ilhan Omar (43) ist für den US-Präsidenten Donald Trump (79) schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge. (Archivbild)  © Jose Luis Magana/AP/dpa

Omar forderte angesichts des brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte in der Stadt gerade den Rücktritt von Heimatschutzministerin Kristi Noem (54), als der unbekannte Täter plötzlich aufstand, auf sie zu ging und sie mit einer nicht zu erkennenden Substanz anspritzte.

Videos des Vorfalls zeigen, wie der Angreifer eine Flüssigkeit auf Omar spritzt und sie beschimpft. Sicherheitskräfte überwältigen den Mann, bringen ihn zu Boden und führen ihn dann aus dem Raum. In den wenigen Sekunden, bevor ein Personenschützer eingreift, schien der Mann nicht zu versuchen, sich auf die unmittelbar vor ihm am Podium stehende Abgeordnete zu stürzen oder sie weiter tätlich anzugreifen.

Omar setzte ihren Auftritt danach fort. Man dürfe Angreifern nicht das letzte Wort überlassen, sagte die 43-Jährige. Menschen wie der Täter verstünden nicht, dass der Bundesstaat Minnesota und seine Bürgerinnen und Bürger stark und widerstandsfähig seien. "Wir bleiben widerstandsfähig - was auch immer sie vielleicht auf uns schleudern", sagte Omar unter Jubel und Applaus der Anwesenden. "Ich werde meine Rede zu Ende führen."

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Auf der Plattform X schrieb sie später noch, ihr gehe es gut. Ein "kleiner Unruhestifter" werde sie nicht einschüchtern und davon abhalten, ihre Arbeit zu machen. Omar dankte den Bürgern ihres Wahlkreises, die zu ihr hielten.

Ihr Büro erklärte, der Angreifer habe eine Spritze benutzt, um sie mit einer unbekannten Substanz anzuspritzen. Er sei festgenommen worden.

Donald Trump spottet über Religion und Hautfarbe der Abgeordneten

Immer wieder zieht der US-Präsident Donald Trump (79) über die Religion und Herkunft der Abgeordneten her - insbesondere, wenn diese Mitglied der demokratischen Partei sind.
Immer wieder zieht der US-Präsident Donald Trump (79) über die Religion und Herkunft der Abgeordneten her - insbesondere, wenn diese Mitglied der demokratischen Partei sind.  © Charlie Neibergall/AP/dpa

US-Präsident Donald Trump (79) greift die schwarze Abgeordnete immer wieder heftigst an. Mit Blick auf ihre somalische Wurzeln hat er der US-Bürgerin schon häufiger nahegelegt, sie solle nach Somalia "zurückgehen". Bisweilen bezeichnete er die linke Abgeordnete auch als "garstig" oder machte sich über das Kopftuch der Muslimin lustig. Kritiker bezeichnen solche Angriffe Trumps als rassistisch.

Für manche konservative Republikaner ist die Demokratin Omar ein beliebtes Feindbild - sie ist politisch weit links angesiedelt, eine erfolgreiche schwarze Muslimin und gibt sich trotz aller Kritik stets unbeugsam. Omar hat in der Vergangenheit auch von Morddrohungen gegen sie berichtet.

Die von Omar im Kongress vertretene Stadt Minneapolis befindet sich seit Wochen in Aufruhr. Grund ist ein massiver und oft brutal geführter Einsatz von hochgerüsteten Sicherheitskräften des Bundes, die Trumps rigorose Abschiebe-Politik durchsetzen. Die Stimmung in der Stadt ist - auch nach zwei Tötungen von US-Bürgern durch Sicherheitskräfte des Bundes - extrem angespannt.

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Als Omar gerade acht Jahre alt war, floh ihre Familie aus Somalia, einem Krisenstaat am Horn von Afrika. Die heutige Abgeordnete zog dann 1997 mit ihrer Familie nach Minneapolis. Seit 2019 ist sie Abgeordnete im Repräsentantenhaus in Washington.

Titelfoto: Jose Luis Magana/AP/dpa

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