Block-Prozess: Hitzige Diskussion um Richterin bestimmt 33. Verhandlungstag
Hamburg - Am Dienstag wurde der Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (52) fortgesetzt. TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveblog über den 33. Verhandlungstag.
Der Tag begann mit einem Antrag von Block-Anwalt Ingo Bott auf Einstellung des Verfahrens. Eine objektive Wahrheitsfindung sei nicht mehr möglich, verdeutlichte der Jurist. Sein Hauptargument: Eigentlich vertrauliche Akteninhalte seien regelmäßig in der Presse zu lesen und Zeugen würden sich untereinander abstimmen.
David Rieks, Verteidiger von Gerhard Delling, und Reinhard Daum, Verteidiger von Blocks Cousine Uta B., übten ebenfalls scharfe Kritik an diesem Umstand und regten an, die Öffentlichkeit vom weiteren Prozess auszuschließen.
Apropos Daum: Der Anwalt legte sich mit der Vorsitzenden Richterin Isabel Hildebrandt an. Dabei ging es darum, dass der Verteidigung nur die unleserlichen Rohdaten bestimmter Akteninhalte zur Verfügung gestellt worden seien, was auf Hildebrandts Anweisung hin geschehen sein soll. Auf die entsprechende Frage lehnte die Richterin eine unmittelbare Antwort ab, was bei Daum für massives Unverständnis sorgte.
Marko Voß, Verteidiger des Block-Familienanwalts Dr. Andreas C., stellte daraufhin einen Befangenheitsantrag gegen Hildebrandt, dem sich die anderen Verteidiger anschlossen. Im Raum steht indes, dass der Prozess bis Ende 2026 verlängert werden könnte. Bisher waren Termine bis Ende Juni angesetzt.
15.45 Uhr: Erneute Diskussion zwischen Vorsitzender Richterin und Verteidiger
Die anderen Verteidiger schließen sich den Ausführungen von Anwalt Voß an. Delling-Anwalt Rieks und Daum, Verteidiger der Block-Cousine, kritisieren die Richterin erneut mit scharfen Worten.
Zum wiederholten Male kommt es daraufhin zu einer Diskussion zwischen Daum und Hildebrandt.
Die Verhandlung wird anschließend für den heutigen Tag beendet. Weiter geht es am Freitag (9.30 Uhr).
15.33 Uhr: Familienanwalt der Blocks hält Vorsitzende Richterin für befangen
Es geht weiter mit einem Antrag von Marko Voß, Verteidiger von Familienanwalt Dr. Andreas C.. Der Jurist erklärt, dass sein Mandant die Vorsitzende Richterin aufgrund der Besorgnis der Befangenheit ablehne.
Voß bezieht sich in seiner Erklärung noch mal auf die Ausführungen von Delling-Verteidiger David Rieks, der am Vormittag über nur in unleserlichen Rohdaten vorliegende Akteninhalte gesprochen hatte.
Hildebrandt habe die Akteneinsicht für die Verteidigung "aktiv verhindert und erschwert", argumentiert der Anwalt und bezieht sich dabei nochmals auf die Aussage von Staatsanwältin Paul. Diese hatte erklärt, dass sie sich mit Hildebrandt abgestimmt habe, dass die Verteidigung nur die Rohdaten erhalten solle (siehe Blog-Eintrag 11.57 Uhr).
14.53 Uhr: Pause wird verlängert
Wie ein Justizmitarbeiter soeben mitteilte, wird die Pause bis 15.20 Uhr verlängert.
Für alle Pressevertreter und Zuschauer bedeutet dies, dass sie den Verhandlungssaal direkt wieder verlassen müssen.
14.21 Uhr: Verhandlung unterbrochen
Die Verhandlung wird unterbrochen.
Um 14.50 Uhr soll es weitergehen.
14.14 Uhr: Wird der Prozess bis Ende 2026 verlängert?
Pinar stellt weitere Anträge - für den Fall, dass ihr Antrag auf Abtrennung des Verfahrens gegen P. vom Hauptverfahren abgelehnt werde.
Interessant: Offenbar steht im Raum, dass der Prozess bis Ende 2026 verlängert wird. Pinar erklärt, sie habe eine offizielle Anfrage vom Gericht erhalten, ob sie bis Ende Dezember für die Verteidigung zur Verfügung stehe.
Bisland waren Termine bis Ende Juni angesetzt.
13.52 Uhr: Pinars Antrag wird von anderen Anwälten unterstützt
Nebenklagevertreter von der Meden findet Pinars Antrag "nicht fernliegend" und bezeichnet es als "legitimes Ansinnen".
Auch Delling-Verteidiger David Rieks unterstützt den Antrag. P. sei eine "absolute Randfigur" des Verfahrens, so die Argumentation des Juristen.
13.38 Uhr: Verteidigerin stellt Antrag auf Abtrennung des Verfahrens gegen P.
Gül Pinar, die Anwältin des mitangeklagten Sicherheitsunternehmers Andreas P., stellt einen Antrag auf Abtrennung des Verfahrens gegen ihren Mandanten vom Hauptverfahren.
Unter anderem habe die bisher erfolgte Beweisaufnahme gezeigt, dass die in der Anklage gegen P. genannten Vorwürfe ohne Grundlage seien. Die Verteidigerin verweist auf die Aussagen von Tal S. und David B., die ausgesagt hätten, P. noch nie gesehen zu haben.
Ihr Mandant sei weder in die Planung der Entführung involviert noch an der Tat selbst beteiligt gewesen, verdeutlicht Pinar. Eine Abtrennung des Verfahrens sei die logische Konsequenz.
13.21 Uhr: Richterin lehnt Antrag der Verteidigung auf Unterbrechung ab
Block-Anwalt Ingo Bott und Marko Voß, der Verteidiger von Familienanwalt Andreas C., stellen einen unaufschiebbaren Antrag und erbitten eine einstündige Pause, um sich mit ihren Mandanten zu beraten.
Richterin Hildebrandt lehnt ab und setzt die Verhandlung fort.
13.09 Uhr: Diskussion zwischen Verteidiger und Richterin geht weiter
Mit ein paar Minuten Verspätung wird die Verhandlung fortgesetzt. Der mitangeklagte Tal S. und die Kammer ließen etwas länger auf sich warten.
Verteidiger Daum setzt seine Diskussion um die Rohdaten mit der Vorsitzenden Richterin postwendend fort. "Ich habe so etwas noch nicht erlebt, dass eine Richterin, die eine Entscheidung getroffen hat, sich weigert, diese Entscheidung zu erklären", wettert der Anwalt.
Die Richterin bleibt bei ihrer Antwort, dass Daum seinen Antrag verschriftlichen solle und fragt den Verteidiger, warum er "so aufbrausend" werde. "Sie treiben es auf die Spitze", entgegnet Daum. Hildebrandt antwortet: "Ich weiß nicht, wo das Problem ist?"
12.03 Uhr: Mittagspause bis 13 Uhr
Nach dem Wortgefecht unterbricht die Vorsitzende Richterin die Verhandlung für die obligatorische Mittagspause.
Um 13 Uhr soll es in Saal 237 weitergehen.
11.57 Uhr: Anwalt von Block-Cousine legt sich mit Richterin an
Brisant: Reinhard Daum, der Verteidiger von Blocks Cousine Uta B., beantragt, dass sich die Vorsitzende Richterin dienstlich erklären soll. Staatsanwältin Paul hatte zuvor erklärt, mit der Richterin abgestimmt zu haben, dass die Verteidigung nur Einsicht in die unleserlichen Rohdaten bekomme.
Der Anwalt will von Hildebrandt wissen, ob dies der Wahrheit entspreche. Die Richterin entgegnet, dass sie nicht dazu verpflichtet sei, auf diese Frage unmittelbar zu antworten. Daum wiederholt seine Frage, woraufhin die Richterin ihre Antwort wiederholt. "Ist das Ihr Ernst?", schimpft Daum.
11.47 Uhr: Delling-Verteidiger wirft Staatsanwaltschaft Einflussnahme vor
Als nächstes stellt Delling-Verteidiger David Rieks seinerseits einen langen Antrag. Er argumentiert, dass der Verteidigung eine umfassende Akteneinsicht verwehrt worden sei, auch aus technischen Gründen. Eine Aussetzung des Verfahrens sei deshalb rechtlich zwingend geboten.
Rieks unterstellt der Staatsanwältin Paul zudem, Einfluss auf die Akteneinsicht genommen zu haben beziehungsweise diese für die Verteidigung erschwert zu haben. Diese wehrt sich gegen den Vorwurf.
11.18 Uhr: Block-Anwalt Bott spricht erneut von "Gruppenarbeitszeugen"
Nach der Pause hat erneut Block-Anwalt Bott das Wort. Er spricht von "Polemik" und betont erneut, dass Inhalte, die Teil der Verhandlung sein sollten, bereits vorab der Presse zu entnehmen seien.
Das sei ein Problem für alle Beteiligten und mache eine Wahrheitsfindung unmöglich, wiederholt der Verteidiger. Dabei spricht er erneut von "Gruppenarbeitszeugen", die sich untereinander absprechen und abstimmen würden.
Staatsanwältin Mona Paul erklärt daraufhin, dass es "illusorisch" sei zu glauben, dass zwischen David B. und dessen rechter Hand Keren T. keine Abstimmung erfolge. Die Ausführungen von Bott seien entsprechend ohne wirkliche Grundlage.
10.56 Uhr: Verhandlung für kurze Pause unterbrochen
Die Verhandlung wird von der Vorsitzenden Richterin für eine zehnminütige Pause unterbrochen.
Anschließend sollen nochmals Block-Anwalt Bott und die Staatsanwältin Mona Paul das Wort erteilt bekommen.
10.47 Uhr: Wird die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen?
David Rieks, der Verteidiger von Gerhard Delling widerspricht der Staatsanwältin Mona Paul mit entschiedenen Worten. Diese hatte zuvor erklärt, dass es sich bei dem Verfahren um einen "normalen öffentlichkeitswirksamen Prozess" handele.
Der Anwalt argumentiert, dass das Verfahren ein noch nie dagewesenes Interesse in der Presse ausgelöst habe. Jeder der Beteiligten merke dies nicht nur an den Verhandlungstagen vor Ort, sondern auch dadurch, dass Akteninhalte zuerst in der Presse zu lesen seien und dann erst den Prozessbeteiligten zugestellt würden.
Reinhard Daum, der Verteidiger von Blocks Cousine Uta B., schließt sich Rieks an und regt an, die Öffentlichkeit von der Verhandlung auszuschließen.
10.34 Uhr: Verteidiger von Andreas C. schließt sich Botts Antrag nicht an
Dr. Marko Voß, der Verteidiger des mitangeklagten Familienanwalts Dr. Andreas C., will sich dem Antrag von Bott in dieser Form nicht anschließen, kritisiert die Presseberichterstattung aber auch mit deutlichen Worten.
Zudem verurteilt er, dass sein Mandant in der Presse massiv verdächtigt werde, obwohl er sich in keiner Form mit den Medien oder im Gericht geäußert habe - C. schweigt seit Prozessbeginn zu den Vorwürfen gegen ihn.
10.26 Uhr: Staatsanwaltschaft macht Block-Anwalt scharfe Vorwürfe
Nach dem rund halbstündigen Monolog des Block-Anwalts nimmt die Staatsanwaltschaft Stellung. Sie bezeichnet die Berichterstattung in der Presse als "misslich", widerspricht Bott aber in dem Punkt, dass eine objektive Wahrheitsfindung nicht mehr möglich sei.
Zudem beschuldigt sie den Anwalt, mit seinem Antrag nicht wirklich eine Einstellung des Verfahrens erwirken, sondern schon einmal vorsorglich die Aussagen von David B. als "unwirksam" einordnen zu wollen.
Auch Hensel-Anwalt Philip von der Meden kann den Antrag von Bott nicht nachvollziehen. Er führt unter anderem an, dass Christina Block und ihr Verteidiger selbst gerne und oft den Kontakt mit den Medien gesucht hätten.
10.11 Uhr: Block-Anwalt spricht von widersprüchlichen Zeugenaussagen
Die Antragstellung von Block-Anwalt Bott dauert an. Der Anwalt argumentiert weiter, dass sich verschiedene Zeugen mehrfach in ihren Aussagen selbst widersprochen hätten.
Unter anderem geht er auf den mutmaßlichen Chef-Entführer David B. (68) und dessen rechte Hand Keren T. alias "Olga" ein. Diese hätten sich "offensichtlich untereinander abgesprochen".
Bott führt zudem an, dass eigentlich vertrauliche Akteninhalte mitunter im Wortlaut in verschiedenen Medien nachzulesen seien, Zeugen ihre Aussagen entsprechend anpassen könnten.
9.50 Uhr: Anwalt von Christina Block beantragt Einstellung des Verfahrens
Die Vorsitzende Richterin erteilt Blocks Verteidiger Ingo Bott das Wort. Der Anwalt beantragt daraufhin die komplette Einstellung des Verfahrens.
Bott argumentiert in einem langen Monolog, dass eine "objektive Wahrheitsfindung unmöglich" sei. Der Jurist spricht unter anderem von "sich untereinander abstimmender und den Medienberichten anpassender Zeugen".
Es sei unmöglich geworden, etwas aus der Verhandlung zu schöpfen, was der Wahrheit nahekomme, erklärt Bott. Ein ordnungsgemäßes Strafverfahren sei entsprechend nicht mehr durchführbar.
9.39 Uhr: Privatdetektiv wird heute doch nicht befragt
Mit einigen Minuten Verspätung beginnt der Prozess, nachdem der in U-Haft sitzende Tal S. in Begleitung eines Beamten in den Saal geführt wurde. Stephan Hensel ist heute nicht anwesend.
Die Vorsitzende Richterin verkündet, dass der Privatdetektiv D. heute doch nicht befragt werden könne - sein Kind sei krank und er könne deshalb nicht im Gericht erscheinen. Die Befragung soll wohl in der kommenden Woche nachgeholt werden.
9.15 Uhr: Sehr wenig Andrang im Hamburger Landgericht
Die Aussicht auf Anträge und Stellungnahmen der Anwälte sorgt bei vielen offensichtlich für wenig Interesse.
Der Andrang vor Saal 237 im Landgericht ist am Morgen äußert überschaubar. Neben einigen Pressevertretern sind nur wenige Zuschauer gekommen.
9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter
Am Dienstag soll es vormittags zunächst um Anträge und Stellungnahmen insbesondere der Verteidigung gehen, ehe für 13 Uhr der Privatdetektiv D. als einziger Zeuge geladen ist.
Christina Block hatte, nachdem Ex-Mann Stephan Hensel (51) die Kinder Klara und Theodor im Sommer 2021 eigenmächtig bei sich in Dänemark behalten hatte, Detekteien engagiert, um etwas über den Verbleib ihrer Kinder zu erfahren.
8.45 Uhr: Recap vom 32. Verhandlungstag
Am Montag sagte als einziger Zeuge der Psychologe Dr. Stefan R. aus, der Christina Block im Sorgerechtsstreit beraten hatte. Er erklärte, von einer gewaltsamen Entführung nichts gewusst und erst kurz vor Prozessbeginn davon erfahren zu haben.
Bei seinem Besuch bei den Kindern in Hamburg im Januar 2024 habe es ihm ausgereicht, dass Frau Block von einem Anruf berichtet habe, in dem ihr mitgeteilt worden sei, sie könne ihre Kinder abholen. Weitere Nachfragen habe er demnach nicht gestellt.
Seine fachlichen Einschätzungen sowie das sogenannte "Rückholungskonzept" habe er ausschließlich auf Unterlagen aus früheren Verfahren und auf Aussagen der Familie Block gestützt.
Während der Befragung kamen allerdings Zweifel an der fachlichen Vorgehensweise des Psychologen auf. Nebenklagevertreter Philip von der Meden kritisierte ihn scharf und warf ihm unter anderem unwissenschaftliche Aussagen vor.
Titelfoto: Marcus Brandt/dpa-Pool/dpa
